Höhere Schülerzahlen

Lehrerverband fordert "Masterplan" der Länder

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Schüler auf dem Weg zur Schule. Bundesweit gehen nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung bis 2030 viel mehr Kinder zur Schule als von der Kultusministerkonferenz prognostiziert. Foto: Peter Steffen

Die Schülerzahl wird nach einer Studie entgegen den Erwartungen bis 2030 stark steigen. Die Länder dürften sich nicht wegducken. Ein "Masterplan Lehrerbedarf" muss her - und zwar zügig, sagen Fachleute.

Berlin (dpa) - Angesichts steigender Schülerzahlen in den nächsten Jahren hat der Deutsche Lehrerverband (DL) die Bundesländer zu einem Kraftakt für die Sicherung eines flächendeckend guten Unterrichts aufgerufen.

"Wir müssen jetzt ganz schnell umsteuern: Planstellen schaffen, die Lehrerwerbung verstärken, Pädagogen nachqualifizieren", sagte der Verbandsvorsitzende Heinz-Peter Meidinger der Deutschen Presse-Agentur. "Wenn das nicht passiert, gibt es für die Länder drei Stellschrauben: größere Klassen, höhere Lehrerarbeitszeiten, weniger Unterricht. Das ist ein Szenario, vor dem ich nur sehr warnen kann."

Meidinger, derzeit in Personalunion Chef der Gymnasiallehrergewerkschaft Deutscher Philologenverband und der Dachorganisation DL, verwies auf ein Negativbeispiel aus früheren Zeiten: "Den "Schülerberg" wie in den 80er Jahren einfach zu untertunneln - das funktioniert nicht, das ging damals schon schief." Die Länder dürften der Realität nicht ausweichen. "Wir brauchen jetzt konkrete Reaktionen." Meidinger empfahl den Bildungsministern "ein Gesamtpaket, etwa um den Lehreraustausch anzukurbeln. Und für einen Masterplan Lehrerbedarf wäre es jetzt höchste Eisenbahn."

Bundesweit gehen nach einer Mitte Juli vorgestellten Studie der Bertelsmann-Stiftung bis 2030 viel mehr Kinder zur Schule als von der Kultusministerkonferenz (KMK) prognostiziert. Die Schülerzahl steigt demnach von knapp 8 Millionen (2015) um acht Prozent auf fast 8,6 Millionen in 13 Jahren. Der Studie zufolge werden 2030 etwa 28 100 zusätzliche Klassen und 42 800 zusätzliche Vollzeitlehrkräfte benötigt. Auf Länder und Kommunen kämen pro Jahr 4,7 Milliarden Euro höhere Bildungskosten zu.

"Über 40 000 zusätzliche Lehrer, fast fünf Milliarden Euro Mehrkosten pro Jahr - das ist natürlich eine Hausnummer, erst recht unter dem Druck der Schuldenbremse ab 2020", sagte Meidinger. Er kritisierte, dass die KMK mit aktuelleren Prognosen angesichts von Flüchtlingsandrang und Geburten-Plus in Deutschland nicht früher an die Öffentlichkeit gegangen sei.

Der Verbandsvorsitzende - selbst Gymnasialdirektor - räumte ein: "Lehrerbedarfsprognosen sind ein sehr komplexes Gebiet. Etwa bei Flüchtlingszuwachs oder Geburtenentwicklung - da ist es eine Kunst für sich, die richtigen Vorhersagen zu treffen beziehungsweise Konsequenzen zu ziehen." Auch hätten manche Länder bereits sinnvoll reagiert, um einem unterschiedlich ausgeprägten Lehrermangel entgegenzutreten: "Einiges passiert bilateral. Beispielsweise zwischen Bayern und Sachsen: Bayerische Lehrer helfen in Sachsen aus, teilweise mit einem Rückkehrrecht. Aber viele Lehrer sind halt auch extrem sesshaft und damit immobil."

Die in manchen Ländern verstärkte Einstellung von nicht pädagogisch ausgebildeten "Quereinsteigern" sieht der Verbandschef skeptisch: "Natürlich ist ganz grundsätzlich eine schlecht gehaltene Unterrichtsstunde immer besser als gar keine Unterrichtsstunde. Aber insgesamt schlägt sich eine zu hohe Quote von Quereinsteigern an den Schulen in Qualitätsproblemen und schwächeren Schülerleistungen nieder - das lässt sich auch an den PISA-Ergebnissen ablesen."

Die neue NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) will Personalengpässe an Schulen in Nordrhein-Westfalen dennoch mit Fachkräften aus der Wirtschaft überbrücken. Unternehmer sollten zeitweise Mitarbeiter für einzelne Unterrichtsstunden zur Verfügung stellen, sagte sie der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Der Personalnotstand in den MINT-Fächern (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) sei so groß, dass man alle Ideen in Betracht ziehen müsse.

Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt forderte mehr Geld vom Bund. Bereiche wie die Digitalisierung oder der Ausbau der Ganztagsschulen ließen sich nicht ohne stärkere Kostenbeteiligung des Bundes stemmen, sagte die SPD-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. "Länder und Kommunen sollten daher auch im Bildungsbereich deutlich besser unterstützt werden."

Pressemitteilungen Bertelsmann-Stiftung

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