Autohaus erteilt Ratschläge

Diese Job-Absage an einen Flüchtling sorgt für Entsetzen

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Auf Facebook entschuldigte sich das Autohaus für die Absage - und den unerbetenen „Ratschlag“

Mit einer gewöhnlichen Absage für das Bewerbungsschreiben eines jungen Flüchtlings begnügte sich ein Autohaus - es erteilte zudem einen dreisten „Ratschlag“.

Warstein - Die Sprache lernen, sich integrieren, einen Job suchen - das wird in Deutschland gemeinhin von Flüchtlingen erwartet. Aber auch wer all das mustergültig tut, muss bisweilen mit dreisten Reaktionen rechnen. Das hat nun ein Geflüchteter aus Syrien am eigenen Leibe erfahren, wie die Webseite migazin.de berichtet. Die drastische Absage, die ihm ein Autohaus aus dem westfälischen Warstein auf eine Bewerbung erteilte, sorgt kurz vor Weihnachten bundesweit für Empörung.

Salim F.*, 26 Jahre alt, lebt nach eigenen Angaben seit knapp zwei Jahren in Deutschland, hat sich Abitur und Führerschein aus der Heimat anerkennen lassen und bereitet sich gerade auf die nächste Deutsch-Prüfung vor: Im Schwierigkeitsgrad B2, der nach europäischen Standards „selbstständige Sprachverwendung“ zertifiziert.

Anfang Dezember wollte sich der junge Mann in Eigeninitiative einen Ausbildungsplatz suchen, wie er Migazin erzählte - die Ausschreibung eines Autohauses schien ihm das passende. Der 26-Jährige bereitete Bewerbungsunterlagen vor und ließ sie sogar vom Arbeitsamt überprüfen. Die Antwort auf die Bewerbung geriet für F. allerdings zur großen Enttäuschung. Sie ging weit über eine simple Absage hinaus.

„Ich möchte Ihnen die Empfehlung aussprechen, in Ihr Land zurückzugehen“

Denn das Autohaus brach die gängigen Konventionen und erteilte dem Geflüchteten ungefragt einen eindeutigen „Ratschlag“. „Ich möchte Ihnen eher die Empfehlung aussprechen, in Ihr Land zurückgehen, da der Krieg beendet ist und Sie dort dringend benötigt werden, um es wieder aufzubauen“, stand dort nach dem Standard-Absagetext zu lesen - samt dem Tippfehler im Wort „zurückzugehen“. 

„Ich habe seit meiner Ankunft in Deutschland wirklich alles unternommen, um einen Ausbildungsplatz zu finden“, sagte der 26-Jährige im Gespräch mit der Webseite. „Ich kann verstehen, wenn die Leute einen nicht haben wollen. Aber so etwas hätte ich mir niemals vorgestellt. Ist das normal in Deutschland?“

„Nicht nur dumm, sondern auch inhaltlich falsch“

Der Fall schlug im Netz schnell hohe Wellen. Kurz nach der Veröffentlichung der Geschichte sah sich das Autohaus zu einer öffentlichen Entschuldigung auf Facebook genötigt. „Durch eine nicht nur dumme, sondern auch inhaltlich falsche Darstellung gegenüber eines Bewerbers durch eine verantwortliche Person unseres Unternehmens, werden wir zu Recht kritisiert“, heißt es in dem Posting. Das Schreiben entspreche „nicht der Meinung des Unternehmens und der Belegschaft“.

Man werde „personelle Konsequenzen ziehen“, ist ebenfalls zu lesen. Und eine gute Nachricht für den zuvor harsch abgebügelten Bewerber: „Wir werden den Kontakt zu dem Bewerber suchen um uns auch persönlich zu entschuldigen sowie um eine zweite Chance für ein persönliches Vorstellungsgespräch bitten.“

Hat der Vorfall auch einen positiven Effekt?

Für das Autohaus könnte gleichwohl ein Imageschaden bleiben. Medien von Stern über Focus, Rheinische Post und Bayerischen Rundfunk bis hin zur Bild-Zeitung griffen den Fall auf. Der Geschäftsführer des Unternehmens hofft in einer persönlichen Erklärung aber auch auf einen positiven Effekt:

Womöglich könne der Fall „Aufmerksamkeit darauf lenken, dass eine Integration nur möglich ist, wenn sich die Wirtschaft, große wie kleine Unternehmen, ebenfalls an den Integrationsbemühungen beteiligen und den Menschen eine Chance geben, die gerade Hilfe benötigen“, erklärte er in einem weiteren Posting.

Lesen Sie auch: Fünf Fehler, die Arbeitgeber im Vorgestellungsgespräch immer machen

*Name geändert

Video: Syrischer Flüchtling darf nicht arbeiten

mm/tz/Glomex

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