Kommt die Ost- oder West-Variante für den SuedLink?

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In der Region werden die Stromtrassen-Korridore für die "Energie-Autobahn" von Nord nach Süd diskutiert - nach dem Festlegen auf die Erdkabel-Lösung.

Ost-/Nordhessen. Führt sie nun östlich oder westlich an der Rhön vorbei? Oder wird Nord- und Osthessen gänzlich außen vor gelassen und die Trasse gleich komplett durch das bis dato dünner besiedelte und weniger durch Verkehrswege und andere Ver- und Entsorgungsleitungen belastete Thüringen geführt?

Noch sind die Würfel nicht endgültig gefallen und der Stromnetzbetreiber "TenneT" will (und muss) bis zum Frühjahr kommenden Jahres noch die Träger öffentlicher und privater Belange hören, bevor der "SuedLink" an die Bundesnetzagentur weitergereicht wird. Zur Genehmigung eines Mammut-Energieprojekts, das in den kommenden Jahrzehnten mit dem Bau von Stromtrassen billige, vor allem aber atomfreie Windenergie von der Nordseeküste  in den bedarfshungrigen und energieintensiveren Süden Deutschlands transportieren soll. Eines steht indes schon fest: Sogenannte Monster-trassen, also oberirdische, bis zu 80 Meter hohe Leitungsmasten wird es nicht geben!  Die Stromautobahn wird unter der Erde durch die Landschaft gezogen, wenngleich dieses Variante weitaus kos-tenintensiver  und wohl letztlich auf den Endstromverbraucher umgelegt werden wird.

Zu den von "TenneT" neu vorgestellten Erdkabelkorridoren im Zusammenhang mit der "SuedLink"-Stromtrasse erklärt der Fuldaer Wahlkreisabgeordnete Michael Brand (CDU): "Es ist ein Erfolg, dass der Bundestag die Planungen geändert und den Erdkabelvorrang beschlossen hat. Die ,Tennet’-Pläne waren ganz andere. Es wurde immer wieder behauptet, das ginge nicht. Es zeigt sich wieder einmal: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg."

Bei den vorgestellten vier  Erdkabelkorridoren auf der Höhe von Osthessen handelt es sich im Wesentlichen um einen Westkorridor durch den Landkreis Fulda und einen Ostkorridor über Thüringen. "Es gibt fachlich sehr überzeugende Gründe gegen eine Stromtrasse durch Osthessen: Die Überbündelung im Bereich Fulda (Autobahn, Bundesstraße, ICE-Trasse, Salzabwasserleitung "K+S", Gaskorridor) und die geringeren Raumwiderstände in Thüringen sprechen klar für die Thüringen-Variante" so die Auffasung Brands. "Vereint müssen wir jetzt unseren guten Argumenten Gehör verschaffen. Dazu braucht es die aktive Unterstützung der Kommunen und der Landesregierung Hessen."

Unmittelbar nach dem Gespräch mit "TenneT" hat Brand  "den kurzen Draht zu Ministerpräsident Volker Bouffier genutzt", um dort die Argumente anzubringen und um aktive Unterstützung zu werben. Das ganze Verfahren zeige, dass man angeblich "in Stein gemeißelte" Pläne ändern kann.

Im Oktober 2014 hatte Brand zu einem "Runden Tisch" mit der kommunalen Familie, der "Bundesnetzagentur" und "TenneT" ins Fuldaer Landratsamt geladen. Bereits damals hatte er  einen Ostkorridor gefordert. "Nach Bündelung kommt Überbündelung und in Thüringen sind die Raumwiderstände deutlich geringer. Jetzt legt ,TenneT’ erstmals konkrete Planungen für einen Ostkorridor über Thüringen vor: Das ist gut. Ich sehe mich in allen Argumenten bestätigt und werde weiter dafür kämpfen, dass sich die Vernunft durchsetzt. Hier liegt noch ein gutes Stück Überzeugungsarbeit vor uns, aber die mühsam erkämpften Erfolg motivieren."

MdB Kömpel: Dialog ist wichtig

"Die Bundestagsabgeordneten sind am Dienstagmorgen von den geplanten "SuedLink"-Trassenvarianten unterrichtet worden", infomiert MdB Birgit Kömpel (SPD). "Klar ist, dass es Korridore gibt, die durch den Landkreis Fulda führen könnten. Allerdings sind in der jetzigen Phase noch keine anstehenden Infrastrukturprojekte berücksichtigt, wie zum Beispiel die Bahntrasse Fulda-Frankfurt. Es ist auch durchaus möglich, dass die Stromtrasse bei Bad Hersfeld abzweigt und dann in Richtung Thüringen weiter verläuft. Die Ostvariante läuft durch ein Gebiet, das dünner besiedelt ist. Aber vielleicht gibt es auch dort Gründe, zum Beispiel Naturschutz, warum die Trasse nicht verlegt werden kann." Wichtig sei jetzt die Phase des Dialogs, damit alle Beteiligten (Kommunen, Bürgerinitiativen und Bürgerinnen und Bürger) sich einbringen könnten, um zu einer guten Lösung zu kommen. "Insgesamt macht es mich sehr stolz und froh, dass nun die Planung der gesamten Strecke Erdverkabelung vorsieht. Es werden eben keine Monstertrassen gebaut. Dafür haben wir uns mit etlichen Kolleginnen und Kollegen im Deutschen Bundestag stark gemacht", so Kömpel in ihrer Stellungnahme.

Bei den von "TenneT" präsentierten Korridoren handelt es sich lediglich um Vorschläge, die bis zum Frühjahr 2017 öffentlich diskutiert  werden. Erst dann beginnt die offizielle Genehmigungsphase, die in zwei Abschnitten verläuft: Die Bundesfachplanung und das Planfeststellungsverfahren. Erst wenn der Planfeststellungsbeschluss ergangen ist, steht der endgültige Trassenverlauf fest. Das könnte frühestens 2020 der Fall sein.

"Weichen stellen": Presseerklärung des "Aktionsbündnisses" der Stadtregion Fulda

Petersberg/Künzell/Eichenzell. "Der Gesetzgeber hat auf die Bürgerproteste gegen die sogenannten ,SuedLink’-Stromleitungsprojekte reagiert. Durch das Bundesbedarfsplangesetz wurde jetzt der Erdkabelvorrang für die großen Höchstspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen eingeführt. Danach sind diese Leitungen in der Erde möglichst geradlinig zu verlegen. Nur in sehr engen Ausnahmefällen sind Freileitungen auf Teilstrecken zulässig. Jetzt haben die Übertragungsnetzbetreiber ,TenneT TSO’ und ,Transnet BW’ die neuen Trassenkorridorvorschläge vorgestellt. Sie haben sich dabei für eine reine Erdkabellösung entschieden und über 100 Varianten an Trassenabschnitten entwickelt. Eine Vorzugsvariante wurde noch nicht bestimmt, so dass die Planung noch vage ist.

Die Gemeinden Petersberg, Künzell und Eichenzell haben sich bereits im Sommer 2015 zu einem Aktionsbündnis zusammengeschlossen, um zu verhindern, dass die geplante Höchstspannungsgleichstromleitungen des ,SuedLinks’ auf ihren Gemeindegebieten verlaufen. Das Aktionsbündnis befürwortet zwar den neuen Erdkabelvorrang ausdrücklich, denn dadurch wird das Landschaftsbild deutlich geschont. Das Aktionsbündnis wendet sich dennoch strikt gegen die Planung auf den eigenen Gemeindegebieten. Denn diese sind durch die bestehende Infrastruktur schon erheblich vorbelastet. Es ist schlicht kein Platz mehr für ein weiteres Leitungsprojekt. Bereits im Vorfeld der Planung haben die Gemeinden in Vorgesprächen mit dem Übertragungsnetzbetreiber "Tennet TSO" diese Vorbelas-tung deutlich gemacht.Das Aktionsbündnis befürwortet eine möglichst lange und direkte gemeinsame Stammstrecke des ,SuedLink’-Projektes Wilster-Grafenrheinfeld mit dem weiteren ,SuedLink’-Projekt Bruns-büttel-Großgartach, weil dadurch Kosten für die Erdverkabelung gespart werden und die Akzeptanz in der Bevölkerung gesteigert werden kann. Auch die Natur wird weniger belastet. Es ist besser, wenn für die Erdkabel nur eine Grabentrasse gezogen werden muss anstelle von zwei unterschiedlichen Trassenverläufen.

Dass allerdings gerade beim Trassenabschnitt 104 nur eine einzige Variante westlich der Rhön gewählt wurde, ist wenig verständlich. Trassenvarianten westlich von Fulda wurden gar nicht vorgeschlagen. Die Varianten östlich der Rhön sind vielfältiger.

Das Aktionsbündnis wird die Verengung der Planungsvarianten mit allen juristischen Mitteln bekämpfen und hat bereits eine Rechtsanwaltskanzlei beauftragt. Die Planung wird jetzt anhand der geltenden Planungskriterien überprüft. Jetzt ist der Zeitpunkt, um noch die richtigen Weichen zu stellen, denn der förmliche Antrag auf Bundesfachplanung ist noch nicht gestellt.

Das Aktionsbündnis fordert die Bürger dazu auf, sich am Planungsprozess zu beteiligen und eigene Vorschläge bei den Übertragungsnetzbetreibern einzubringen."

Für die Thüringer Variante: Hünfelds Bürgermeister Stefan Schwenk

Hünfeld. Bürgermeister Stefan Schwenk unterstützt die Forderung der Bürgermeister aus der Stadtregion Fulda, bei den Trassenvarianten für die geplante "TenneT"-Gleichstromleitung die Thüringer Variante zu favorisieren. Die vorgeschlagenen Trassenkorridore im Bereich Hünfeld würden nach seiner Ansicht ganz einfach zu einer massiven "Überbündelung" führen. Westlich von Hünfeld verliefen bereits zwei große Gasfernleitungen, die Abwasserleitung von "K + S", Bahntrasse und Westumgehung der B 27. Auch wenn die Leitungen unter der Erde vergraben würden, stellten sie dennoch massive Eingriffe für die Landwirtschaft, den Wasserhaushalt im Boden und die Entwicklungsmöglichkeiten für städtische Infrastrukturprojekte in den Bereichen Ver- und Entsorgung dar. Der östliche Korridor werde schon heute durch die große Fernleitung von "TenneT" belastet, die in den 70er Jahren gebaut worden war. Diese Leitung stelle einen erheblichen Eingriff in das Natur- und Kultur-Landschaftsbild dieses nordwestlichen Teils des Biosphärenreservats Rhön dar.Sollte diese Trasse dennoch in Betracht kommen, dann fordert Hünfelds Bürgermeister dass beide Leitungen, sowohl die bestehende, fast 40 Jahre alte Leitung, als auch die neue Leitung gemeinsam unter der Erde verlegt werden. Dies könne aber nur in Betracht gezogen werden, wenn der Trassenkorridor in Thüringen nicht zum Tragen käme. Für die Thüringer Variante spreche eindeutig, dass dort die Trasse weitgehend in der freien Landschaft außerhalb besiedelter Verdichtungsräume geführt werden könne. Eine Trassenführung westlich oder östlich der Haune führe dagegen durch weitaus dichter besiedeltes Gebiet in Hünfeld und in der Stadtregion Fulda, teilt Schwenk abschließend mit.

Bayreuth/Stuttgart. Die Übertragungsnetzbetreiber "TenneT" und "TransnetBW" haben jetzt Vorschläge für mögliche Erdkabelkorridore der Gleichstromverbindung "SuedLink" veröffentlicht. Lex Hartman, Mitglied der Geschäftsführung der "TenneT  TSO GmbH", machte klar: "Wir planen ,SuedLink’ als reine Erdkabelverbindung. Das ist der Wunsch der Bürger, für den die Politik den Weg frei gemacht hat."

In einem ersten Schritt seien durch renommierte Fachplanungsbüros für Umwelt und Naturschutz nun mögliche, gut geeignete Korridore identifiziert worden, so Hartman weiter. Diese werden nun der Öffentlichkeit vorgestellt, sagte Dr. Werner Götz, Mitglied der Geschäftsführung der "TransnetBW GmbH": "Noch vor dem offiziellen Antragsverfahren suchen wir den Dialog mit der Öffentlichkeit." Jetzt starte die Bürgerbeteiligung, bei der die Planungen erklärt und die Vorschläge diskutiert würden. "Wir wollen frühzeitig und transparent informieren. Das stellt sicher, dass alle verfügbaren lokalen und regionalen Informationen helfen, die Planung zu optimieren."

Hartman und Götz wiesen darauf hin, dass die Fertigstellung von "SuedLink" für 2025 geplant sei. Dies sei ein ambitionierter Zeitplan. Beide zeigten sich zuversichtlich, dass die Erdkabelplanung schonende Lösungen vor Ort und damit auch zügige Verfahren ermöglicht. "TenneT" und "TransnetBW" wollen den Genehmigungsantrag auf Bundesfachplanung im ers-ten Quartal 2017 bei der Bundesnetzagentur einreichen.

Nachdem Ende vergangenen Jahres der Erdkabelvorrang für Gleichstromverbindungen gesetzlich festgelegt worden war, haben die beiden Übertragungsnetzbetreiber mit den Planungen für "SuedLink" begonnen. Die Neuplanung folgt den Vorgaben von Gesetzgebung und Genehmigungsbehörde. Die neuen Erdkabelkorridor-Vorschläge basieren auf Kriterien für erdverlegte Leitungen, die sich grundlegend von denen für die Planung von Freileitungen unterscheiden.

Zu den wichtigsten Kriterien für die Planung der Gleichstrom-Erdkabelverbindung gehören die Geradlinigkeit und Kürze der Strecke, das Bodenrelief (Gebirge, Wald) und die Bodenbeschaffenheit. Während der Planungsphase standen die Netzbetreiber in konstruktivem Austausch mit Fachbehörden und anderen Trägern öffentlicher Belange.

Von Mitte Oktober bis Mitte November werden "TenneT" und "TransnetBW" Info-Foren durchführen. Über 30 Veranstaltungen werden in den Landkreisen stattfinden, in denen die vorgeschlagenen Erdkabelkorridore verlaufen könnten. Dort können sich die  Bürger über die Planungsgrundlagen und die eingesetzte Technik informieren und  Hinweise zu den vorgeschlagenen Erdkabelkorridoren abgeben.Eine Beteiligung ist auch über das Internet möglich: Unter www.tennet.eu und www. transnetbw.de finden sich mögliche Korridorverläufe sowie Erläuterungen zu allen Themen rund um die Planung von "SuedLink". Außerdem können über ein innovatives Online-Planungs- und Beteiligungstool direkt Hinweise eingegeben werden.

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