Lafontaine wirbt für rot-rot-grünen Gauck-Nachfolger

Oskar Lafontaine wirbt für einen gemeinsamen Präsidentschaftskandidaten von SPD, Grünen und Linke. Foto: Karlheinz Schindler/Archiv
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Oskar Lafontaine wirbt für einen gemeinsamen Präsidentschaftskandidaten von SPD, Grünen und Linke. Foto: Karlheinz Schindler/Archiv

Wer soll im Februar 2017 neuer Bundespräsident werden? Die Linke wirbt vehement für einen gemeinsamen rot-rot-grünen Kandidaten. Und denkt dabei schon an die Bundestagswahl im darauffolgenden Herbst. Mit Blick darauf kommt aus der CDU eine Warnung an den Partner SPD.

Passau (dpa) - Der saarländische Linksfraktionschef Oskar Lafontaine wirbt für einen gemeinsamen Kandidaten von SPD, Linken und Grünen für die Bundespräsidentenwahl. «Es besteht die Chance. Ein rot-rot-grüner Kandidat, der sich in der Bundesversammlung durchsetzt, wäre ein Signal», sagte er der «Passauer Neue Presse».

Die SPD müsse einen Vorschlag machen. «Sie hat hier die Schlüsselrolle. Wir wollen einen Bundespräsidenten, der die soziale Frage wieder in den Mittelpunkt stellt.»

Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Armin Laschet warnte im «Focus» den Koalitionspartner SPD allerdings davor, gemeinsam mit Grünen und Linken einen Kandidaten aufzustellen. «Es ist realitätsfern zu glauben, das Abstimmungsverhalten in der Bundesversammlung im Februar 2017 sei ohne jegliche Auswirkung auf die Bundestagswahl im September», sagte er.

Lafontaine nannte es unklug, jetzt über Namen zu reden. Man brauche eine Persönlichkeit, «die sich für das Soziale und für eine Rückkehr zur Friedenspolitik Willy Brandts einsetzt». Auch Laschet wandte sich gegen eine Vorfestlegung auf einen Kandidaten: «Wichtiger als Mann oder Frau, jung oder alt, Ost oder West ist die Eignung einer Persönlichkeit für das Amt.»

Joachim Gauck - vom Bürgerrechtler zum Bundespräsidenten

joachim gauck, bürgerrechtler, ddr, bundespräsident, rücktritt
Joachim Gauck wurde am 24. Januar in Rostock als Sohn eines Seemanns geboren. Er studierte Theologie, heiratete 1959 seine Freundin Gerhild, mit der er vier Kinder bekommt. Er wird Pastor und gehört zu den Mitbegründern der Bürgerbewegung "Neues Forum" in der DDR (Bild, 1989). © dpa
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1990: Gauck wird Abgeordneter der frei gewählten Volkskammer für das "Neue Forum". Gauck leitet den „Sonderausschuss zur Kontrolle der Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit/Amt für Nationale Sicherheit“. 1991 wird er „Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR“. © dpa
Joachim Gauck wird im Jahr 2000 für die Qualität seiner politischen Rhetorik mit dem Dolf-Sternberger-Preis ausgezeichnet.
Joachim Gauck wird im Jahr 2000 für die Qualität seiner politischen Rhetorik mit dem Dolf-Sternberger-Preis ausgezeichnet. © dpa
Ebenfalls im Jahr 2000: Die Journalistin Daniela Schadt (li.) wird Gaucks neue Lebenspartnerin. Seit 1991 lebt er von seiner Frau getrennt.
Ebenfalls im Jahr 2000: Die Journalistin Daniela Schadt (li.) wird Gaucks neue Lebenspartnerin. Seit 1991 lebt er von seiner Frau getrennt. © dpa
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Nach dem Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler (CDU, li.) nominieren SPD und Grüne Gauck als Kandidaten für das Bundespräsidentenamt. Im dritten Wahlgang unterliegt er dem CDU-Politiker Christian Wulff. © dpa
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Am Ziel: Nach Christian Wulffs Rücktritt wird Gauck als überparteilicher Kandidat am 18. März 2012 im ersten Wahlgang zum Bundespräsidenten gewählt. © dpa
Noch 2012 besucht der Theologe Gauck Papst Benedikt XVI im Vatikan.
Noch 2012 besucht der Theologe Gauck Papst Benedikt XVI im Vatikan. © dpa
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Bittere Pleite: 2012 verliert der FC Bayern das Champions-League-Finale in der heimischen Arena. Gauck will trösten. Doch Bastian Schweinsteiger "verweigert" den Handschlag. Später entschuldigt sich der Fußballer. © dpa
Hoher Besuch: 2015 kommt Queen Elizabeth II. nach Berlin. Gauck empfängt das britische Staatsoberhaupt.
Hoher Besuch: 2015 kommt Queen Elizabeth II. nach Berlin. Gauck empfängt das britische Staatsoberhaupt. © dpa
Am 6. Juni 2016 erklärt Gauck, für eine zweite Amtszeit nicht zur Verfügung zu stehen.
Am 6. Juni 2016 erklärt Gauck, für eine zweite Amtszeit nicht zur Verfügung zu stehen. © dpa

Oskar Lafontaine: Seine politischen Stationen

Oskar Lafontaine rief einst die Linkspartei ins Leben und gehört zu den umstrittensten Politikern Deutschlands. Jetzt ist Lafontaine an Krebs erkrankt. Sehen Sie hier seine politischen Stationen. © dpa
1966: Lafontaine tritt in die SPD ein. Zunächst war er bei der SPD-Jugendorganisation Jusos aktiv. © dpa
1982: Aufgrund seiner ablehnenden Haltung gegenüber NATO-Nachrüstung und Kernkraft gerät Lafontaine (l., von 1974 bis 1985 Oberbürgermeister von Saarbrücken) mit SPD-Bundeskanzler Helmut Schmidt aneinander. © dpa
1985: Am 9. April wird Lafontaine Ministerpräsident des Saarlandes. © dpa
1987: Lafontaine empfängt den Staats- und Parteichef der DDR, Erich Honecker, in dessen Heimat im Saarland. © dpa
1987: Der SPD-Vorsitzende Willy Brandt (links) mit dem Ministerpräsidenten des Saarlandes, Oskar Lafontaine. In seinem Buch „Das Herz schlägt links“ erhebt Lafontaine schwere Vorwürfe gegen den 1992 verstorbenen Brandt. Dieser habe ihm als SPD-Kanzlerkandidaten im Wahlkampf 1990 die Unterstützung entzogen, schreibt Lafontaine in seinen politischen Erinnerungen. © dpa
1989: Lafontaine verfolgt den Weg zur Wiedervereinigung zurückhaltend und warnt vor einer „nationalen Besoffenheit“. © dpa
1990: Lafontaine wird bei einem Attentat während eines Wahlkampfauftrittes in Köln-Mühlheim von einer geistesgestörten Frau mit einem Messer lebensgefährlich am Hals verletzt. © dpa
1990: Lafontaine (r.) scheitert als SPD-Kandidat bei den Bundestagswahlen gegen Helmut Kohl. Seine Partei erreicht mit 33,5% der Stimmen ihr schlechtestes Ergebnis seit 1957. © dpa
Putsch in Mannheim: Am 16. November 1995 sorgte Lafontaine auf dem SPD-Parteitag in Mannheim für eine Sensation: In einer Kampfabstimmung setzte er sich klar gegen Rudolf Scharping durch und wurde damit neuer Bundesvorsitzender der SPD. © dpa
1997: Die Regierungsparteien CDU, CSU und FDP beschuldigen Lafontaine im Zusammenhang mit einer geplanten Steuerreform und der Rentenreform eine "Blockadepolitik" aus machtpolitischen Gründen durchzuführen. Lafontaines SPD blockiert die Reformen im Bundesrat. Links der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU). © dpa
1998: Der Kanzlerkandidat der SPD, Gerhard Schröder (rechts), überträgt Lafontaine den Bereich der Finanz- und Europapolitik im Falle einer Regierungsübernahme. © dpa
1999: Lafontaine tritt vom Amt des Vorsitzenden der SPD und gleichzeitig vom Amt des Bundesfinanzministers zurück - zunächst ohne Angabe von Gründen. Drei Tage später äußert er sich zu seinen Motiven und verweist auf "das schlechte Mannschaftsspiel" im Kabinett und nennt als Beispiel für den fehlenden "Teamgeist" die Auseinandersetzungen um die Steuerpolitik. © dpa
2001: Lafontaine (l.) stellt gemeinsam mit Gregor Gysi dessen Buch „Ein Blick zurück, ein Schritt nach vorn“ vor. © dpa
2002: Der frühere SPD-Vorsitzende und Finanzminister Oskar Lafontaine feiert im Napoleonskostüm in Saarbrücken-Burbach den Rosenmontag. Lafontaine war 1969/70 Mitglied des Stadtrats Saarbrücken. © dpa
2004: Lafontaine übt Kritik an der Rot-Grünen-Bundesregierung. Er setzt sich zusammen mit PDS-Politikern und Gewerkschaften gegen die von Kanzler Schröder konzipierte Sozialreform „Agenda 2010“ sowie die Arbeitsmarktreform ein. © dpa
2004: Zahlreiche SPD-Politiker fordern einen Austritt oder Ausschluss Lafontaines. © dpa
2005: Lafontaine, hinter Franz Müntefering, wechselt von der SPD zur neu gegründeten Wahlalternative Arbeit & soziale Gerichtigkeit (WASG). Die WASG ging im Juni ein Wahlbündnis mit der PDS ein, die sich in Die Linkspartei umbenannte. © dpa
2005: Lafontaines Partei bekommt 8,7% der Wählerstimmen bei der Bundestagswahl. © dpa
2005: Lafontaine (l.) teilt sich den Fraktionsvorsitz der Linkspartei mit Gregor Gysi. © dpa
2007: Seit dem 16. Juni ist Lafontaine (l.) neben Lothar Bisky Parteichef der neugebildeten Partei Die Linke. © dpa
2009: Lafontaine (l.) liefert sich ein TV-Duell zur Landtagswahl im Saarland. Als Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten scheitert er. Seit September führt er die Fraktion der Linken im Saarländischen Landtag. © dpa
Januar 2010: Oskar Lafontaine erklärt, dass er alle bundespolitischen Ämter abgeben werde. Sein Rückzug erfolgt aus gesundheitlichen Gründen. Am 1. Februar 2010 scheidet Lafontaine Bundestag aus. Für ihn rückt die Saarländerin Yvonne Ploetz nach. © dpa
Auf dem Parteitag in Rostock am 15. Mai 2010 legt er den Parteivorsitz der Linken offiziell nieder. © dpa
Lafontaine ist weiterhin Abgeordneter und Linken-Fraktionschef im saarländischen Landtag. © dpa

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