Tötung eines Atomphysikers

Iran: Diplomatie nicht wegen Anschlags opfern

Nach dem Anschlag
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Menschen beten am Sarg des ermordeten iranischen Atomphysikers Mohsen Fachrisadeh. Foto: --/Iranian Defense Ministry/AP/dpa

Der tödliche Anschlag auf einen Atomexperten nahe Teheran hat für eine erneute Eskalation im Nahen Osten gesorgt. Der Iran sendet jedoch Signale, dass diplomatische Kanäle offen bleiben sollen.

Teheran (dpa) - Der Iran soll den Worten eines Regierungssprechers zufolge diplomatische Bestrebungen nicht wegen des tödlichen Anschlags auf den Atomphysiker Mohsen Fachrisadeh opfern. «In diese Falle sollten wir definitiv nicht tappen», sagte Ali Rabiei.

Auch während der Atomgespräche mit den Weltmächten zwischen 2005 und 2015 gab es laut Rabiei Anschläge auf iranische Kernphysiker. Aber auch damals wurden die Verhandlungen fortgesetzt und nicht wegen der Anschläge aufgegeben, so der Sprecher laut Nachrichtenportal Alef.

Fachrisadeh wurde am Freitag in einem Vorort der Hauptstadt Teherans getötet. Der Iran beschuldigte umgehend «hiesige Söldner» der USA und Israels - bislang hat sich jedoch niemand offiziell zu dem Anschlag bekannt. Das Ziel von US-Präsident Donald Trump und Israels Premierminister Benjamin Netanjahu sei, eine militärische Konfrontation mit dem Iran vor dem Ende von Trumps Amtszeit am 20. Januar zu provozieren. Ein weiteres Ziel sei eine eventuelle Annäherung an die neue US-Regierung unter Joe Biden zu blockieren oder zumindest zu erschweren, so die Einschätzungen in Teheran.

Präsident Hassan Ruhani und die moderaten Kräfte im Land wollen um jeden Preis eine Eskalation in der Region vor Bidens Amtsbeginn vermeiden. Ruhani geht es insbesondere um eine eventuelle Rückkehr Bidens zum Wiener Atomabkommen von 2015, von dem Trump 2018 ausgestiegen war. In dem Fall hofft Ruhani auch auf ein Ende der US-Sanktionen, die den Iran in die schlimmste Wirtschaftskrise seiner Geschichte gestürzt hatten.

Die Hardliner und die Revolutionsgarden (IRGC) wollen jedoch keine diplomatischen Vorstöße, sondern fordern Rache und drohen besonders mit Anschlägen gegen israelische Ziele. «Der kriminelle Feind (Israel) wird diese Tat nicht bereuen, solange wir keine konsequente Reaktion zeigen,» sagte Parlamentspräsident und ehemaliger IRGC-Kommandeur Mohammed Bagher Ghalibaf am Samstag. Die islamistische Tageszeitung Kejhan forderte sogar, sobald die Rolle Israels in dem Anschlag bewiesen sei, einen Angriff auf die israelische Hafenstadt Haifa.

© dpa-infocom, dpa:201129-99-504274/2

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