Treffen von 50 Staats- und Regierungschefs

Macron erwartet Sinneswandel von Trump beim Pariser Klimavertrag

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Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (rechts) und sein US-Amtskollege Donald Trump.

"Make Our Planet Great Again" - so will Frankreichs Präsident Emmanuel Macron US-Präsident Donald Trump Paroli bieten. Macron erwartet einen Snineswandel von Trump beim Pariser Klimavertrag.

Paris - Trump hatte im vergangenen Sommer den Ausstieg aus dem Klimavertrag angekündigt - Macron lehnt Neuverhandlungen kategorisch ab. "Make Our Planet Great Again" - unter diesem Motto will Frankreichs Präsident Emmanuel Macron US-Präsident Donald Trump stattdessen Paroli bieten. Am Rande des Pariser Klimagipfels am Dienstag bedachte Macron die ersten 18 Klimaforscher mit Forschungsstipendien, darunter 13 aus den USA. Die Initiative mit deutscher Beteiligung ist eine Antwort auf den Ausstieg der USA aus dem vor zwei Jahren vereinbarten Pariser Klimaschutzabkommen und auf Trumps Slogan "Make America Great Again".

Macron ist bereit, den Präsidenten wieder willkommen zu heißen

Macron wies darauf hin, dass es bei Neuverhandlungen mehr als 190 beteiligte Länder gäbe. „Es tut mir leid, ich bin nicht bereit, mit so vielen Leuten am Tisch neu zu verhandeln. Wenn du einen Vertrag unterzeichnet hast, musst du ihn respektieren“, sagte Macron.

Die USA seien ein großartiges Land, so der Präsident. „Sie haben den Pariser Vertrag unterzeichnet. Es ist extrem aggressiv, allein zu entscheiden, einfach auszusteigen, und es geht nicht an, die anderen zu Neuverhandlungen zu drängen, weil einer beschlossen hat, den Saal zu verlassen. Es tut mir leid, das zu sagen. So geht es nicht.“

Es handle sich um eine große geschichtliche Verantwortung, sagte Macron, „und ich bin ziemlich sicher, dass mein Freund Präsident Trump seine Meinung in den kommenden Monaten oder Jahren ändern wird. Ich hoffe es.“ Auf die Nachfrage des Interviewers, ob er tatsächlich an einen Sinneswandel Trumps glaube, antwortete Macron: „Ja. Ich bin nicht bereit, neu zu verhandeln. Aber ich bin bereit, ihn (Trump) willkommen zu heißen, wenn er sich entschließt zurückzukommen.“

Klimagipfel in Paris - Ohne Trump

Trump hatte mit seiner Ausstiegsankündigung weltweit scharfe Kritik geerntet. Zum zweiten Geburtstag des Vertrags hat Macron für Dienstag zu einem eintägigen Gipfel auf einer Seine-Insel vor den Toren von Paris eingeladen. Zu dem „One Planet Summit“, bei dem es vorrangig um mehr Investitionen in den Klimaschutz und grüne Technologien gehen soll, haben sich gut 50 Staats-und Regierungschefs angesagt.

Trump ist nicht dabei. Dem Vernehmen nach werden die USA lediglich Vertreter ihrer Pariser Botschaft entsenden.

Forschungsstipendien für Klimaforscher: Wer erhält die Stipendien? 

Zunächst erhalten in Frankreich 18 Forscher Stipendien, wie Macron am Montagabend mitteilte. Von ihnen kommen 13 aus den USA, fünf weitere aus Kanada, Italien, Spanien, Indien und Polen. Unter den Stipendiaten ist etwa die Italienerin Alessandra Giannini, die derzeit an der Columbia-Universität in New York arbeitet. Sie will die Auswirkung des Klimawandels auf die Regensaison in Westafrika erforschen. Das Programm "Make Our Planet Great Again" sei für sie eine "unerwartete Gelegenheit", sagte sie AFP. Insgesamt hatten sich laut dem französischen Wissenschaftszentrum CNRS 255 promovierte Wissenschaftler beworben. 

Wie viel Geld steht zur Verfügung? 

Die französische Regierung hat 30 Millionen Euro für das Programm zugesagt, mit dem insgesamt bis zu 50 Stipendiaten in Frankreich und Deutschland forschen sollen. In den Hochschulen des Landes regt sich allerdings Protest. Denn die Universitäten sollen nach Angaben der französischen Forscher-Gewerkschaft SNCS-FSU weitere 30 Millionen Euro aus Eigenmitteln zuschießen. Die Gelder seien jedoch nicht vorhanden, sagte Gewerkschaftssprecher Patrick Monfort dem Sender Franceinfo. 

Was ist der deutsche Beitrag zu Macrons Projekt? 

Die Bundesregierung hat Stipendien in den Bereichen Klima-, Energie- und Erdsystemforschung ausgeschrieben. Die endgültige Entscheidung über die Stipendiaten soll bis Ende Februar fallen. Deutschland finanziert das Programm nach Angaben des Forschungsministeriums mit 15 Millionen Euro. Wo kommen die Stipendiaten zum Einsatz? Sie sollen an renommierten Einrichtungen wie dem Max-Planck-Institut oder dem Alfred-Wegener-Institut forschen. Das jeweilige Institut stellt den Arbeitsplatz und die Arbeitsmittel, das Stipendium von jeweils einer Million bis 1,5 Millionen Euro für vier Jahre dient als Gehalt des Forschers. 

Wie groß ist das Interesse in Deutschland? 

In der ersten Ausschreibungsrunde gingen 217 gültige Bewerbungen aus rund 70 verschiedenen Ländern ein - die meisten von Forschern aus den USA. 62 Bewerber aus 23 Ländern wurden für die zweite Bewerbungsrunde ausgewählt, wie der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) am Dienstag in Bonn mitteilte. Die Bandbreite ihrer Themenvorschläge reiche von neuen Verfahren zur Energiespeicherung bis zu den Folgen der Erderwärmung für die Landwirtschaft.

Lesen Sie aus unserem Archiv: US-Klima-Exit: So reagieren die Stars auf Trumps Alleingang.

dpa/AFP

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