Sie stellt eine entscheidende Frage

Kristina Schröder über Flüchtlingsgewalt: Politische Mitte muss ihre Sprachlosigkeit überwinden

In einem Gast-Kommentar fordert Kristina Schröder die politische Mitte dazu auf, ihre Sprachlosigkeit angesichts der Gewalt durch Flüchtlinge zu überwinden.
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In einem Gast-Kommentar fordert Kristina Schröder die politische Mitte dazu auf, ihre Sprachlosigkeit angesichts der Gewalt durch Flüchtlinge zu überwinden.

Die ehemalige Familienministerin Kristina Schröder fordert in einem Gastkommentar, dass die politische Mitte Deutschlands ihre Sprache angesichts der Morde durch Flüchtlinge wiedererlangen müsse.

Susanne F., Mia aus Kandel, Maria aus Freiburg oder Mireille aus Flensburg - wenn in Deutschland ein Mord durch einen Flüchtling geschieht, dauert es nicht lange, bis rechte Gruppierungen die tragischen Ereignisse instrumentalisieren. In einem Gastkommentar bei welt.de verurteilt die ehemalige Familienministerin Kristina Schröder dieses Vorgehen. Doch sie verweist auch auf diejenigen, welche nach anfänglicher Betroffenheit lieber gar nichts mehr sagen.

In der politischen Mitte herrsche über solche „Einzelfälle“ Sprachlosigkeit - und das müsse sich ändern, fordert Schröder. Es sei die erste Sorge vieler Kommentatoren, ein Mord durch einen Flüchtling könne politisch instrumentalisiert werden, kritisiert sie. Daher würden selbst Beileidsbekundungen gerne mit der Mahnung versehen, den Fall jetzt aber bitte nicht „politisch zu missbrauchen“. „Ich sehe darin vor allem Empathielosigkeit gegenüber der Familie des Opfers und ein absurdes Denkverbot, aus einem dramatischen Geschehen auch politische Konsequenzen zu ziehen“, schreibt die 41-Jährige bei welt.de.

Morde durch Flüchtlinge: Schröder sieht keine vertiefte Beschäftigung

Im Schweigen der politischen Mitte zum Thema Flüchtlingsgewalt sieht Schröder außerdem keine vertiefte Beschäftigung mit der kulturellen Herausforderung der Zuwanderung. „Nicht alle, aber viele Muslime vertreten Überzeugungen, die sich nur schwer oder gar nicht in unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung fügen“, schreibt Schröder in ihrem Gastkommentar. Konkret meint sie Überzeugungen bezüglich des Verhältnisses zwischen Staat und Religion, Religion und Recht, Männern und Frauen. 

„Damit umzugehen, die einen zu integrieren und zu überzeugen - natürlich geht das! -, die anderen konsequent des Landes zu verweisen, das wird uns in den nächsten Jahren beschäftigen“, prophezeit die ehemalige Familienministerin. Ihrer Meinung nach wurde diese kulturelle Herausforderung 2015 unterschätzt. Die entscheidende Frage laut Schröder: „Können wir in Zukunft auf Basis unserer Werte friedlich zusammenleben?“

Kristina Schröders Appell richtet sich nicht nur an Politiker

Das Ausmaß der Herausforderung würden die Morde an Susanna, Mia und anderen sowie die Überrepräsentanz von Geflüchteten in der Kriminalstatistik bei Straftaten gegen das Leben, bei schwerer Körperverletzung und Vergewaltigung zeigen, erläutert Schröder. Diese Herausforderung werde Deutschland nur angehen können, wenn die politische Mitte ihre Sprachlosigkeit dazu überwindet. 

Schröder ermahnt jedoch nicht nur Politiker. Auch Migrationsforscher und Feministinnen nimmt die 41-Jährige in die Pflicht, sich unvoreingenommen und differenziert mit der Flüchtlingsthematik auseinanderzusetzen. So kritisiert sie vor allem die Feministinnen, die nach der Kölner Silvesternacht unter „#ausnahmslos“ einen ihrer Meinung nach hoffnungslos naiven Aufruf initiierten, der „jeglichen Diskurs über den Zusammenhang zwischen Islam und Gewalt verbieten wollte“. 

„Initiative säkularer Islam“ als positives Beispiel

Hoffnung legt Kristina Schröder in die Stimmen von Ali Ertan Toprak, dem Bundesvorsitzenden der Kurdischen Gemeinde in Deutschland, Seyran Ates, Mitbegründerin der liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin und Ahmad Mansour, Sohn arabischer Israelis, der sich intensiv mit dem Thema Gewalt und Islam befasst. Sie hätten zusammen vor einigen Monaten die „Initiative säkularer Islam“ gegründet, schreibt Schröder. Damit wollen sie dazu beitragen, „den Bedenken der nicht muslimischen Bevölkerung positiv entgegenzuwirken, nämlich durch die Entwicklung eines Islams, der mit den Menschenrechten vollumfänglich vereinbar ist“. An dieser dringend notwendigen Debatte müssten jetzt nur noch wir Nichtmuslime uns beteiligen, fordert Schröder am Ende ihres Kommentars. 

Obwohl Kristina Schröder der politischen Mitte Sprachlosigkeit vorwirft, hat Angela Merkel, als sie in einer ZDF-Sendung auf Vergewaltigungen durch Flüchtlinge angesprochen wird, durchaus eine Antwort parat.

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