Porträt

Joachim Herrmann: Der CSU-Sheriff mit ungewisser Zukunft

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Joachim Herrmann nach der Bundestagswahl.

Mit einem starken Ergebnis wollte die CSU der neuen Bundesregierung ihren eigenen Sicherheits-Stempel aufdrücken. Nach der Pleite wird es ausgerechnet für den eigenen Spitzenkandidaten ganz eng.

Berlin/München - Geduldig steht CSU-Spitzenkandidat Joachim Herrmann vor der Parteizentrale in München. Den Rücken durchgedrückt blickt er mit regungsloser Mimik in die TV-Kamera. Gerade einmal viereinhalb Stunden habe er letzte Nacht geschlafen, sagt er. Am Tag nach der historischen CSU-Pleite bei einer Bundestagswahl ist dies aber Herrmanns geringste Sorge: Trotz seines ersten Platzes auf der CSU-Landesliste hat er den Einzug in den Bundestag verpasst, damit ist er neben CSU-Chef Horst Seehofer der große Verlierer der Wahl. Aber ist damit wirklich der große Traum vom Posten des Bundesinnenministers für den bayerischen Sheriff geplatzt?

„Es geht jetzt nicht vorrangig um meine persönliche Zukunft“, sagt Herrmann. Für die CSU gehe es nun um wichtigere Fragen, sie müsse sich nun gut aufstellen für die Landtagswahl 2018 und brauche einen starken Einfluss bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin. Er selbst werde sich selbstverständlich dabei nach Kräften einbringen.

Lange vor der Wahl hatte Herrmann erklärt, ein Wechsel nach Berlin ohne ein Bundestagsmandat sei nicht sein Stil. Ob diese Aussage noch gelte, will Herrmann am Tag eins nach dem Wahldebakel nicht sagen. Erst auf wiederholte Nachfrage erklärt er, dass dies nicht nur von ihm abhänge: „An mir liegt es nicht, das jetzt zu entscheiden, ob ich zu irgendetwas bereit wäre.“

Herrmann bleibt Linie treu

Damit bleibt Herrmann seiner loyalen Linie treu. Der Franke ist einer der wichtigsten Unterstützer Seehofers. In seinem Handeln spielen persönliche Interessen nur eine untergeordnete Rolle. Wenn der CSU-Chef über den Franken spricht, kommt er genau deshalb ins Schwärmen. „Die Partei wird es dir nie vergessen“, hatte Seehofer Herrmanns Bereitschaft zur Spitzenkandidatur gelobt.

Seine Karriere hat Herrmann in der bayerischen Staatskanzlei begonnen. Dort war er von 1984 bis 1988 unter Franz Josef Strauß Regierungsrat. 1994 zog er erstmals in den Landtag ein. 1997 wurde der Jurist kurzzeitig stellvertretender CSU-Generalsekretär, dann Sozialstaatssekretär, 2003 schließlich Chef der CSU-Landtagfraktion - bis ihn Günther Beckstein im Herbst 2007 zum Innenminister berief.

„Law and Order“-Wahlkampf

Im Wahlkampf war Herrmann das Gesicht der inneren Sicherheit für die CSU. Gebetsmühlenartig warb er für einen starken Staat, Obergrenze, Grenzkontrollen, Abschiebungen, mehr Polizei und Überwachung, null Toleranz Politik gegen Extremisten und religiöse Fanatiker. Dass die CSU damit am Ende nicht wie geplant der AfD das Wasser abgraben konnte, muss sich deshalb auch Herrmann ankreiden. Da dürfte es den ehrgeizigen Politiker nur bedingt trösten, dass Seehofer ihm in der Stunde der Niederlage für einen „bravourösen Einsatz“ dankte.

Somit ist nun die spannende Frage, ob Herrmann doch in Bayern bleibt. „Es ist ein schönes Amt, es gibt hier viel zu tun“, sagte er vor Wochen über seinen Posten als Landesinnenminister. Seehofer schätzt den Mittelfranken dafür, dass dieser normalerweise ohne Aufregung seine Arbeit tut. Sollte Herrmann bei seiner eigenen Zukunftsfrage seiner eigenen Linie treu bleiben, müsste er den Gang nach Berlin übrigens genau so wie im Jahr 2011 ablehnen, denn wieder steht er ohne Bundestagsmandat dar. Einzig die Familiensituation hat sich somit geändert, denn Herrmanns Kinder sind längst aus dem Haus.

Alle Informationen zur Bundestagswahl finden Sie in unserem Live-Ticker.

dpa

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