Erinnerung an Tote des Ersten Weltkriegs

Macron und Steinmeier werben für Europa-Reformen

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Bundespräsident Steinmeier in Frankreich

Steinmeier und Macron haben das erste deutsch-französische Museum zum Gedenken an die Toten des Ersten Weltkriegs eingeweiht. Beide blicken auch in die Zukunft.

Hartmannsweilerkopf - Der baumgekrönte Berg im Elsass ist mit 956 Metern kein Riese, doch seine symbolische Bedeutung ist enorm. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und sein französischer Amtskollege Emmanuel Macron haben die Freundschaft ihrer Länder beschworen und gemeinsam für Reformen in Europa geworben. „Nur wenn Frankreich und Deutschland zusammenstehen, kann Europa wirklich gelingen“, sagte Steinmeier am Freitag auf dem Hartmannsweilerkopf im Elsass. Die beiden Staatschefs weihten dort bei eisigem Winterwetter das erste deutsch-französische Museum zum Gedenken an die Toten des Ersten Weltkriegs ein. Es soll die Versöhnung der beiden EU-Kernländer symbolisieren.

Macron forderte eine Neugründung Europas, die Antworten geben müsse auf die drängenden Fragen der Bürger. Der 39-Jährige hatte bereits weitgehende Reformvorschläge gemacht. „Die deutsch-französische Eintracht ist das eindrücklichste Beispiel, was unser Wille zum Frieden verwirklichen kann.“

Der über ein Jahr lang umkämpfte Hartmannsweilerkopf in den Vogesen ist wegen der 30.000 Toten als „Menschenfresser“ bekannt geworden. „Das massenhafte Sterben an diesem Ort steht für den Irrsinn des Krieges“, sagte Steinmeier.

Bundespräsident Steinmeier und Frankreichs Präsident Macron besuchen nach einem Treffen in Paris gemeinsam die Gedenkstätte Hartmannsweilerkopf im Elsass, die an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten erinnert.

Die beiden Staatschefs besuchten frühere Schützengräben und debattierten mit Schülern. „Nicht dieser Berg ist ein Menschenfresser - der Nationalismus ist ein Menschenfresser“, so Steinmeier. Auf Französisch heißt der Berg Vieil Armand oder Hartmannswillerkopf. Der Erste Weltkrieg dauerte von 1914 bis 1918.

Steinmeier verurteilte deutlich übertriebenen Patriotismus und Nationalismus. Jede Generation müsse für sich aufs Neue erlernen, „die Idee der Nation von der Ideologie des Nationalismus“ zu unterscheiden. Mit Blick auf neue rechtspopulistische Parteien wie die AfD sagte Steinmeier, die eine Heimat dürfe nicht gegen die andere ausgespielt, die eigene Nation nicht über die andere gestellt werden. Die Erinnerung an die blutige Vergangenheit sei Verpflichtung für eine gemeinsame Zukunft.

Steinmeier unterstützte bei seinem eintägigen Frankreich-Besuch, der in Paris begann, demonstrativ den europapolitischen Elan Macrons. Mit Blick auf Macrons Reformvorschläge für die EU fügte er hinzu: „Und ich bin mir sicher, dass dieser Schwung, der von der Sorbonne-Rede ausging, auch von einer neuen Bundesregierung aufgenommen werden wird.“

In dieser Rede hatte der französische Staatschef ehrgeizige Pläne zur Weiterentwicklung der EU vorgelegt. Manche Forderungen wie ein Haushalt für die Eurozone sind in Deutschland jedoch umstritten.

Macron sagte, er glaube, „dass wir beide das Gefühl teilen, dass diese Neugründung notwendig und dringend ist, und dass das kommende Jahr in dieser Hinsicht entscheidend ist“.

Macron plädierte für eine „gemeinsame Lektüre“ der deutsch-französischen Geschichte. „Was wir heute tun, (...) ist, eine gemeinsame Geschichte zu bauen, weil sie der Sockel einer gemeinsamen Zukunft ist.“

Steinmeier sagte, es sei wichtig, daran zu erinnern, „wo wir eigentlich herkommen“ - gerade in einer Zeit, „in der wir noch ringen um Wege aus der europäischen Krise“. „Frankreich und Deutschland sind sich beide ihrer Verantwortung für die Zukunft Europas bewusst“, versicherte er. Die Annäherung Deutschlands und Frankreichs nach dem Zweiten Weltkrieg gilt als Grundpfeiler der Europäischen Union.

dpa

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