Auch Air-Berlin-Stewardess sorgt für Diskussionen

„Maischberger“-Aufreger: Millionär nutzt Steuertricks - zum Wohle aller?

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Unternehmer Josef Rick (re.) erläuterte seine ganz eigene Sicht auf legale Steuertricks - zum Unverständnis seine Kollegen Rainer Zitelmann

„Paradise Papers“ und Co. haben es bewiesen: Bei der Steuer wird kräftig getrickst - oft von denen, die ohnehin schon reich sind. Der „Maischberger“-Talk zum Thema offenbarte einige Seltsamkeiten.

Berlin - Dem aufmerksamen Beobachter war es schon beim ersten Aufruhr rund um die „Paradise Papers“ aufgefallen: Dass offenbar so viel Geld von schwerreichen Menschen auf die Seite geschafft wurde, fühlte sich für viele nicht richtig an - illegal scheint es aber nicht zu sein.

Wenn aber Gerechtigkeitsempfinden und Legalität weit auseinanderklaffen gibt es meist ein politisches Problem. Ob die deutschen Steuergesetze noch taugen, um diese Frage kümmerte sich Sandra Maischbergers TV-Talk am Mittwochabend. Und stieß prompt auf ein paar bemerkenswerte Paradoxien. Auch auf einen FDP-Politiker, der striktere Steuer-Gesetze forderte.

Millionär empört das Publikum: „Weil diese Dinge legal sind, kann man sie machen“

Den eigentlichen Aufreger lieferte aber der Unternehmer, Millionär und Autor Josef Rick. Er bekannte vor laufender Kamera und in drastischen Worten, mit Steuertricks den Staat um Riesensummen zu „prellen“. Beispielsweise um 570.000 Euro bei einem einzigen Bauprojekt.

Rick versuchte sein Verhalten auch zu erklären. „Diese Dinge müssen provokativ angesprochen und politisch geändert werden“, sagte er: „Weil diese Dinge legal möglich sind, kann man sie machen. Aber sie gehören in die Diskussion.“

Nicht direkt eine Steilvorlage für seinen Unternehmer-Kollegen Rainer Zitelmann, der meinte, die jüngsten Enthüllungen schürten zu Unrecht Zorn auf die Reichen: „Die meisten Reichen, die ich kenne, bezahlen ordentlich ihre Steuern“, hatte er behauptet.

„Demokratiegefährdende“ Missstände?

Nicht abschließend geklärt wurde die Frage, wie die Missstände zu beheben seien. „Das Geld, das die Reichen dem Staat vorenthalten, fehlt am Ende für eine Schulsanierung“, konstatierte Linke-Vizechefin Janine Wissler: „Wenn die Ungleichheit zu groß ist, wird es irgendwann demokratiegefährdend!“ 

Die Politik sei „hilflos“ klagte Journalist Christoph Lütgert. Er wünsche sich Umverteilung - und politischen Druck auf Unternehmssteuer-Oasen wie die Niederlande, statt Griechenland-Bashing. „Da ist möglicherweise auch Kumpanei im Spiel“, so Lütgert mit Blick auf Ex-Finanzminister Wolfgang Schäuble und seinen niederländischen Kollegen Dijsselbloem.

Vage Lösungsvorschläge äußerten beide Politiker in der Runde, Wissler und FDP-Mann Otto Fricke. Wissler forderte einen europäischen Mindeststeuersatz - der aber wohl schwer in der EU durchzusetzen sein wird. Fricke erklärte: „Wir müssen dafür sorgen, dass wir eine klare, einfache Besteuerung haben, die aber dann auch nicht mit Ausnahmeregeln zu umgehen ist.“ Deutschland könne das Problem aber nicht alleine lösen, relativierte aber auch er seinen etwas überraschenden Standpunkt. Bleibt: Ratlosigkeit.

Stewardess ohne Einkommen - Manager nimmt Millionen mit

Und dann war da auch noch ein anderer augenscheinlich legaler Winkelzug, der die Gemüter erregte: Zu Gast bei Maischberger war auch die frühere Air-Berlin-Stewardess Anja Barbian. Sie steht nach der Pleite des Flugunternehmens ohne Einkommen da - und fühlt sich betrogen. Denn während sie nach dem letzten Langstreckenflug „nicht mal ein Brötchen“ bekam, erhielt Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann sein volles Gehalt von 4,5 Millionen Euro, trotz der von ihm mitverantworteten Pleite.

Nicht nur Lütgert empört das. „Es ist ein krasses Missverhältnis. Die Manager erhalten so hohe Gehälter wegen der besonderen Verantwortung, die sie tragen – und tragen diese dann eben nicht und lassen die Arbeitnehmer im Stich“, sagte er. Eines mussten die Diskutanten aber erneut konstatieren: Illegal ist auch der ärgerliche Air-Berlin-Fall nicht.

Welche Steuer-Pläne hat eine mögliche Jamaika-Koalition? Alle Infos zu den laufenden Sondierungs-Gesprächen finden Sie in unserem News-Ticker.

fn

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