„Madman-Theorie“

Brisanter Verdacht: Spielt Trump den „Verrückten“ nur?

New York - Lob für die Philippinen, Streit mit China. Donald Trump wirkt in der Außenpolitik recht ahnungslos. Doch Experten sagen: Er könnte eine alte Taktik hervorgeholt haben.

Erst dreht sich seine Meinung zu Pakistan um 180 Grad, dann lobt er den philippinischen Drogenkrieg und fängt schließlich über Twitter einen Streit mit China an. Für viele Beobachter hat die vergangene Woche wieder eines bewiesen: Donald Trump ist völlig ohne Plan und irre in seinem baldigen Amt als US-Präsident. Aber ist das alles nur eine geschickte Strategie? Ein Rückblick.

Zunächst telefonierte Trump in der vergangenen Woche mit dem pakistanischen Ministerpräsidenten und nannte ihn einen „tollen Kerl“. Das geht aus einer Mitschrift des Gesprächs hervor, den die pakistanische Regierung veröffentlicht hat. Trump habe zudem gesagt, dass er gerne diesen „fantastischen Ort mit fantastischen Menschen“ besuchen wolle. Im Wahlkampf klang das noch ganz anders. „Pakistan ist nicht unser Freund“, schrieb Trump 2012 auf Twitter. Die USA würden dem Land Milliarden über Milliarden zahlen und dafür nur Betrug und Respektlosigkeit bekommen.

Lob für den philippinischen Drogenkrieg

Einen Tag später ein ähnliches Spiel mit dem philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte. Dessen Büro teilte mit, Trump hätte Duterte am Telefon zu einer Fortsetzung von dessen umstrittenem Drogenkampf ermuntert. Duterte hatte dazu aufgerufen, Drogendealer in seinem Land ohne Gerichtsprozess umzubringen. Seit seinem Amtsantritt Ende Juni sollen nach Polizeiangaben schon mehr als 3000 Menschen getötet worden sein. US-Präsident Obama hatte das kritisiert, woraufhin Duterte ihn „Hurensohn“ nannte. Trump aber soll gesagt haben, dass Dutertes Vorgehen der „richtige Weg“ sei.

Und dann der Höhepunkt: der Streit mit China. Der Grund: ein Telefongespräch von Donald Trump mit Taiwans Staatschefin Tsai Ing-wen, die ihm zur Präsidentschaft gratuliert haben soll.

Trump reizt China mit Telefonat

Offiziell unterhalten die USA aber seit 1979 keine diplomatischen Beziehungen mehr zu Taiwan, Telefonate zwischen den Staatschefs eingeschlossen. Damals definierten die USA ihre diplomatischen Beziehungen zu China neu. Durch diese „Ein-China-Politik“ wird nur Festlandchina offiziell anerkannt. Zu Taiwan unterhalten die USA allerdings weiterhin freundschaftliche Beziehungen. China sieht Taiwan aber als abtrünnige Provinz an.

Für viele Beobachter war Trumps Telefonat daher ein diplomatischer Fehler, der China unnötig reizt. Chinesische Medien warfen Trump etwa "Provokation und Falschheit" vor. Spannungen zu China würden zudem nicht dazu beitragen, „Amerika wieder groß zu machen“, spielte die chinesische „Volkszeitung“ auf Trumps Wahlkampfmotto an. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums sagte: „Die Welt kennt Chinas Taiwan-Politik. Auch Trump kennt sie.“ Doch es könnte für Trumps Verhalten eine andere Erklärung geben.

Denn Trump tat auf Twitter nicht viel dafür, diesen Fehler wieder auszubügeln. Mit weiteren Tweets schoss er gegen die chinesische Regierung. Diese habe ihre Währung abgewertet und damit amerikanischen Unternehmen geschadet. Zudem würde China Einfuhrzölle auf amerikanische Produkte erheben, die USA im Gegenzug aber nicht (was übrigens nicht stimmt – auch die USA verlangen zwischen 2,5 und 2,9 Prozent, schreibt PolitiFact).

Spielt Trump nur den „Verrückten“?

Für manche Experten ähnelt Trumps Strategie der vom ehemaligen US-Präsidenten Richard Nixon im Vietnamkrieg in den späten 1960er Jahren. Die sogenannte  „Madman-Theorie“. Nixon wollte dem Ostblock vorspielen, er sei völlig unzurechnungsfähig und jederzeit bereit, Atomwaffen einzusetzen. Davon erhoffte sich Nixon einen schnellen Frieden im Vietnamkrieg – solch eine Taktik ging aber bislang nie auf. 

 „Donald Trump ist in einer viel besseren Position, die Madman-Theorie einzusetzen, als es Nixon war“, sagt Nicholas Eberstadt vom konservativen Think Tank American Enterprise Institute bei Bloomberg.

Dazu passt auch ein Bericht der Washington Post, wonach das Telefonat zwischen Trump und der taiwanesischen Präsidentin schon lange ausgemacht war. Trump wolle sich dadurch als starker Präsident gegen China positionieren und einen Bruch mit der Politik seiner Vorgänger machen, mutmaßt die Zeitung. Für china-kritische Amerikaner gilt Taiwan als verwundbarster US-Verbündeter der Welt. Trumps Telefonat und der Rummel darum könnte deswegen auf einen Wandel der US-Politik gegen China hindeuten.

Benedict Witzenberger

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