Neue Regelung

Kliniken und Kassenärzte streiten wegen Notfallversorgung

+
Die Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Ärzten und Kliniken klappt nicht richtig. Foto: Andre Kolm

Die Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten ist ein Dauerärgernis. Jetzt erhitzt eine Neuregelung zur Notfallversorgung erneut die Gemüter.

Berlin (dpa) - Die Erstversorgung von Patienten in den Notfallambulanzen der Kliniken sorgt für neuen Streit zwischen Krankenhäusern, Kassenärzten und Krankenkassen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) beklagt einen massiven Zeitdruck bei der ersten Abklärung von Notfallpatienten.

"In zwei Minuten soll die verwaltungsmäßige Erfassung der Patienten stattfinden und ein Mediziner Zeit haben, um eine Diagnose zu stellen, die medizinisch korrekt und auch rechtssicher ist", sagte DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum der Deutschen Presse-Agentur.

Hintergrund ist, dass seit 1. April eine neue Regelung zum Notfall- und Bereitschaftsdienst gilt. Besonders strittig ist die sogenannte Abklärungspauschale. Dabei entscheidet ein Arzt, ob der Notfallpatient zu einem niedergelassenen Arzt geschickt werden kann, oder ob er weiter stationär im Krankenhaus behandelt werden muss. Die Pauschale wird tagsüber mit 4,74 Euro honoriert und nachts mit 8,42 Euro.

Diese Gebührenziffern deckten offiziell nur zwei Minuten ab, argumentierte Baum. "Medizin in einer Zeitspanne, die nicht für ein hartgekochtes Ei reicht, das kann nicht im Sinne von Ärzten sein. Im Sinne von Patienten ist es sicherlich nicht." Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) und Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) nannten diese Darstellung "ausgemachten Unsinn".

Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Johann-Magnus von Stackelberg, sagte der dpa, dass "die Krankenhauslobby in diesem Streit Patienten und Ärzte mit ihren Schreckensmeldungen verunsichert", sei ärgerlich. "Der Streit zwischen Kliniken und niedergelassenen Ärzten um ambulante Behandlungen darf nicht auf dem Rücken der Patientinnen und Patienten ausgetragen werden. Wir brauchen funktionierende Modelle der Zusammenarbeit."

Der Vorstandsvorsitzende der KBV, Andreas Gassen, erläuterte der dpa, wenn in einer ersten Abklärung entschieden werden kann, ob ein Patient auch ambulant von einem niedergelassenen Arzt behandelt werden kann, entlaste das die Notfallambulanzen. Die Ärzte dort hätten dann mehr Zeit für die "echten" Notfälle. "Für diese Abklärung hat es bisher keine Honorierung gegeben." Seit 1. April gebe es nun genau für diese Abklärung Geld.

Baum sagte weiter, die Ärzte "werden sich sicherlich nicht nach zwei Minuten umdrehen, wenn sei keine Klarheit haben. ... Der Druck ist aber natürlich extrem, den insbesondere die Krankenkassen hier ausüben." Letztlich würden die Kliniken in eine ethische Falle und in Verluste getrieben. "Sie erbringen alle erforderlichen Leistungen für die Patienten und die Kassen sparen zugunsten ihrer Milliardenüberschüsse."

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Nordkorea nach Trump-Absage weiter zu Gipfel bereit

Heute Hüh, morgen Hott. US-Präsident Trump sagt den Gipfel mit Nordkoreas Machthaber Kim ab, Pjöngjang zeigt sich plötzlich weiter zum Treffen bereit.
Nordkorea nach Trump-Absage weiter zu Gipfel bereit

"Neue Ära des Datenschutzes": Ab sofort gelten die EU-Regeln

Die Aufregung war ziemlich groß, von nun an gilt die sogenannte Datenschutzgrundverordnung. Die ersten Beschwerden über Verstöße könnten nach Einschätzung eine …
"Neue Ära des Datenschutzes": Ab sofort gelten die EU-Regeln

Neue Studie: CDU- und AfD-Wähler unterscheiden sich vor allem in einem Punkt

Eine aktuelle Studie kommt zum Ergebnis, dass die Polarisierung in der deutschen Gesellschaft wächst. Vor allem AfD- und CDU-Wähler unterscheiden sich in einem …
Neue Studie: CDU- und AfD-Wähler unterscheiden sich vor allem in einem Punkt

Merkel besucht Innovationshochburg Shenzhen

China arbeitet mit Hochdruck an künstlicher Intelligenz und neuen Technologien. In der Innovationshochburg Shenzhen will Merkel wohl auch aufzeigen, dass sich …
Merkel besucht Innovationshochburg Shenzhen

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.