Was niemand kommen sah

Ein Jahr Donald Trump: Die unglaublichste Wahl

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So lässt sich ein Mann feiern, der aus dem Nichts an die Spitze der Weltherrschaft gesprungen ist: US-Präsident Donald Trump.

All das ist tatsächlich erst zwölf Monate her. Dabei fühlt es sich für viele an, als seien es Jahre - aber erst im November 2016 ist Donald Trump gewählt worden. Was war da passiert?

Washington - Jäh stürzte die Kurve ab, brutal und ungebremst. Über Monate war die Demokratin Hillary Clinton als todsichere Siegerin der US-Wahl beschrieben worden. Auf 85 Prozent taxierte die viel beachtete "New York Times"-Kurve diese Wahrscheinlichkeit.

Donald Trump, Ex-Reality-TV-Star und schwerreicher Bauunternehmer, dümpelte für die Republikaner bei 15 Prozent. Soweit die öffentliche Wahrnehmung zu Beginn dieser historischen Nacht vom 8. auf den 9. November 2016. Dann sank die 85-Prozent-Kurve ins Bodenlose. Kurz darauf war Trump gewählt: Frei von jeglicher politischer Erfahrung, sollte er 45. Präsident der Vereinigten Staaten werden.

TV-Duell Hillary Clinton gegen Donald Trump am 9. Oktober 2016.

Die Geschichte dieses Wahltages ist eine der Irrtümer, der falschen Annahmen und des Wünsch-Dir-Was. Außerdem geht es um massive Versuche der Wahlbeeinflussung aus einem fremden Land und die Frage, welche Rolle eigentlich das FBI für den Wahlausgang spielte.

Sein Zug durch die Vorwahlen war ein einziger Durchmarsch

Mit sehr, sehr wenigen Ausnahmen hatte niemand Trumps Sieg kommen sehen. Als der Unternehmer am 16. Juni 2015 die goldene Rolltreppe seines Trump-Towers herab schwebte und seine Kandidatur bekanntgab, gab es kaum mehr als Gespött. Witze über den Haarhelm des Polit-Laien waren Legion, über seinen orange aufgesprühten Teint, sein Haifischlächeln, die Grimassen. Dann begann er, in ungeahnter Brutalität alle Regeln zu brechen, und bald wurden die Witze leiser.

Von Beginn an und bis zur Wahl dominierte Trump alle wesentlichen Umfragen. Sein Zug durch die Vorwahlen war ein einziger Durchmarsch. Prominenteste Republikaner, die vergebens warteten, der zeternde Mann werde sich schon normalisieren, räumte er rücksichtslos ab. Gekrönt auf dem Parteitag von Cleveland ging er mit besten Werten auf die Zielgerade zum Wahltag. Ernst genommen wurde er immer noch nicht.

Er prahlte, log, wütete und bog die Realität so wie kein Kandidat vor ihm

Am Ende einer historischen Wahlnacht standen 304 Wahlleute für Trump und nur 227 für Clinton. Dass sie gut zwei Prozent mehr Stimmen erhielt als ihr Gegner, ist nicht nur Ausweis eines altertümlichen Wahlsystems, sondern auch Beleg für die tiefe Zerrissenheit der USA. Und Trump, der wenig schlechter kann als verlieren, wurmt diese Stimmniederlage bis heute.

Staunend und ungläubig verfolgte die Welt, wie Trump auf seinem Weg ins Oval Office hetzte und prahlte, log, wütete und die Realität so bog wie kein Kandidat vor ihm. Er riss so ziemlich jedes politische Tabu ein, überschritt jede Grenze. Immer, wenn man dachte, das überlebt er jetzt politisch nicht, völlig unmöglich, wurde er nur noch stärker. Er prahlte sexistisch, äußerte sich rassistisch, nationalistisch, verspottete Juden, Behinderte, Migranten - nichts konnte ihm schaden.

Mit nacktem Populismus hatte Trump im Volk einen Nerv getroffen, eigentlich sogar ein ganzes Bündel. Gnadenlos und geschickt nutzte er Ängste vor der Globalisierung und ihre echten Probleme. Wie sehr und wie erfolgreich, wurde monatelang übersehen, weil viele Konkurrenten und noch sehr viel mehr Berichterstatter an den falschen Orten zuhörten. Und weil viele dachten, dass die Liberalität und die Buntheit der Jahre unter Barack Obama eingeprägt seien in der DNA der USA. Sie irrten sich. 

Trump gewann diese Wahl auch, weil er gegen das Establishment antrat, mit aller Vehemenz, als Demagoge. Viele Amerikaner hassen Washington als säulenbestandenes Symbol systemischer Unbeweglichkeit, und die jahrelange Politik der winzigen Schritte ist ihnen ein Graus. Da trat der vermeintlich so überaus erfolgreiche Anti-Politiker an zum Aufräumen und "Austrocknen des Sumpfes". Er schwärmte, wie sehr die USA von früher die besseren gewesen seien - und überzeugte ausreichend viele in den richtigen Staaten. Sein Bild der USA als einer Art früher Südstaat, nur mit besseren Waffen, es verfing.

Trump beginnt China-Besuch mit Ausflug in die Verbotene Stadt

Donald und Melania Trump mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping und seiner Frau Peng Liyuan. © AFP
US-Präsident Donald Trump und seine Frau, First Lady Melania Trump, steigen in Pyeongtaek, Südkorea, auf dem Osan Luftwaffenstützpunkt, aus der Air Force One. Foto: Ryu Seung-Il
US-Präsident Donald Trump und seine Frau, First Lady Melania Trump, steigen in Pyeongtaek, Südkorea, auf dem Osan Luftwaffenstützpunkt, aus der Air Force One. Foto: Ryu Seung-Il © Ryu Seung-Il
US-Präsident Donald Trump und Südkoreas Präsident Moon Jae In (3.v.r) beim Mittagessen mit US-Truppen und südkoreanischen Truppen. Foto: Andrew Harnik
US-Präsident Donald Trump und Südkoreas Präsident Moon Jae In (3.v.r) beim Mittagessen mit US-Truppen und südkoreanischen Truppen. Foto: Andrew Harnik © Andrew Harnik
Atom-Politik in 140 Zeichen: Twitter-Nachricht von Donald Trump zu den nordkoreanischen Atomtests. Foto: Christoph Dernbach
Atom-Politik in 140 Zeichen: Twitter-Nachricht von Donald Trump zu den nordkoreanischen Atomtests. Foto: Christoph Dernbach © Christoph Dernbach
"Raketenmann" und Staatschef: Kim Jong Un bei der Inspektion eines angeblichen Wasserstoffbomben-Sprengkopfes. Foto: KCNA via KNS
"Raketenmann" und Staatschef: Kim Jong Un bei der Inspektion eines angeblichen Wasserstoffbomben-Sprengkopfes. Foto: KCNA via KNS © Uncredited
Ballistische Raketen bei einer Militärparade in Pjöngjang. Foto: Wong Maye-E
Ballistische Raketen bei einer Militärparade in Pjöngjang. Foto: Wong Maye-E © Wong Maye-E
Südkoreanische Soldaten spannen in Paju Stacheldraht während einer Militärübung nahe der Grenze zu Nordkorea. Foto: Ahn Young-Joon
Südkoreanische Soldaten spannen in Paju Stacheldraht während einer Militärübung nahe der Grenze zu Nordkorea. Foto: Ahn Young-Joon © Ahn Young-Joon
Die nordkoreanische Atomanlage Yongbyon auf einem Satellitenbild aus dem Jahr 2004. Foto: Digitalglobe
Die nordkoreanische Atomanlage Yongbyon auf einem Satellitenbild aus dem Jahr 2004. Foto: Digitalglobe © Digitalglobe
Test des Raketen-Abwehrsystems THAAD: Das System dient der Abwehr von Kurz- und Mittelstreckenraketen und zielt auf die Bedrohung durch Nordkorea. Foto: Ralph Scott/Department Of Defense
Test des Raketen-Abwehrsystems THAAD: Das System dient der Abwehr von Kurz- und Mittelstreckenraketen und zielt auf die Bedrohung durch Nordkorea. Foto: Ralph Scott/Department Of Defense © Ralph Scott
Eine von der nordkoreanischen Regierung verbreitete Aufnahme soll den Start einer ballistischen Mittelstreckenrakete des Typs "Hwasong-12" zeigen. Foto: KCNA
Eine von der nordkoreanischen Regierung verbreitete Aufnahme soll den Start einer ballistischen Mittelstreckenrakete des Typs "Hwasong-12" zeigen. Foto: KCNA © Uncredited
Südkoreanische Soldaten in der Nähe der nordkoreanischen Grenze während eines Militärmanövers. Foto: Ahn Young-Joon
Südkoreanische Soldaten in der Nähe der nordkoreanischen Grenze während eines Militärmanövers. Foto: Ahn Young-Joon © Ahn Young-Joon

Trotzdem wäre diese Wahl womöglich ganz anders ausgegangen, wäre Hillary Clinton nicht die falscheste Kandidatin zur falschesten Zeit gewesen. Kein Aufbruch, keine Frische, keine Aussicht auf Neuanfang. Ein Wahlkampf wie vom Reißbrett, viele Millionen schwer, eine Armee an Helfern. Und doch eine Kandidatin von gestern.

Wie viel Schuld trägt das FBI?

In der Nacht zum 9. November hat Clintons Brandmauer blauer, demokratischer Staaten nicht gehalten. Sie verlor den Rust Belt alter Industriestaaten, Michigan, sogar Wisconsin. Die Demokraten werden noch lange aufzuarbeiten haben, wie sehr ihnen diese eisern festgehaltene Clinton-Kandidatur und ein Abdrängen des Linken Bernie Sanders geschadet haben: strukturell, finanziell, personell und inhaltlich.

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Die Aussicht auf die erste Frau an der Spitze der erschöpften Supermacht, sie reichte einfach nicht aus. Wenige Figuren polarisieren in den USA so sehr wie Clinton. Trumps Team kanalisierte den Hass ohne Gnade, und die Kandidatin machte Fehler. Dass der damalige FBI-Chef James Comey dann kurz vor der Wahl Abgeordneten mitteilte, in der Affäre der Ex-Außenministerin würden weitere E-Mails untersucht, dürfte die Wahl mitentschieden haben, entscheidende Stimmen wanderten ab.

Wer Trump wählte, war immer mehr Teil einer Bewegung als seiner republikanischen Partei. Dass er autokratische Anwandlungen offenbarte, Nationalisten und Ultrarechte begeisterte, auch das störte sie nicht. Von sehr vielen weißen Arbeitern wurde Trump gewählt, wenn auch seine Anhängerschaft diverser war und es bis heute ist.

US-Demokraten feiern erste große Siege unter Trump

Der Gewinner der Gouverneurswahlen im US-Staat Virginia, Ralph Northam, freut sich über das Ergebnis. Foto: Cliff Owen
Der Gewinner der Gouverneurswahlen im US-Staat Virginia, Ralph Northam, freut sich über das Ergebnis. Foto: Cliff Owen © Cliff Owen
Der alte und neue Bürgermeister von New York, Bill de Blasio. Foto: Julie Jacobson
Der alte und neue Bürgermeister von New York, Bill de Blasio. Foto: Julie Jacobson © Julie Jacobson
Der neue Gouverneur von New Jersey, Demokrat Phil Murphy, spricht nach seinem Wahlsieg zu seinen Unterstützern. Foto: Julio Cortez
Der neue Gouverneur von New Jersey, Demokrat Phil Murphy, spricht nach seinem Wahlsieg zu seinen Unterstützern. Foto: Julio Cortez © Julio Cortez
Für die Republikaner von US-Präsident Donald Trump sind die Wahlen ein Warnsignal. Foto: Andrew Harnik
Für die Republikaner von US-Präsident Donald Trump sind die Wahlen ein Warnsignal. Foto: Andrew Harnik © Andrew Harnik
Bill de Blasio spricht nach der Bürgermeisterwahl in New York zu seinen Unterstützern. Der demokratische Amtsinhaber wurde für weitere vier Jahre im Amt bestätigt. Foto: Julie Jacobson
Bill de Blasio spricht nach der Bürgermeisterwahl in New York zu seinen Unterstützern. Der demokratische Amtsinhaber wurde für weitere vier Jahre im Amt bestätigt. Foto: Julie Jacobson © Julie Jacobson

In Trump saß in diesem historischen 2016 zum ersten Mal auch ein Kandidat im Kommandostand der sozialen Medien. Lustvoll feuerte er seine Twittersalven ab, Herr und Vorbild für eine Welt voller Trolle. Inhaltliche, sachliche Auseinandersetzungen, Zivilität und ein Wettstreit um Ideen - das war plötzlich alles so 20. Jahrhundert.

Ob und wie Trumps Team mit Russland bei einer Wahlbeeinflussung zusammengearbeitet hat, wird bis heute intensiv untersucht. Belegt ist der Versuch, die Wahl via Facebook zu beeinflussen: Von Russland aus wurden in den zwei Jahren von Juni 2015 bis August 2017 Anzeigen geschaltet, die 126 Millionen Nutzer in den USA erreichten. Kurz vor dem Wahl-Jahrestag gestand Facebook vor dem US-Kongress zerknirscht eine "schmerzliche Lektion" ein, das kam vielleicht etwas spät.

Diese Wahl war ein grundstürzendes Ereignis nicht nur für die USA. Sie hat das Land und die internationalen Beziehungen zutiefst verändert, wenn sie auch manche angelegten Linien nur weiterzog. Trump ist heute der berühmteste Mensch der Welt, und wo das alles enden wird, kann niemand sicher sagen.

dpa

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