Ungewöhnliche Maßnahmen

Kampf gegen Rassismus nach Charlottesville: Keine Statuen, kein Paypal

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Arbeiter entfernen am 14.08.2017 in Gainesville, Florida (USA) die Statue eines Konförderierten.

Überall in den USA werden nach den rassistischen Ausschreitungen in Charlottesville Statuen von Konföderierten abgebaut. Auch der Online-Bezahldienst Paypal zieht Konsequenzen.

Washington - Nach den Protesten und gewaltsamen Ausschreitungen bei der Rassisten-Kundgebung in Charlottesville entfernen immer mehr Städte im Süden der USA Statuen, die an den Bürgerkrieg erinnern. Wie der Sender CNN berichtete, wurden am frühen Mittwochmorgen (Ortszeit) in Baltimore die Statuen von Südstaaten-Generälen entfernt.

Diese Monumente gedenken getöteten Soldaten der Südstaaten aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865), für viele US-Amerikaner sind sie aber auch Symbole für Rassismus. Die Konföderierten, die sich damals vom Norden losgesagt hatten, wollten die Sklaverei beibehalten.

Mit Kränen wurden am Mittwoch ein Monument für die Generäle Robert E. Lee und Thomas „Stonewall“ Jackson sowie die Statue des Sklavenhalter-freundlichen Vorsitzenden des Obersten Gerichtshofes, Roger B. Taney (1777-1864) entfernt, berichtete der Lokalsender WBALTV. Der Stadtrat von Baltimore hatte am Montag die Entfernung von vier Statuen beschlossen. Auch andere Städte wie Lexington in Kentucky wollen dem Bericht zufolge ihre Statuen nach den Vorfällen in Charlottesville entfernen.

Die Büste des Konförderiertem Nathan Bedford Forrest wurde in Nashville (USA) von Demonstranten mit einem schwarzen Tuch verdeckt.

Nach dem Attentat des weißen Rassisten Dylann Roof auf schwarze Gläubige in der Stadt Charleston in South Carolina vor zwei Jahren wuchsen die Forderungen nach der Entfernung solcher Südstaaten-Denkmäler. Schätzungen zufolge gibt es bis zu 1500 Konföderierten-Denkmäler sowie nach ihnen benannte Straßen, Brücken und Militärbasen.

Am Montag hatten Demonstranten in Durham im Staat North Carolina ein Denkmal für Soldaten der ehemaligen Südstaaten umgestürzt. Nach Angaben der Veranstalter war die Aktion als direkte Antwort auf die Zusammenstöße vonRassisten und Gegendemonstranten in Charlottesville (Virginia) zu verstehen. Die Rassisten hatten dort gegen die Entfernung einer Statue von General Lee protestiert.

Präsident Donald Trump hatte am Dienstag den Abbau von Statuen von Lee und Stonewall Jackson mit US-Gründervätern verglichen, die ebenfalls Sklaven besaßen: Er frage sich, ob bald Statuen von George Washington und Thomas Jefferson gestürzt würden, sagte Trump vor Reportern.

Paypal: Kein Serverplatz für Rassisten

Nach den Ausschreitungen in Charlottesville will der Online-Bezahldienst Paypal verhindern, dass mit seinem Service Hass und Rassismus gefördert wird. „Wir arbeiten daran, dass unser Angebot nicht genutzt wird, um Zahlungen zu akzeptieren oder Spenden für Aktionen zu sammeln, die Hass, Gewalt oder rassistische Intoleranz unterstützen“, erklärte das US-Unternehmen am Mittwoch. „Das betrifft Organisationen, die rassistische Ansichten befürworten, den Ku Klux Klan, weiße rassistische Gruppen oder Nazi-Gruppen.“ 

Medienberichten zufolge hatten die Rassisten und Nationalisten den Bezahldienst genutzt, um den Aufmarsch in Charlottesville zu organisieren.

Bereits am Montag hatte der Webhoster GoDaddy angekündigt, der rechten Webseite „Daily Stormer“ keinen Serverplatz mehr zu geben. Die Betreiber wollten daraufhin auf die Server von Google ausweichen, aber auch der Internet-Gigant lehnte den Domain-Umzug ab. Das Todesopfer von Charlottesville war auf der „Daily-Stormer“-Seite massiv verunglimpft und beleidigt worden. Die Webseite ist derzeit nicht mehr zu erreichen.

dpa

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