Von früheren Verbündeten umgebracht

Schuss in den Kopf: Jemens Ex-Präsident Saleh getötet

+
Ex-Präsident Ali Abdullah Saleh wurde im Jemen getötet.

Drei Jahrzehnte lang bestimmte Ali Abdullah Saleh die Politik des Jemens. Auch nach seinem Sturz blieb er einflussreich. Jetzt töteten ihn Kämpfer, mit denen er bis vor kurzem verbündet war.

Sanaa - Nur wenige Tage nach seinem überraschenden Kurswechsel in Jemens Bürgerkrieg ist Ex-Langzeitherrscher Ali Abdullah Saleh von seinen früheren Verbündeten getötet worden. Kreise aus Salehs Partei erklärten am Montag, nahe der Hauptstadt Sanaa habe eine Kugel der schiitischen Huthi-Rebellen den Kopf des früheren Präsidenten getroffen, wie der TV-Sender Al-Arabija meldete. Aus Huthi-Kreisen hieß es, Saleh sei bei Zusammenstößen mit den Rebellen ums Leben gekommen.

Im Internet kursierte ein Video, das den Leichnam des Ex-Staatschefs zeigen soll. Beobachter gingen davon aus, dass es sich dabei tatsächlich um die sterblichen Überreste Salehs handelte.

Der 75-Jährige hatte als Präsident über mehr als drei Jahrzehnte die Politik des bettelarmen Landes bestimmt. 2012 wurde er im Zuge der Aufstände in der arabischen Welt nach Massenprotesten und monatelangen Machtkämpfen gestürzt. Trotzdem blieb Saleh einer der einflussreichsten Politiker des Landes. Große Teile der Armee leisteten ihm weiter Gefolgschaft.

In den vergangenen Jahren gingen Saleh und seine Anhänger an der Seite der schiitischen Huthi-Rebellen gegen die international anerkannte Regierung vor. Die Koalition war bemerkenswert, weil Saleh einst als Präsident gegen die Huthis gekämpft hatte. Doch das Zweckbündnis konnte seit 2014 große Teile des Landes unter Kontrolle bringen, darunter die Hauptstadt Sanaa. Der international anerkannte Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi floh ins Exil nach Saudi-Arabien.

Mehrfach aber gab es Berichte über Spannungen zwischen den Huthis und Saleh. Vor einigen Tagen brachen dann Kämpfe zwischen den bisherigen Verbündeten aus. Saleh zeigte sich am Wochenende schließlich sogar offen für Gespräche mit der Regierung. Er wolle „eine neue Seite“ in dem Konflikt aufschlagen, erklärte er. Darin sahen Beobachter eine mögliche Wende in dem rund dreijährigen Bürgerkrieg.

Dieser hat Auswirkungen auf die gesamte Region, weil er sich vor langem in einen Stellvertreterkonflikt zwischen dem sunnitischen Saudi-Arabien und seinem schiitischen Erzrivalen Iran verwandelt hat. Ein von den Saudis angeführtes Bündnis bombardiert seit bald mehr als zwei Jahren Huthi-Stellungen aus der Luft. Riad geht es darum, den Einfluss des Irans zurückzudrängen, der die Rebellen unterstützt.

Nicht zuletzt die Militärintervention hat im Jemen eine der weltweit schlimmsten humanitären Katastrophen verursacht. Mehr als 20 Millionen Menschen sind auf Hilfe angewiesen, weil Wasser und Nahrung fehlen. Im Land grassiert eine Cholera-Epidemie. Wegen einer Blockade des saudischen Bündnisses kommt jedoch zu wenig Hilfe ins Land.

Das von den Huthi-Rebellen kontrollierte Innenministerium in Sanaa teilte am Montag mit, die „Krise der Verräter-Milizen“ sei jetzt beendet und ihr Anführer getötet worden. In der Nacht zuvor hatte es schwere Kämpfe in der Hauptstadt gegeben, das saudische Bündnis flog zahlreiche Luftangriffe, wie Augenzeugen berichteten.

Der politische Machtkampf im Jemen trete nun in eine neue Phase, schrieb die Golfexpertin der Londoner Denkfabrik Chatham House, Jane Kinninmont, auf Twitter. „Der Verlust von Salehs Führerschaft und Finanzen könnte die Huthis abhängiger vom Iran machen.“

Jemens Friedensnobelpreisträgerin Tawakkul Karman twitterte, Saleh habe ein „tragisches Ende“ genommen, das „wir ihm bei der friedlichen Revolution so niemals gewünscht hatten, aber 'Du erntest, was du säst'“.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Bewegendes Foto aus Hambacher Forst: Tausende sind berührt - auch die Polizei

Im Hambacher Forst ist ein Journalist bei einem Sturz aus extremer Höhe ums Leben gekommen. Nun geht ein Foto von Aktivisten und der Polizei viral. Der News-Ticker.
Bewegendes Foto aus Hambacher Forst: Tausende sind berührt - auch die Polizei

„Seehofer schockiert mich“: Schulz geht nach Maaßen-Deal auf CSU-Chef los

Offenbar stand die GroKo um Seehofer, Merkel und Nahles sehr am Abgrund. Laut einer Umfrage sind viele Deutsche für Neuwahlen. Und Seehofer bekommt eine Attacke ab. Der …
„Seehofer schockiert mich“: Schulz geht nach Maaßen-Deal auf CSU-Chef los

Wahl-O-Mat Bayern 2018: Jetzt können Sie testen, welche Partei zu Ihnen passt

Der Wahl-O-Mat Bayern ist online und kann direkt hier befragt werden. Wir verraten Ihnen außerdem, was Ihr persönliches Ergebnis am Ende bedeutet.
Wahl-O-Mat Bayern 2018: Jetzt können Sie testen, welche Partei zu Ihnen passt

Landtagswahl in Bayern: Umfrage hilft Söder nicht weiter - Grüne holen gegen CSU auf

Die aktuellste Umfrage zur Landtagswahl 2018 in Bayern zeigt einen weiteren Sturzflug der CSU. Die Grünen setzen ihren Aufwärtstrend fort.
Landtagswahl in Bayern: Umfrage hilft Söder nicht weiter - Grüne holen gegen CSU auf

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.