Premier Trudeau muss zittern

Liberal oder konservativ? Kanada-Wahl könnte knapp ausgehen

Kanadas Premierminister Justin Trudeau trifft mit seiner Frau Sophie Gregoire-Trudeau und seinen Kindern Ella-Grace und Hadrien beim Wahllokal ein. Foto: Paul Chiasson/The Canadian Press/AP/dpa
1 von 7
Kanadas Premierminister Justin Trudeau trifft mit seiner Frau Sophie Gregoire-Trudeau und seinen Kindern Ella-Grace und Hadrien beim Wahllokal ein. Foto: Paul Chiasson/The Canadian Press/AP/dpa
Trudeaus Herausforderer Andrew Scheer, der Vorsitzende der Konservativen, gibt ein Autogramm während einer Wahlkampfveranstaltung. Foto: Adrian Wyld/The Canadian Press/AP/dpa
2 von 7
Trudeaus Herausforderer Andrew Scheer, der Vorsitzende der Konservativen, gibt ein Autogramm während einer Wahlkampfveranstaltung. Foto: Adrian Wyld/The Canadian Press/AP/dpa
Rund 27 Millionen Bürger sind bei der Parlamentswahl wahlberechtigt. Foto: Andrew Vaughan/The Canadian Press/AP/dpa
3 von 7
Rund 27 Millionen Bürger sind bei der Parlamentswahl wahlberechtigt. Foto: Andrew Vaughan/The Canadian Press/AP/dpa
Maxime Bernier, Gründer und Vorsitzender der Volkspartei von Kanada, verlässt mit seiner Frau Catherine Letarte ein Wahllokal. Foto: Jacques Boissinot/The Canadian Press/AP/dpa
4 von 7
Maxime Bernier, Gründer und Vorsitzender der Volkspartei von Kanada, verlässt mit seiner Frau Catherine Letarte ein Wahllokal. Foto: Jacques Boissinot/The Canadian Press/AP/dpa
Elizabeth May, die Vorsitzende der Grünen Partei in Kanada, gibt ihre Stimme ab. Foto: Chad Hipolito/The Canadian Press/AP/dpa
5 von 7
Elizabeth May, die Vorsitzende der Grünen Partei in Kanada, gibt ihre Stimme ab. Foto: Chad Hipolito/The Canadian Press/AP/dpa
Regierungschef Trudeau muss um seine Mehrheit bangen. Foto: Sean Kilpatrick/The Canadian Press/AP/dpa
6 von 7
Regierungschef Trudeau muss um seine Mehrheit bangen. Foto: Sean Kilpatrick/The Canadian Press/AP/dpa
Justin Trudeau beim Bad in der Menge. Dem einst als "Sonnyboy" gefeierten Premier wird inzwischen von vielen Wählern Scheinheiligkeit vorgeworfen. Foto: Sean Kilpatrick/The Canadian Press/AP/dpa
7 von 7
Justin Trudeau beim Bad in der Menge. Dem einst als "Sonnyboy" gefeierten Premier wird inzwischen von vielen Wählern Scheinheiligkeit vorgeworfen. Foto: Sean Kilpatrick/The Canadian Press/AP/dpa

Es war ein hitziger Wahlkampf, in dem Premier Trudeau sich immer wieder entschuldigte und sein Herausforderer ihn als "Betrüger" beschimpfte. Nun wird es wohl knapp in Kanada - und die kleinen Parteien könnten über die künftige Regierung entscheiden.

Ottawa (dpa) - Bei der Parlamentswahl in Kanada zeichnet sich ein knappes Rennen zwischen den Liberalen von Ministerpräsident Justin Trudeau und dessen konservativem Herausforderer Andrew Scheer ab. Rund 27 Millionen Bürger waren in dem G7-Land dazu aufgerufen, neue Abgeordnete zu wählen.

Wer den flächenmäßig zweitgrößten Staat der Erde künftig regieren wird, blieb zunächst offen: Umfragen sahen Liberale und Konservative bis zuletzt mit jeweils 30 bis 34 Prozent in etwa gleichauf.

Für eine absolute Mehrheit von 170 Sitzen im Parlament in der Hauptstadt Ottawa würde es damit eher nicht reichen. Die Abgeordneten werden per Direktwahl nach dem Mehrheitsprinzip gewählt. Besonders wichtig sind traditionell die dicht besiedelten Gebiete um die Großstadt Toronto, in denen sich die Abstimmung mit entscheidet. Mit ersten Wahlergebnissen wird am Dienstagmorgen deutscher Zeit gerechnet. Die letzten Wahllokale sollten gegen 04.00 Uhr MESZ an der Westküste Kanadas schließen.

Falls eine Minderheitsregierung nötig würde, wären Trudeau oder Scheer auf die Duldung durch kleinere Parteien angewiesen. Unter ihnen waren die Sozialdemokraten von Jagmeet Singh zuletzt im Aufwind. Sie stehen - wie die Grünen - den Liberalen politisch näher. Auch die erstarkte Regionalpartei Bloc Québécois könnte am Ende ausschlaggebend sein.

Trudeau führt die Regierung des nordamerikanischen Landes mit 37 Millionen Einwohnern seit 2015 mit einer absoluten Mehrheit. Seine Bilanz nach vier Jahren ist durchwachsen. Zwar hat er wie versprochen Marihuana legalisiert und mehr als 25.000 syrische Flüchtlinge aufgenommen. Einige seiner Wahlversprechen wie eine Wahlrechtsreform oder einen ausgeglichenen Haushalt bis 2019 konnte er aber nicht halten.

In den vergangenen Monaten hatte Trudeau zudem mit Skandalen für Aufsehen gesorgt. Zunächst wurde bekannt, dass er Ermittlungen gegen das kanadische Unternehmen SNC-Lavalin wegen Bestechung in Libyen unterdrücken wollte - eine Ethik-Kommission bescheinigte ihm falsches Verhalten. Im September dann tauchte ein 20 Jahre altes Bild auf, das Trudeau mit dunkel geschminktem Gesicht - verkleidet als Aladdin - auf einer Party zeigte. Der Ministerpräsident entschuldigte sich für sein "rassistisches" Verhalten.

Er habe trotzdem wieder für Trudeau gestimmt, sagte ein Taxifahrer in Montréal am Montag der Deutschen Presse-Agentur. "Alles in allem war er ein guter Premierminister in den vergangenen vier Jahren und ich bin und bleibe einfach ein Liberaler."

Die Konservativen führten einen Anti-Trudeau-Wahlkampf. Scheer beschimpfte den Premier unter anderem als "Betrüger", der das kanadische Volk hinters Licht führe. Inhaltlich versprach er angesichts der Sorge um steigende Preise den Bürgern "mehr Geld in den Taschen". Die Wählerbasis der Konservativen sitzt traditionell eher im ländlichen Raum, vor allem in den zentralen Provinzen Alberta und Saskatchewan.

Auch der Klimawandel spielte im Wahlkampf eine große Rolle: Während die Konservativen die von den Liberalen eingeführte CO2-Steuer zurückdrehen wollen, geht die Politik der Trudeau-Regierung vielen anderen nicht weit genug. Kanada schickt sich an, seine eigenen Klimaziele deutlich zu verfehlen. Zudem nehmen viele Kanadier dem einst als "Sonnyboy" gefeierten Trudeau übel, dass er, obwohl er sich stets als Umweltschützer und Kämpfer gegen den Klimawandel präsentiert, eine neue Öl-Pipeline quer durch das Land genehmigte. "Er ist scheinheilig", sagte die Studentin Ève Gaboury der "New York Times".

Das sähen viele Kanadier so, sagte Jean-Marc Léger, Chef eines kanadischen Umfrageinstitutes, der Zeitung. "Die Kanadier haben Mr. Trudeau nicht verziehen. Aber viele sehen den Premierminister als die am wenigsten schlechte Option."

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Was von der Wut übrig ist - Ein Jahr "Gelbwesten"-Proteste

Die Idee ist schon genial: Das Erkennungszeichen der "Gelbwesten" sind die gelben Warnwesten, die jeder im Auto dabei hat. Und so überrollte eine gelbe Wutwelle …
Was von der Wut übrig ist - Ein Jahr "Gelbwesten"-Proteste

Schulze: Beim Tempolimit letztes Wort noch nicht gesprochen

Auf niederländischen Autobahnen nur noch Tempo 100 - diese Nachricht lässt auch in Deutschland den Streit um Höchstgeschwindigkeiten wieder aufflammen.
Schulze: Beim Tempolimit letztes Wort noch nicht gesprochen

Islamischer Dschihad vereinbart Waffenruhe mit Israel

Hunderte Raketen auf Israel, pausenlose israelische Luftangriffe auf Ziele militanter Palästinenser. Nun gibt es erste Zeichen der Entspannung in Israel und dem …
Islamischer Dschihad vereinbart Waffenruhe mit Israel

AfD-Politiker Brandner historisch abgewählt: Weidel und Gauland voller Wut

Mehrfach hat der AfD-Abgeordnete Brandner mit Twitter-Bemerkungen für Ärger gesorgt. Nun zieht der Bundestags-Rechtsausschuss Konsequenzen. Brandner muss gehen.
AfD-Politiker Brandner historisch abgewählt: Weidel und Gauland voller Wut

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.