Treffen mit Assad

Putin ordnet bei Syrienbesuch Teilabzug der Truppen an

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Wladimir Putin und Verteidigungsminister Sergej Schoigu (l) unterhalten sich mit russischen Militärpiloten auf der russischen Luftwaffenbasis Hamaimim in der Provinz Latakia in Syrien. Foto: Mikhail Klimentyev/POOL SPUTNIK KREMLIN

Russlands Militäreinsatz in Syrien ist teuer und umstritten. Nun zieht Präsident Putin einen Strich darunter und beordert einen großen Teil seiner Truppen nach Hause. Die Entscheidung hat nicht nur für die Region Signalwirkung, auch auf Russlands Wähler zielt sie.

Hamaimim (dpa) - Russlands Präsident Wladimir Putin hat nach gut zwei Jahren Militäreinsatz in Syrien den Sieg erklärt und einen Teilabzug seiner Truppen angeordnet. "Ein großer Teil des russischen Militärkontingents in der Syrischen Arabischen Republik kehrt nach Hause zurück, nach Russland".

Das sagte er bei einem überraschenden Besuch auf der Luftwaffenbasis Hamaimim in der Provinz Latakia. Bei der Truppeninspektion traf Putin auch den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad.

Die Wintersonne schien Putin ins Gesicht, als er vor die Reihen der strammstehenden Soldaten an ein Mikrofon trat. "Sie kehren als Sieger in Ihre Heimat zurück, zu Ihren Angehörigen - Eltern, Frauen, Kindern - und Freunden. Die Heimat erwartet Sie, Freunde. Gute Reise. Ich danke Ihnen für den Dienst", sagte Putin in einer Aufzeichnung des Staatsfernsehens. In einem sonoren Chor rief die Truppe: "Ich diene der Russischen Föderation!"

Die russische Luftwaffe fliegt seit September 2015 Angriffe in Syrien und unterstützt damit die Regierungstruppen. Neben Hamaimim betreibt Moskau auch einen Marinestützpunkt in Tartus am Mittelmeer. Russland und der Iran sind Syriens militärische Schutzmächte. Aktivisten hatten Moskau mehrfach vorgeworfen, dass bei russischen Angriffen nicht nur Terroristen, sondern auch moderate Rebellen und Zivilisten getötet worden seien. Moskau weist dies zurück.

Erst im November hatte Putin den syrischen Präsidenten Assad in Sotschi empfangen. Dabei hatte er signalisiert, dass sich der Militäreinsatz in dem Land seinem Ende nähere.

Der Zeitpunkt ist strategisch gewählt. International hat Russland mit seiner Intervention Assads Position stabilisiert, während der Westen weitgehend zugeschaut hat. Innenpolitisch kommt der Befehl wenige Tage nach Putins Ankündigung, für eine neue Amtszeit als Präsident zu kandidieren. Der Schritt dürfte seine ohnehin hohe Beliebtheit daheim noch weiter steigern.

Denn: Der Einsatz ist kostspielig. Die Zahlen gelten als geheim, aber die Zeitung "RBK" schätzt die Ausgaben auf 2,2 Millionen Euro pro Tag. Das entspräche rund 1,5 Milliarden Euro seit 2015. Zudem wurden der Regierung zufolge rund 40 russische Soldaten in Syrien getötet.

Ein ranghoher Soldat sagte Oberbefehlshaber Putin, die Flugzeuge seien umgehend zur Rückkehr bereit. Die Stützpunkte in Latakia und Tartus sollten ausreichend geschützt bleiben, hieß es aus Moskau.

Assad dankte Putin für die Hilfe. Was das russische Militär getan habe, werde nicht vergessen, sagte er der Staatsagentur Sana zufolge. Das Blut russischer und syrischer Märtyrer sei miteinander vermischt. "Dieses Blut ist stärker als Terrorismus und Söldner und wird künftigen Generationen im Gedächtnis bleiben."

Nach offizieller Lesart ist Russlands Militäreinsatz ein Beitrag zum Kampf gegen Terroristen, unter anderem der Gruppe Islamischer Staat (IS). Zuletzt hatten Moskauer Militärs immer wieder betont, dass der IS in Syrien weitgehend besiegt sei. "Wenn die Terroristen in Syrien noch einmal ihren Kopf erheben, dann werden wir ihnen einen Schlag versetzen, wie sie ihn zuvor noch nicht erlebt haben", sagte Putin.

Die syrische Regierung hat mittlerweile die Kontrolle über wichtige Städte zurückgewonnen. Landesweit halten sich aber noch vereinzelt Rebellengruppen auf. Die Provinz Idlib an der Grenze zur Türkei ist die einzige Region, die fast vollständig unter Kontrolle von Aufständischen steht.

Syrien-Experten sprechen dem amerikanischen Carnegie-Zentrum zufolge von einem "fragmentierten Land". Obschon die Hauptmilitäroffensiven vorbei seien, könne noch nicht von einem Ende der Kämpfe gesprochen werden. "Der wahre Sieger im syrischen Bürgerkrieg ist Russland", schreibt Rula Jebreal von der Universität Miami. Wladimir Putin sei der "Star", da es dem russischen Militär gelungen sei, die Lage zugunsten Assads zu wenden. Sie geht davon aus, dass Friedensgespräche stark von der russischen Seite geprägt sein dürften.

Moskau dringt auf Verhandlungen zwischen Regierung und Opposition. Geplant ist ein sogenannter Kongress der Völker Syriens, ein Termin ist aber noch nicht bekannt. Putin warb im Gespräch mit Assad erneut für das Format. Zusammen mit dem Iran und der Türkei vermittelt Russland seit Anfang 2017 in der kasachischen Hauptstadt Astana zwischen den Konfliktparteien. Dabei wurden etwa vier sogenannte Schutzzonen vereinbart, in denen nicht gekämpft werden soll.

Anschließend traf Putin zu Gesprächen in Ägypten ein und wurde später auch in der Türkei erwartet. In Kairo informierte er Präsident Abdel Fattah al-Sisi über sein Treffen mit Assad. Auch beim türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sollte es um Syrien sowie die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch die USA gehen.

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