Bedingungsloses Grundeinkommen

Konzernchefs fordern bessere soziale Absicherung

+
Telekom-Chef Timotheus Höttges Foto: Oliver Berg/Archiv

Die Jamaika-Koalition in Schleswig-Holstein plant, das bedingungslose Grundeinkommen zu testen. In einer Jamaika-Koalition im Bund dürfte die Idee aber kaum durchzusetzen sein.

Berlin (dpa) - Wenige Tage vor Beginn der Sondierungsgespräche von Union, Grünen und FDP haben Chefs großer Unternehmen eine bessere soziale Absicherung der Deutschen gefordert.

Nachdem Siemens-Chef Joe Kaeser kürzlich eine "Grundversorgung für das Alter" gefordert hatte, äußerte sich Telekom-Chef Timotheus Höttges jetzt ähnlich im "Tagesspiegel" (Montag). Die Digitalisierung werde die Unternehmens- und Arbeitswelt enorm verändern. "Deshalb brauchen wir eine Diskussion, wie wir die Sozialsysteme auf die Herausforderungen der Digitalisierung einstellen".

Es müsse jetzt über Instrumente wie "das bedingungslose Grundeinkommen und als Teilvariante davon die Grundversorgung im Alter" gesprochen werden, sagte Höttges. Er will dies nach Angaben der Zeitung in eine gesamte Reform der Sozialsysteme einbetten.

Auch Götz Werner, Gründer und Aufsichtsrat der Drogeriekette dm, wirbt schon länger für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Jeder habe das Recht auf ein bescheidenes, aber menschenwürdiges Leben. "Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde diesen Artikel unserer Verfassung endlich Gültigkeit verleihen", sagte er dem "Tagesspiegel". Zum Thema Vorsorge im Alter meinte er: "Es kann nicht sein, dass eine Rentnerin, die drei Kinder groß gezogen hat und dann den Ehemann gepflegt hat, bis er starb, heute nicht von ihrer Rente leben kann. Altersarmut ist grober Undank."

Die Mehrheit der Deutschen sei für solche Überlegungen, schreibt die Zeitung. Die Jamaika-Koalition in Schleswig-Holstein plant, das bedingungslose Grundeinkommen zu testen. In einer Jamaika-Koalition im Bund dürfte die Idee aber kaum durchzusetzen sein. Kanzlerin Angela Merkel (CDU), FDP-Chef Christian Lindner und die Spitzenkandidaten der Grünen, Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckhardt, seien dagegen. Wie das finanziert werden soll, ist offen.

Artikel des "Tagesspiegels"

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Trump will Atomwaffen-Abkommen mit Russland aufkündigen

Nach einem gewaltsamen Übergriff auf einen Journalisten hat Donald Trump den Täter gelobt und steht nun in der Kritik. Infos aus Washington im News-Ticker.
Trump will Atomwaffen-Abkommen mit Russland aufkündigen

500.000 Menschen fordern in London: Neue Brexit-Abstimmung und EU-Verbleib

Vor den Brexit-Verhandlungen beim EU-Gipfel schwankt die Stimmung zwischen Optimismus und Pessimismus. Theresa May ringt um mehr Zeit. Katarina Barley hat derweil eine …
500.000 Menschen fordern in London: Neue Brexit-Abstimmung und EU-Verbleib

Getöteter Journalist: Maas kündigt in Tagesthemen Konsequenzen für Saudi-Arabien an

Nach der Ermordung des Regimekritikers Jamal Khashoggi in einem Konsulat in Instanbul, kündigt Bundesaußenminister Maas Konsequenzen an. 
Getöteter Journalist: Maas kündigt in Tagesthemen Konsequenzen für Saudi-Arabien an

JU erhöht Druck auf Seehofer - Ehemalige SPD-Landeschefin schießt gegen Kohnen

Nach der Landtagswahl in Bayern verhandeln die CSU und Freien Wählern über eine Koalition - und die Christsozialen streiten über ihre Wahlpleite. Wie geht es außerdem …
JU erhöht Druck auf Seehofer - Ehemalige SPD-Landeschefin schießt gegen Kohnen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.