Nach Protesten in Berlin

Bundesregierung verurteilt Verbrennung von Israel-Fahnen

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De Maizière sagte der "Bild"-Zeitung: "Wir akzeptieren nicht, wenn Juden oder der Staat Israel auf diese beschämende Weise beleidigt werden." Foto: Hendrik Schmidt/Archiv

Nach der US-Entscheidung zu Jerusalem gingen bei Demos in Berlin mehrere israelische Fahnen in Flammen auf. Die Bundesregierung will so etwas nicht dulden. Der Zentralrat der Juden fordert eine hartes Vorgehen gegen solche Zündler. Aber was haben sie zu befürchten?

Berlin (dpa) - Die Bundesregierung hat die Verbrennung israelischer Fahnen bei Kundgebungen in Berlin scharf verurteilt. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von "gravierenden Ausschreitungen" und sagte: "Der Staat muss mit allen Mitteln des Rechtsstaates dagegen einschreiten."

Auch Innenminister Thomas de Maizière (CDU) und Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) erklärten, solche Vorkommnisse seien nicht zu tolerieren. Der Zentralrat der Juden in Deutschland äußerte sich besorgt. Die Berliner Polizei will weitere pro-palästinensische Kundgebungen in den nächsten Tagen genau im Auge behalten. Die nächste steht schon am Dienstag an.

Am Freitag waren bei einer pro-palästinensischen Demonstration am Brandenburger Tor israelische Flaggen verbrannt worden. Zehn Menschen wurden festgenommen, Ermittlungen wegen der Verletzung von Hoheitszeichen ausländischer Staaten wurden eingeleitet.

Die Proteste richteten sich gegen die von US-Präsident Donald Trump verkündete Anerkennung Jerusalems als alleinige Hauptstadt Israels. Am Sonntagabend war am Rande eines Protestzuges erneut eine israelische Flagge in Flammen aufgegangen. Zu welchen Gruppen die Demonstranten zählen, war laut Polizei nicht genau zu spezifizieren.

Merkel sagte nach Sitzungen der CDU-Gremien in Berlin mit Blick auf die Proteste: "Wir wenden uns gegen alle Formen von Antisemitismus und Fremdenhass." Keinerlei Meinungsunterschiede auch über die Frage des Status von Jerusalem rechtfertigten ein solches Vorgehen.

De Maizière sagte der "Bild"-Zeitung: "Wir akzeptieren nicht, wenn Juden oder der Staat Israel auf diese beschämende Weise beleidigt werden." Die Meinungs- und Versammlungsfreiheit in Deutschland müssten friedlich ausgeübt werden. Gabriel schrieb bei Twitter, bei aller verständlichen Kritik an der Jerusalem-Entscheidung der USA gebe es keinerlei Rechtfertigung, israelische Fahnen zu verbrennen. "Unser Rechtsstaat darf und wird das nicht tolerieren."

Regierungssprecher Steffen Seibert sprach von "schändlichen" Vorkommnissen und sagte: "Man muss sich schämen, wenn auf den Straßen deutscher Städte so offen Judenhass zur Schau gestellt wird."

Auch der israelische Botschafter in Berlin, Jeremy Issacharoff, reagierte empört. Bei Twitter schrieb er: "Wer Flaggen verbrennt, verbrennt seinen Anstand und Toleranz."

Grünen-Chef Cem Özdemir warnte Migranten davor, sich an anti-israelischen Protesten zu beteiligen. Das Existenzrecht Israels gehöre zur deutschen Staatsräson und er erwarte, dass auch Migranten ohne Einschränkung diese Staatsräson teilten. "Von Flüchtlingen erwarte ich das in besonderer Weise."

Der Zentralrat der Juden in Deutschland äußerte "tiefe Sorge" angesichts der Proteste und warnte vor einer Spirale der Gewalt. "Für Antisemitismus, egal in welchem Gewand, darf es keine Duldung geben", sagte Verbandspräsident Josef Schuster. Politik und Sicherheitsbehörden müssten konsequent gegen gewalttätige und antisemitische Demonstranten vorgehen.

Schärfer äußerte sich die Ex-Zentralratschefin Charlotte Knobloch. "Ich fordere, dass Polizei und Politik diese antisemitische Agitation endlich verbieten und verhindern. Ich erwarte mehr als verbale Verurteilungen", sagte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München der "Heilbronner Stimme" (Dienstag). "Hier eskaliert tradierter Judenhass, dem jeder Vorwand recht ist. Dafür gibt es keine Rechtfertigung und keine Entschuldigung. Ebenso wenig für die laschen Reaktionen."

Die Berliner Polizei kündigte an, weitere Kundgebungen in den nächsten Tagen genau im Blick zu behalten. Sicherheitsvorkehrungen sollten noch einmal überprüft werden. Zudem werde man untersuchen, ob es sich bei den Vorfällen am Wochenende um strafrechtlich relevante Dinge gehandelt habe, sagte Berlins Polizeisprecher Winfrid Wenzel. Das Verbrennen von Flaggen sei grundsätzlich erst einmal nicht strafbar, das gelte auch für die israelische Fahne. Strafbar werde das nur, wenn die Flagge als Hoheitszeichen verwendet werde, also an einem Mast vor einer Botschaft oder einem Regierungsgebäude etwa.

Zu Sicherheitsvorkehrungen an der israelischen und amerikanischen Botschaft wollte die Polizei wie üblich nicht viel sagen. Die seien generell hoch, da lasse sich kaum noch etwas steigern, hieß es.

Aufmerksam schaut die Berliner Polizei auf mehrere Veranstaltungen am Dienstag rund um das Brandenburger Tor. Am Mittag wollen Rabbiner dort zum Beginn des achttägigen jüdischen Lichterfestes Chanukka einen achtarmigen Leuchter aufstellen. Am Nachmittag ist in der Nähe eine Demonstration palästinensischer und arabischer Gruppen gegen die Jerusalem-Entscheidung der USA angemeldet. Die Polizei will verhindern, dass Teilnehmer der Veranstaltungen aneinandergeraten.

Die Staatssekretärin im Land Berlin, Sawsan Chebli, deren Eltern Palästinenser sind, forderte in der "Welt" (Online) von Muslimen in Deutschland: "Der Kampf gegen Antisemitismus muss auch ihr Kampf sein."

Video "Jüdisches Forum"

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