Bundespräsidentenamt

Linke schicken Hartz-IV-Kritiker ins Rennen gegen Steinmeier

+
Der Politikwissenschaftler und Armutsforscher Christoph Butterwegge war aus Protest gegen die Agenda 2010 aus der SPD ausgetreten. Er ist ein Gegner der Hartz-IV-Gesetze. Foto: Jörg Carstensen/Archiv

Aus Protest gegen die Agenda 2010 ist Christoph Butterwegge aus der SPD ausgetreten - nun tritt er gegen den Agenda-Architekten Steinmeier als Kandidat für das Bundespräsidentenamt an.

Berlin (dpa) - Mit dem Armutsforscher Christoph Butterwegge schicken die Linken einen Hartz-IV-Kritiker ins Rennen um das Bundespräsidentenamt.

Der Kölner Politikwissenschaftler erhielt ein einstimmiges Votum in Fraktion und geschäftsführendem Parteivorstand, wie Fraktionschef Dietmar Bartsch mitteilte. Der 65-Jährige tritt somit gegen den Außenminister und Koalitionskandidaten Frank-Walter Steinmeier (SPD) an, der als Kanzleramtschef maßgeblich an der Einführung von Hartz IV beteiligt war. 

Der Nachfolger von Präsident Joachim Gauck wird am 12. Februar in der Bundesversammlung gewählt. Butterwegge gilt als chancenlos. 

Er vertrete eine andere sozialpolitische Linie als Steinmeier, sagte Butterwegge. "Die Hartz-Gesetze haben unser Land nicht gerechter gemacht." Aus der SPD war der parteilose Kandidat aus Protest gegen die Agenda 2010 ausgetreten. 

Ihm komme es darauf an, auf die soziale Spaltung zwischen Arm und Reich hinzuweisen, aus der politische Zerrissenheit resultiere, sagte der Wissenschaftler und Buchautor. Ihr wolle er eine "Agenda der Solidarität" entgegensetzen. 

Co-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht sagte, ohne Alternative wäre die Bundespräsidentenwahl in der Bundesversammlung einer Farce. "Wir haben da jetzt ein bisschen frische Luft reingebracht."

Parteichefin Katja Kipping sagte, der Schritt richte sich gegen das "neoliberale Weiter-So". Co-Parteichef Bernd Riexinger sagte, die soziale Spaltung im Land sei auch "Nährboden für die Rechten und Rechtspopulisten".

Butterwegge kündigte an, in den kommenden Monaten auch auf die problematische Reichtumskonzentration im Land hinweisen zu wollen. Sein Engagement mit Auftritten wird sich nach seinen Angaben aber in Grenzen halten. "Ich werde aufgrund der Tatsache, dass ich einen einjährigen Sohn habe und eine achtjährige Tochter, schon aufgrund meiner familiären Situation, nicht die ganze Bundesrepublik bereisen können."

Außenpolitisch sprach sich Butterwegge für ein kollektives Sicherheitssystem aus, in dessen Rahmen es möglich sein solle, die Nato aufzulösen. "Die Nato ist für mich ein Relikt des Kalten Krieges." 

Schon 2012 wollte die Linkspartei Butterwegge als Kandidaten gewinnen. Damals war der Wissenschaftler aber kurzfristig abgesprungen, weil die Partei noch zwei weitere Namen nannte. Die Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld war schließlich damals für die Linken gegen Joachim Gauck angetreten. 2010 hatte die Linke die Fernsehjournalistin Luc Jochimsen und 2009 den als "Tatort"-Kommissar bekannten Schauspieler Peter Sodann ins Rennen um das Bundespräsidentenamt geschickt. 

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Trump lädt Putin schon im Herbst nach Washington ein

Noch immer sorgt das Treffen zwischen Donald Trump und Wladimir Putin beim Gipfel in Helsinki für Schlagzeilen. Wir berichten weiter über die Nachwehen des Gipfels im …
Trump lädt Putin schon im Herbst nach Washington ein

Hendrik Meier ist der erste Nachtbürgermeister Deutschlands

In Mannheim wurde der erste Nachtbürgermeister Deutschlands gewählt. Dieser soll vor allem bei Konflikten im Nachtleben vermitteln.
Hendrik Meier ist der erste Nachtbürgermeister Deutschlands

Fall Skripal: Russischer Diplomat verlangt britische Beweise

Einem Pressebericht zufolge haben die Ermittler im Fall des mit Nowitschok vergifteten Ex-Spions russische Verdächtige identifiziert. Eine Bestätigung dafür gibt es …
Fall Skripal: Russischer Diplomat verlangt britische Beweise

Trumps irre Show nach dem Treffen mit Putin

Seit Tagen irritiert Donald Trump mit Klarstellungen und Dementis zum Treffen mit Kremlchef Putin. Sein Fazit: Es war einfach großartig - So großartig, dass der …
Trumps irre Show nach dem Treffen mit Putin

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.