Parteispitze gibt sich irritiert

„Junge Männerhorden“: Kretschmann sorgt für Unruhe bei den Grünen mit seiner Wortwahl zu Flüchtlingen

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Ministerpräsident Winfried Kretschmann 

Winfried Kretschmann will gewaltbereite Flüchtlinge aus Sicherheitsgründen von Großstädten fernhalten. Die Grünen-Spitze ist irritiert - stimmt aber in der Sache zu.

Update 10. November, 18.44 Uhr: Die Grünen befinden sich derzeit auf einem Höhenflug. Wie hoch soll die Partei nach dem Willen der Deutschen noch fliegen? Wollen die Deutschen einen grünen Kanzlerkandidaten? Laut einer exklusiven Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa, die „Bild“ zuerst veröffentlichte,  sind die Wähler unentschieden, ob die Grünen bei der nächsten Bundestagswahl einen Kanzlerkandidaten aufstellen sollten. Dass die Grünen mit einem Kanzlerkandidaten bzw. einer Kanzlerkandidatin antreten sollten, meinen 36 Prozent. 41 Prozent lehnen dies ab.

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Kretschmann will gewaltbereite Flüchtlinge aus Großstädten verbannen - Grüne reagieren überraschend

Winfried Kretschmann formulierte seinen Vorschlag, Flüchtlinge aus Großstädten herauszuhalten, gegenüber der Heilbronner Stimme und bezog sich dabei auch auf die Gruppenvergewaltigung in Freiburg, bei der eine 18-Jährige nach einem Discobesuch zum Opfer wurde. Tatverdächtig sind sieben junge Syrer und ein Deutscher. 

„Salopp gesagt ist das Gefährlichste, was die menschliche Evolution hervorgebracht hat, junge Männerhorden. Solche testosterongesteuerte Gruppen können immer Böses anrichten. Die Vergewaltigung in Freiburg ist ein schlimmes Beispiel“, sagte Kretschmann. 

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Es gelte, solche Gruppen „zu trennen und  wahrscheinlich auch schauen, dass man solche Leute aus den Großstädten rausnimmt“, so der Grünen-Politiker weiter. Großstädte seien wegen ihrer Anonymität und der Möglichkeit, Gleichgesinnte zu treffen, besonders attraktiv für gewaltbereite Flüchtlinge. 

„Der Gedanke, dass man da welche in die Pampa schickt, ist nicht falsch. Das sind Dinge, die wir gerade überlegen“, sagte Kretschmann. Es dürfe nicht sein, dass eine kleine Minderheit von gewaltbereiten Asylbewerbern die große Zahl von rechtschaffenen Flüchtlingen in Verruf bringe. 

Grünen-Parteitag: Irritiation über Kretschmanns Tonfall - Zustimmung in der Sache

Die Grünen-Spitze hat den Vorstoß von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann zu kriminellen Flüchtlingsgruppen in der Sache begrüßt, in der Wortwahl aber kritisiert. „Ich hätte es anders formuliert, aber in der Sache unterstreicht Kretschmann das, wofür wir Grünen lange streiten“, sagte Parteichefin Annalena Baerbock am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. „Rein gar nichts“ könne Gewalt gegen Frauen rechtfertigen, auch keine traumatische Fluchterfahrung. Es gebe Strukturen, die Gewalt förderten. „Daher haben wir immer gesagt, dass es für Asylsuchende dezentrale Unterbringung geben muss. Das ist die beste Prävention.“

Der Fraktionschef der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, rügte ebenfalls Kretschmanns Wortwahl: „Man sollte gerade bei heiklen Themen auf seine Sprache achten“, sagte er dem Sender Phoenix. „Ich finde die Sprache zwar problematisch, aber Winfried Kretschmann bringt auf den Punkt, warum die Ankerzentren von Innenminister Seehofer und CDU/CSU nicht nur inhuman sind, sondern zu einem Sicherheitsproblem führen.“

„Das ist nicht unsere Sprache, diese radikale Sprache“

Der Bundesgeschäftsführer der Grünen, Michael Kellner, zeigte sich verwundert über die Wortwahl des ersten und einzigen grünen Ministerpräsidenten. Kretschmann stößt in der Partei immer wieder mit konservativen Ansichten auf Kritik. Er hätte eine „staatstragendere Sprache“ empfohlen, sagte Kellner. „Das ist nicht unsere Sprache, diese radikale Sprache.“ Er lese Kretschmanns Vorstoß aber auch als Bestätigung der grünen Position gegen Ankerzentren, in denen „viele viele Menschen kaserniert an einem Ort“ seien.

Das Interview des Baden-Württembergers stößt in der Partei auch wegen der Wahl des Zeitpunkts seiner Veröffentlichung auf Stirnrunzeln. Die Grünen verabschieden an diesem Wochenende ihr Wahlprogramm für die Europawahl im Mai 2019, am Samstagmorgen standen die Themen Sicherheit, Asyl und Migration auf der Tagesordnung. Außerdem sollten am Vormittag die EU-Parlamentarier Ska Keller und Sven Giegold zu den Spitzenkandidaten der deutschen Grünen für die Europawahl gekürt werden. Kretschmann ist in Leipzig nicht dabei, Grund seien langfristig geplante andere Termine, hieß es.

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hatte auf Facebook gefordert, gewaltbereite Flüchtlinge in „sicheren Landeseinrichtungen“ in „entlegenen Gegenden“ unterzubringen. Auch dieser Vorstoß aus Baden-Württemberg war bei vielen Grünen schlecht angekommen.

smu/dpa

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