,Ländliche Region darf nicht zur Melkkuh werden’

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Manfred Lister. Foto: Privat

Werra-Meißner/Hersfeld-Rotenburg. Manfred Lister geht für die FDP ins Rennen. Der 52-Jährige Eschweger ist der gemeinsame Kandidat der Kreisverbän

Werra-Meißner/Hersfeld-Rotenburg. Manfred Lister geht für die FDP ins Rennen. Der 52-Jährige Eschweger ist der gemeinsame Kandidat der Kreisverbände Werra-Meißner und Hersfeld-Rotenburg für die Bundestagswahl im nächsten Jahr. Ohne Gegenkandidat bekam er auf der Delegiertenversammlung 94,3 Prozent der Stimmen und geht mit starker Unterstützung aus der eigenen Partei in den Wahlkampf.

"Das Direktmandat werde ich nicht gewinnen können, aber ein gutes Ergebnis möchte ich erreichen", so Lister, der gerne die 9,4 Prozent schaffen will, die der heutige Hersfelder Bürgermeister Thomas Fehling 2009 für die FDP im Wahlkreis holte. "Allerdings waren vor vier Jahren noch wesentlich bessere Zeiten für die FDP ",weiß Lister, dass die knapp zehn Prozent ein schwieriges Unterfangen werden können.

Lister der einzige Kandidat aus dem heimischen Kreis

Trotzdem gibt sich der zweifache Familienvater optimistisch, denn er will den Menschen mehr als eine Alternative zu SPD und CDU bieten. "Ich bin der einzige Kandidat aus dem Werra-Meißner-Kreis, denn Roth für die SPD war fix und bei der CDU haben die heimischen Kandidaten gegen Heiderich nichts ausgerichtet", so Lister, der darauf setzt, dass ihm dieser Umstand einige Stimmen auch aus den anderen politischen Lagern hier im Kreis bringen könnte.

Als großen Vorteil werte er, dass er in beiden Landkreisen bekannt und gut vernetzt sei. "Im Werra-Meißner-Kreis liegt mein Lebensmittelpunkt mit Frau und Kindern, im Kreis Hersfeld-Rotenburg mein Arbeitsmittelpunkt", so der Kaufmännische Leiter des Unternehmens Russek+Burkhard.

Natürlich habe er durch seinen Job keine Zeit ständig über die Lande zu tingeln, wie es Roth und Heiderich machen, wenn sie nicht in Berlin seien, aber – und da geht der Dank an seinen Arbeitsgeber –, werde er sich Freiräume schaffen, um einen engagierten und fairen Wahlkampf zu führen. "Ich werde keinen Wahlkampf machen um irgend etwas zu versprechen, was eh nicht einzuhalten ist", will der Liberale den Menschen in der Region nichts vorgaukeln. Die jetzigen Standards zu halten, bedeute, dass es den meisten Menschen weiterhin gut gehe. "Selbst wenn die Lage ein bisschen schlechter werden sollte, geht es uns immer noch gut", so Lister.

Der FDP-Ortverbandsvorsitzende von Eschwege und FDP-Bezirksvorstandsmitglied wolle sich für einen generationsverträglichen demografischen Wandel stark machen. "Momentan geht mir das zu sehr in eine Richtung. Es ist natürlich richtig, dass die Älteren eine anständige Rente bekommen sollen, aber wir brauchen auch Perspektiven für die jüngere Generation. Die ländlichen Regionen dürfen nicht zur Melkkuh werden und ihre jungen Leute in die Ballungsgebiete ziehen lassen, denn die brauchen wir hier um die Region am Leben zu halten", so Lister.

Um junge Menschen anzusprechen, wolle er seinen Wahlkampf auch verstärkt im Internet und sozialen Netzwerken wie facebook führen. "Ich möchte die Jugend erreichen und wieder ihr Interesse für Politik wecken", so der erfahrene Kommunalpolitiker, der eines der größten Probleme in der immensen Politikverdrossenheit der Jugend sieht.

Belastungen für den Mittelstand nicht mehr hinnehmbar

Und er wolle sich dafür stark machen, dass nicht immer mehr Steuern auf die Leistungsbereiten zukommen. "Auf dem Mittelstand, unseren Handwerkern, wird alles abgewälzt, sie werden immer mehr zur Kasse gebeten – das kann einfach nicht sein", so Lister. Ähnlich sieht er die Probleme bei den heimischen Ärzten. Für die sei es unattraktiv hier zu arbeiten, da die Belastungen ständig zunehmen. "Unser ganzes System muss leistungsbezogener werden. Wer viel leistet, muss auch adäquat bezahlt werden", fordert Lister.

Kritisch sieht Lister die Pläne im Landkreis, das Stromnetz der E.ON zu kaufen. "Davon halte ich gar nichts, denn ein Stromnetz zu unterhalten ist mit hohen Investitionen verbunden. Geld, dass unsere Kommunen überhaupt nicht haben."

Kinder fördern und fordern

Und auch vom Betreuungsgeld halte er nichts. "Das Geld landet bei den Falschen", so Lister. Stattdessen müsse der Kita-Ausbau viel stärker vorangetrieben werden, um auch wirklich allen Kindern früh die Chance zu bieten, Fuß zu fassen und in die Gesellschaft integriert zu werden. "Wir brauchen nicht in die Problemviertel der Großstädte zu schauen, wir haben ähnliche Probleme bereits hier vor der Haustür", sagt Lister. "Viele Kinder aus einem durchschnittlichen Elternhaus sind keinesfalls intelligenter als andere. Sie werden in der Familie nur mehr gefördert und gefordert", so Lister. Wenn die Kinder jedoch in der Familie nicht ausreichend gefördert würden, müsse an dieser Stelle der Hebel der öffentlichen Hand angesetzt werden. Nur so hätten diese Kinder eine annähernd faire Chancengleichheit.

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