Auszeichnung geht an Organisation

Internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung erhält Friedensnobelpreis 2017

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Aktivisten der Kampagne zur atomaren Abrüstung haben im September vor der amerikanischen Botschaft protestiert.

Der Nobelpreis geht an die internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung. Die Organisation werde für ihren Kampf für eine atomwaffenfreie Welt gewürdigt, so die Begründung des Komitees. 

Oslo - Um 11 Uhr gab das norwegische Nobelkomitee ihre Entscheidung bekannt: Der Friedensnobelpreis 2017 geht an die internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung (Ican). 

Die Wahl ist gleichzeitig auch eine Aufforderung: Die Auszeichnung der Kampagne soll die Atom-Nationen auffordern, ihre Verpflichtungen zum Verzicht auf Nuklearwaffen einzuhalten. Jury-Chefin Berit Reiss-Andersen sagte am Freitag: „Wir senden Botschaften an alle Staaten, vor allem die mit Atomwaffen.“ Der Nobelpreis sei nicht als Kritik an einem konkreten Land zu verstehen. „Wir treten mit diesem Preis niemandem vors Schienbein“, sagte sie.

Das Risiko, dass Atomwaffen zum Einsatz kämen, sei derzeit größer als seit langer Zeit. Mehrere Staaten modernisierten ihre Arsenale und die Gefahr sei real, dass mehr Länder versuchten, Atomwaffen herzustellen. Konkret nannte Reiss-Andersen Nordkorea.

Geschäftsführerin von Ican von Auszeichnung überwältigt

Die Geschäftsführerin des frisch gebackenen Friedensnobelpreisträgers Ican zeigte sich überwältigt. „Wir bekamen den Anruf nur ein paar Minuten vor der offiziellen Verkündung“, sagte Beatrice Fihn (34), Geschäftsführerin von Ican, der Internationalen Kampagne für die Abschaffung von Atomwaffen, am Freitag vor ihrem Büro in Genf. „Wir waren schockiert, dann haben wir gekichert und einen Moment gedacht, der Anruf war vielleicht ein Scherz.“ Sie seien zutiefst dankbar, sagte Fihn.

Gruppe kam vor zehn Jahren zusammen

Für Nobelpreissieger ist die Genfer Truppe der Internationalen Kampagne für die Abschaffung von Atomwaffen (Ican) ziemlich hipp: Die Generalsekretärin, die Schwedin Beatrice Fihn, ist erst 34 Jahre alt. Ihr Büro in Genf besteht nur aus vier Leuten, alle unter 35. Das Bündnis selbst ist deutlich größer: 450 Friedensgruppen und Organisationen, die sich seit Jahren für Abrüstung engagieren.

Vor zehn Jahren kamen sie zusammen, um sich gemeinsam für einen Vertrag gegen Atomwaffen einzusetzen. Treibende Kraft waren nicht Regierungen, sondern Zehntausende Aktivisten in mehr als 100 Ländern. Im Juli 2017 wurde das Vertragswerk unterzeichnet. Es verbietet Herstellung, Besitz, Einsatz und Lagerung von Atomwaffen und kam gegen den Widerstand der Atommächte und den mit ihnen verbündeten Staaten zustande, darunter Deutschland.

Vorbild für Ican waren andere Abrüstungsverträge: zum Beispiel das internationale Übereinkommen zum Verbot von Landminen, oder die Verträge zum Verbot von Streumunition oder von chemischen Waffen. Bei solchen Abkommen auf Initiative der Zivilgesellschaft rücken immer die verheerenden Folgen der Waffen für die Bevölkerung ins Zentrum.

Die internationale Ächtung der Waffen setze Regierungen unter Druck, die nicht unterzeichnen, so Ican. Für Fihn ist die Sache einfach: „Ist es akzeptabel, Hunderttausende Menschen umzubringen oder nicht? Wenn nicht, müssten Atomwaffen verboten werden“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur vor der Preisverkündung.

Vertrag könnte Ende nächsten Jahres in Kraft treten 

Zu den Ican-Mitgliedern gehören etwa die internationale Juristenvereinigung gegen Atomwaffen, der Internationale Gewerkschaftsbund und aus Deutschland das Forum Friedensethik (FFE) der Evangelischen Landeskirche in Baden.

Der Vertrag tritt in Kraft, wenn 50 Mitglieder ihn ratifiziert haben. Fehn rechnet damit bis Ende nächsten Jahres. Keiner der Atomländer hat ihn unterzeichnet. Deutschland und die anderen Mitglieder des nordatlantischen Atombündnisses (Nato) sagen, das sei mit der Nato-Mitgliedschaft nicht vereinbar.

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