Schrecklicher Verdacht

Verdurstete IS-Sklavin - Mann der Angeklagten in Griechenland gefasst

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Das Oberlandesgericht in München. 

Sie ist die erste IS-Anhängerin, gegen die nach ihrer Heimkehr nach Deutschland ein Haftbefehl erwirkt werden konnte. Die Rückkehrerin wird beim Prozess am Dienstag unaussprechlich schrecklicher Taten bezichtigt.

Update vom 29. Mai: Der wegen Mordes an einem fünfjährigen Mädchen gesuchte Ehemann der deutschen IS-Anhängerin Jennifer W. ist nach einem Medienbericht in Griechenland gefasst worden. Dies habe sein deutscher Anwalt auf Anfrage bestätigt, berichtete „Focus Online“. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe wollte sich dazu am Mittwoch nicht äußern. Sie wirft dem damals im Irak lebenden Ehepaar vor, das jesidische Kind 2015 als Sklavin gekauft zu haben. Als das Mädchen krank ins Bett machte, habe es der Mann zur Strafe in der prallen Sonne angekettet und bei sengender Hitze qualvoll verdursten lassen.

Jennifer W., die selbst eine kleine Tochter hat, soll dem tatenlos zugesehen haben. Der 28 Jahre alten Deutschen wird deshalb gerade in München der Prozess gemacht. Die Anklage wirft ihr neben der Mitgliedschaft in der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) nun auch Mord durch Unterlassen und Kriegsverbrechen vor.

Der Ehemann ist Iraker. Schwerste Völkerrechtsverbrechen können aber nach dem Weltrechtsprinzip unabhängig von Tatort und Nationalität des Täters überall geahndet werden, also auch in Deutschland. Dazu müsste der Mann von den griechischen Behörden überstellt werden.

Erste inhaftierte deutsche IS-Heimkehrerin heute vor Gericht - schwer belastende Anklage

Update vom 9. April 2019: Vor dem Oberlandesgericht München hat am Dienstag der Prozess gegen eine IS-Rückkehrerin begonnen. Jennifer W. ist die erste Rückkehrerin, gegen die nach ihrer Heimkehr nach Deutschland ein Haftbefehl erwirkt werden konnte. Die aus Niedersachsen stammende Angeklagte muss sich wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen Terrorvereinigung und des Kriegsverbrechens einer Kindstötung verantworten. Laut Anklage ließ sie ein fünfjähriges Mädchen verdursten, das sie mit ihrem Mann als Sklavin gekauft hatte.

Die erste inhaftierte deutsche IS-Heimkehrerin kommt vor Gericht - schwer belastende Anklage

München - Am Dienstag beginnt in München der Prozess gegen die erste IS-Rückkehrerin, gegen die nach ihrer Heimkehr nach Deutschland ein Haftbefehl erwirkt werden konnte. Jennifer W. muss sich vor dem Oberlandesgericht München wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung und des Kriegsverbrechens einer Kindstötung verantworten. Sie soll ungerührt ein fünfjähriges Mädchen verdursten lassen haben, das sie mit ihrem Mann als Sklavin gekauft hatte.

W. soll Deutschland Ende August 2014 verlassen haben, um sich der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) anzuschließen. Über die Türkei und Syrien soll sie dazu im September 2014 zum IS im Irak gereist sein und sich diesem angeschlossen haben.

Der Anklage zufolge nahm W. im Juni 2015 in den irakischen Städten Falludscha und Mossul eine Tätigkeit als "Sittenpolizistin" auf. Sie sei abends in Parks der beiden Städte patrouilliert. Zur Einschüchterung sei sie mit einer Kalaschnikow und einer Pistole bewaffnet und mit einer Sprengstoffweste ausgerüstet gewesen.

W. kontrollierte unter anderem die Kleidung der Frauen in den Städten

Ihre Aufgabe sei gewesen, darauf zu achten, dass die Frauen in den Städten die Kleidungsvorschriften des IS einhielten. Für diese Aufgabe erhielt W. nach den Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft zwischen 70 und 100 Dollar pro Monat.

Mit ihrem Mann soll sie von ihrem Geld dann im Sommer 2015 aus einer Gruppe von Kriegsgefangenen heraus ein fünf Jahre altes Mädchen gekauft haben. Das Kind habe das Paar als Sklavin im Haushalt gehalten.

Als das Mädchen sich erkrankt eingenässt habe, habe der Ehemann das Kind zur Strafe im Freien angekettet und bei sengender Hitze verdursten lassen. W. soll ihren Mann gewähren lassen und nichts zur Rettung des Mädchens unternommen haben.

Die zuletzt im niedersächsischen Vechta lebende 27-Jährige konnte erst im Juni vergangenen Jahres in Schwaben festgenommen werden. Sie soll damals versucht haben, nach Syrien zurückzukehren.

Zuvor war sie 2016 in der Türkei festgenommen worden, wo sie in der deutschen Botschaft ihre Ausweispapiere verlängern lassen wollte. Die Türkei schob W. nach Deutschland ab, wo sie zunächst aber nicht festgenommen werden konnte.

Angeklagt wegen schrecklicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Der Bundesgerichtshof hatte eine reine Teilnahme am Alltagsleben der Dschihadistenmiliz IS als nicht ausreichend für eine Festnahme benannt. Mit den nach ihrer Rückkehr nach und nach gesammelten Beweise gelang es dann aber doch, W. vor ihrer Rückkehr in das vom IS kontrollierte Gebiet festzunehmen.

Für den Prozess sind zunächst 23 Verhandlungstage bis Ende September angesetzt. Laut einem Bericht des Magazins "Der Spiegel" wird die Mutter des getöteten Mädchens als Nebenklägerin auftreten.

Die Frau soll auch als Sklavin im Haushalt von W. gehalten worden sein. Dem "Spiegel" zufolge will die Bundesanwaltschaft ihre Vorwürfe gegen die Angeklagte auch auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit ausweiten.

Auch interessant: Gegen 21 in Syrien gefangene IS-Kämpfer gibt es deutsche Haftbefehle

AFP

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