Wahlendspurt in Frankreich

Le Pen macht Stimmung gegen Massen-Einwanderung

+
"Meine erste Maßnahme als Präsidentin der Republik wird es sein, Frankreich die Grenzen zurückzugeben", sagte die Chefin der rechtspopulistischen Front National, Marine Le Pen. Foto: Kamil Zihnioglu

Die entscheidende Woche im französischen Präsidentenwahlkampf beginnt. Die Umfragen lassen ein knappes Rennen erwarten. Die Favoriten Emmanuel Macron und Marine Le Pen liefern sich ein Fernduell in der Hauptstadt.

Update vom 23. April 2017: Marine le Pen ist bei der Präsidentschaftswahl 2017 in der Stichwahl. Zum Fakten-Check: Wie schlimm wäre eine Präsidentin Marine le Pen wirklich?

Wenige Tage vor der französischen Präsidentenwahl hat die Rechtsaußen-Kandidatin Marine Le Pen mit harten Worten gegen "massive Einwanderung" Stimmung gemacht.

"Meine erste Maßnahme als Präsidentin der Republik wird es sein, Frankreich die Grenzen zurückzugeben", sagte die Chefin der rechtspopulistischen Front National (FN) am Montagabend vor tausenden Anhängern in Paris. Le Pen führt zusammen mit dem sozialliberalen Kandidaten Emmanuel Macron die Umfragen für die erste Wahlrunde am kommenden Sonntag (23.4.) an.

Le Pen bekräftigte ihre Forderung, aus dem europäischen Schengenraum für ein Reisen ohne Grenzkontrollen auszusteigen. Falls sie gewählt werde, solle es ein Einwanderungs-Moratorium geben, bis härtere Maßnahmen in Kraft seien. Details des Moratoriums ließ die 48-Jährige offen. Sie sprach sie auch für Grenzkontrollen nach den Wahlen aus. Am Rande der Kundgebung kam es zu Zusammenstößen zwischen Le-Pen-Gegnern und der Polizei.

Macron warb für ein "zuversichtliches Frankreich". Er fügte hinzu: "Von elf Kandidaten wollen uns zehn zu einer Fantasievorstellung der Vergangenheit zurückführen", sagte der Ex-Wirtschaftsminister von tausenden Anhängern. Macron vertritt im Gegensatz zu Le Pen eine pro-europäischen Kurs. "Ich entscheide mich gleichzeitig für ein starkes Frankreich und ein ehrgeiziges Europa."

Le Pen und Macron liefern sich in Umfragen für den ersten Wahlgang ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Beide kommen auf 22 Prozent der Stimmen, wie eine Befragung des Instituts Opinionway für "Les Echos" und Radio Classique ergibt. Der Konservative François Fillon liegt mit 21 Prozent ganz knapp dahinter, der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon kommt auf 18 Prozent.

Macron, der bei seiner Kundgebung immer wieder von Rufen "On va gagner" ("Wir werden gewinnen") unterbrochen wurde, warb erneut für eine "solide und ausgewogene Allianz" mit Deutschland. Zuvor hatte er allerdings die stark exportorientierte deutsche Wirtschaft attackiert. Deutschland müsse zu der Einsicht kommen, "dass seine wirtschaftliche Stärke in der jetzigen Ausprägung nicht tragbar ist", sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Laut Umfragen könnte der 39-Jährige die Rechtspopulistin Le Pen im entscheidenden zweiten Wahlgang am 7. Mai klar schlagen.

Am Rande der Le-Pen-Kundtgebung setzte die Polizei auch Tränengas ein, um mehrere Dutzend Aktivisten zurückzudrängen, wie die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf eine eigene Journalistin berichtete. Demonstranten hätten versucht, in den Park neben der Konzerthalle vorzudringen, in der Le Pen auftrat. Ein Sprecher der Polizeipräfektur sagte auf dpa-Anfrage, es habe keine Verletzten und keine Festnahmen gegeben. Den Einsatz von Tränengas bestätigte er nicht.

Während des Auftritts von Le Pen kam eine Aktivistin mit nacktem Oberkörper auf die Bühne - sie wurde sofort weggezerrt. Le Pen setzte ihre Rede fort.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Slowenische Präsidentenwahl ohne Entscheidung

Sloweniens seit fünf Jahren amtierendes Staatsoberhaupt Borut Pahor hat die Präsidentenwahl am Sonntag klar gewonnen.
Slowenische Präsidentenwahl ohne Entscheidung

Katalonien: Puidgemont droht bei Unabhängigkeitserklärung Gefängnis

Nachdem der spanische Ministerpräsident Rajoy angekündigt hatte, die Regionalregierung abzusetzen und Neuwahlen auszurufen, steht der katalanische Regierungschef …
Katalonien: Puidgemont droht bei Unabhängigkeitserklärung Gefängnis

Kampf gegen IS: Bundeswehr setzt Ausbildung der Peschmerga im Nordirak fort

Die Bundeswehr hat die Ausbildung kurdischer Peschmerga-Kämpfer im Nordirak am Sonntag nach gut einwöchiger Unterbrechung wieder aufgenommen.
Kampf gegen IS: Bundeswehr setzt Ausbildung der Peschmerga im Nordirak fort

"Gegen Hass und Rassismus im Bundestag": Demo in Berlin

Das Ziel der Veranstalter schien äußerst ehrgeizig, dann aber übertrifft die Beteiligung an ihrer Demonstration sogar ihre Erwartungen. Der Einzug der AfD in den …
"Gegen Hass und Rassismus im Bundestag": Demo in Berlin

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.