Die Frage am Tag danach

Jamaika-Aus: Wer jetzt um seine politische Zukunft bangen muss

+
Nach dem Aus für Jamaika: Wie geht es auf der Polit-Bühne weiter für Angela Merkel (CDU, l), Jürgen Trittin (Grüne, M) und Horst Seehofer (CSU, r.)?

Von einer Staatskrise mag keiner sprechen. Aber in Turbulenzen ist Deutschland doch geschlittert, weil die FDP die Regierungsbildung ausgebremst hat. Die Zukunft einiger Spitzenpolitiker scheint nun offen.

Berlin - Das überraschende Scheitern der Jamaika-Gespräche stürzt nicht nur die Bundesrepublik in eine ungewisse Zukunft, sondern auch viele beteiligte Politiker. Wer muss um seinen Posten bangen, wer Karriereträume begraben? Eine Übersicht.

Angela Merkel: Die Kanzlerin und CDU-Chefin steht unter Druck. Erst hat die Union das schlechteste Bundestagswahlergebnis seit 1949 eingefahren, jetzt ist Merkel mit der Regierungsbildung vorerst gescheitert. Neuwahlen will sie vermeiden, auch aus Furcht vor einem Erstarken der rechtsnationalen AfD. Ob die Debatte über einen Generationenwechsel und eine konservativere Ausrichtung der CDU neu entflammt, ist noch nicht ausgemacht.

Christian Lindner: Der FDP-Chef hat seiner Partei bei der Wahl am 24. September ein grandioses Comeback verschafft. Mit der Möglichkeit einer Jamaika-Koalition hatte er die Aussicht, Vizekanzler und Finanzminister zu werden. Doch dann beschloss er das Aus der Sondierungen. Nun muss er der Basis erklären, weshalb er diese Chance hat verstreichen lassen. Keine ganz einfache Aufgabe.

Wolfgang Kubicki: Der FDP-Vize hatte es in Schleswig-Holstein geschafft, zusammen mit CDU und Grünen ein Jamaika-Bündnis zu schmieden. Seine Erfahrung ließ sich aber auf den Bund nicht übertragen. „In Berlin funktioniert es anders“, musste er einräumen. Nun will er in der Opposition versuchen, die FDP möglichst schlagkräftig zu machen.

Özdemir will nicht mehr für Parteispitze kandidieren

Cem Özdemir: Galt gesetzt als Minister - Außen oder Wirtschaft waren im Gespräch. Der Grünen-Chef hat schon angekündigt, dass er für die Parteispitze nicht mehr kandiert. Sollten die Grünen nicht doch noch an die Regierung kommen, etwa nach Neuwahlen, müsste Özdemir wohl als einfacher Abgeordneter weitermachen.

Katrin Göring-Eckardt: Auch die Bundestags-Fraktionschefin wäre wohl Ministerin geworden, vielleicht hätte sie ein soziales Ressort übernommen. Göring-Eckardts Ansehen ist zuletzt bei vielen Grünen gewachsen. Möglich, dass sie als Vorsitzende der Fraktion bestätigt wird, auch wenn manche sich neue Gesichter wünschen.

Jürgen Trittin: Seit 2013 war der frühere Minister, Fraktionschef und Spitzenkandidat nur noch Abgeordneter. In den Sondierungen erlebte der einflussreiche Parteilinke ein Comeback. Dass er wieder ein wichtiges Amt bekommt, halten trotzdem viele bei den Grünen für unwahrscheinlich - jetzt sei eine neue Generation dran.

Horst Seehofer: Die Zukunft des 68-jährigen CSU-Chefs ist offen wie nie. Zu Hause in Bayern tobt nach dem Wahlfiasko ein Machtkampf um seine Nachfolge, Markus Söder gilt als heißester Anwärter auf das Ministerpräsidenten-Amt. Ob Seehofer noch einmal als Parteichef weitermachen könnte, hängt vom Verlauf in Berlin ab.

Alexander Dobrindt: Sollte Seehofer als CSU-Chef aufhören, gilt der CSU-Landesgruppenvorsitzende als möglicher Nachfolger. Dobrindt könnte auch Spitzenkandidat bei einer möglichen Neuwahl werden. So oder so wird der Oberbayer, der als strategischer Kopf gilt, nun eine noch zentralere Rolle für die CSU in Berlin spielen.

Lesen Sie auch: „Ich erwarte Gesprächsbereitschaft“: Steinmeiers Rede zum Jamaika-Aus im Wortlaut

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Besserungen für Kitas kommen im neuen Jahr

Im frühen Kindesalter werden wichtige Weichen für das Leben gestellt. Daher sollten auch die Kitas gut ausgestattet sein. Der Bund gibt Ländern und Kommunen dafür Geld - …
Besserungen für Kitas kommen im neuen Jahr

Trump-Sohn plaudert bittere Wahrheit aus: Das schenkte ihm sein Vater zu Weihnachten

US-Präsident Donald Trump könnte Medienberichten zufolge seinen Schwiegersohn und Berater Jared Kushner zum neuen Stabschef im Weißen Haus machen. Ex-Anwalt Michael …
Trump-Sohn plaudert bittere Wahrheit aus: Das schenkte ihm sein Vater zu Weihnachten

Kramp-Karrenbauer führt Union in alte Umfrage-Regionen - und schließt in einer Frage zu Merkel auf

Die CDU hat offenbar einen Geheimplan für die Merkel-Nachfolge: Kramp-Karrenbauer könnte demnach schon früher Kanzlerin werden. Die Nachwehen der Wahl beschäftigen die …
Kramp-Karrenbauer führt Union in alte Umfrage-Regionen - und schließt in einer Frage zu Merkel auf

Neue Details über mutmaßlichen Straßburg-Attentäter bekannt -  Wirre Verschwörungstheorien kursieren

In Straßburg tötete der mutmaßliche Terrorist Cherif Chekatt am Dienstagabend mehrere Menschen. Am Donnerstagabend wurde er von der Polizei „neutralisiert“. Der IS hat …
Neue Details über mutmaßlichen Straßburg-Attentäter bekannt -  Wirre Verschwörungstheorien kursieren

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.