"Das sind meistens bloß Selbstdarsteller"

Interview mit Hessens AfD-Chef Lambrou: Rechtsextreme Mitglieder loswerden

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Um ein bürgerlich-konservatives Gesicht zu bewahren, macht vor allem der Landesverband der AfD in Hessen mit Parteiausschlussverfahren gegen Mitglieder mit rechtsextremer Gesinnung von sich Reden.

Im Interview sprach die *HNA darüber mit dem AfD-Landesgruppenchef Robert Lambrou.

Herr Lambrou, wieviele Neumitglieder bekommt die AfD in Hessen pro Woche?

Das ist unterschiedlich. Am 1. Januar 2018 standen wir bei 2349 Mitgliedern, heute (Anmerkung der Redaktion: Stand Ende Februar 2019) zählen wir 2930 Mitglieder. Das ist eine gute Steigerung.

Wie wehren Sie sich gegen die Aufnahme von Menschen mit rechtsradikalem oder rechtsextremem Gedankengut?

Keine Partei ist verpflichtet, alle Antragssteller aufzunehmen. Wir haben einen mehrstufigen Aufnahmeprozess. Die Kreisvorstände kümmern sich in einem Aufnahmegespräch darum, die Person etwas besser kennenzulernen, und geben dann dem Landesvorstand eine Aufnahme- oder Ablehnungsempfehlung. Der Landesvorstand entscheidet auf seiner wöchentlichen Sitzung jeweils über die Aufnahme oder Ablehnung. Der Landesvorstand folgt dabei in der Regel den Empfehlungen der Kreisvorstände. Insgesamt lehnt die AfD in Hessen unter fünf Prozent der Antragsteller ab.

Wo liegt für die AfD die moralische Grenze?

Es geht nicht nur darum, inwieweit die politische Gesinnung zur AfD passt, sondern oft um die Frage, ob die Person zur Partei passt. Wir erleben in den Medien immer wieder Einzelfälle, die für Aufsehen sorgen. Das sind meistens bloß Selbstdarsteller, die zur AfD kommen, weil es bei dieser neuen Partei die größte Aufmerksamkeit unter allen Parteien gibt. Bei jeder neuen Partei erleben wir dieses Phänomen. Das betrifft aber nur einen sehr geringen Teil.

Der hessische AfD-Landesvorsitzende, Robert Lambrou, beklagte schon in der Vergangenheit, seine Partei werde in vielen Fällen als ausländerfeindlich dargestellt. 

Sie sprechen von Einzelfällen, doch sind es vor allem AfD-Politiker, die immer wieder durch problematische Äußerungen auffallen. Liegt das auch daran, dass die Partei ein solches Aufnahmeverfahren in der Anfangsphase außer Acht gelassen hat?

In der Tat machen wir dieses Verfahren erst seit 2015. Das ist eine Lehre aus den ersten zwei Jahren. Andere Parteien machen so was überhaupt nicht. Ich bin mir sicher, dass die anderen Parteien einige Mitglieder an Bord haben, die ihnen auch nicht guttun.

Ob man bei der AfD noch von Einzelfällen sprechen kann, darüber lässt sich streiten. Warum schmeißt die AfD solche Leute nicht aus der Partei?

Das deutsche Parteienrecht ist recht streng. In Österreich zum Beispiel ist es wesentlich einfacher, Parteimitglieder auszuschließen. Bei der AfD gibt es nur Einzelfälle. Der Landesvorstand hat 2018 lediglich weniger als zehn Ordnungsmaßnahmen verhängen müssen. Die meisten Parteimitglieder sind bürgerlich-konservativ und bodenständig.

Welchen Einfluss hat die Beobachtung durch den Verfassungsschutz darauf?

Ich sehe momentan keinen Einfluss. Ich kenne allerdings auch keine offizielle Kategorie Prüffall. Ich halte das für eine politisch motivierte Aktion. Der Verfassungsschutz prüft alle Nase lang alle möglichen Personen und Organisationen.

Lesen Sie auch: AfD darf nicht mehr öffentlich "Prüffall" genannt werden

Wer ist Robert Lambrou

Robert Lambrou (52) ist Vorsitzender der AfD-Fraktion im hessischen Landtag. Er stammt aus einer deutsch-griechischen Familie; sein Vater ist Grieche. In den 1990er-Jahren war er SPD-Mitglied. Der Diplom-Kaufmann, der sich um ein bürgerlich-konservatives Profil der AfD bemüht, lebt in der hessischen Landeshauptstad Wiesbaden.

Von Daniel Göbel

 

*HNA.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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