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„Pulverfass“ Mali: Russische Soldaten nahe deutschem Lager gelandet

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Von: Patrick Mayer

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Auf UN-Mission in Mali: Soldatinnen und Soldaten der deutschen Bundeswehr in Gao.
Auf UN-Mission in Mali: Soldatinnen und Soldaten der deutschen Bundeswehr in Gao. © IMAGO / photothek

Nach dem Abzug der französischen Streitkräfte landen mutmaßlich russische Soldaten nahe dem Bundeswehr-Lager in Gao. Die Situation in dem westafrikanischen Land gilt als sehr angespannt.

München/Gao - Sie gilt als der gefährlichste Einsatz der deutschen Bundeswehr im Ausland: die UN-Mission „Minusma“ in Mali. Rund 1000 Soldatinnen und Soldaten sind im Camp Castor bei Gao stationiert. Zuletzt zogen sich die französischen Streitkräfte, die den Südosten des Staates mit seinen rund 19,5 Millionen Einwohnern ab Sommer 2012 für den Kampf gegen radikale Islamisten besetzt hatten, vollständig zurück. Seither leiten deutsche und britische Truppen den UN-Einsatz.

Bundeswehr in Mali: Offenbar russische Einheiten nahe deutschem Lager bei Gao gelandet

Die Situation ist sehr angespannt, das Land gilt als „Pulverfass“: Präsident Assimi Goïta, ein Militäroffizier, kam im Mai 2021 durch einen Militärputsch ins Amt. Für Februar 2022 geplante Wahlen wurden indes um fünf Jahre verschoben. Im Norden herrscht Terror, staatliche Strukturen sind hier weitgehend ausgehebelt. Wegen Sicherheitsbedenken gab die Bundeswehr Anfang August 2022 bekannt, ihren Einsatz im Rahmen der UN-Mission „Minusma“ vorerst auszusetzen.

Die Soldatinnen und Soldaten vor Ort sind mit den Transportpanzern „Fuchs“ und Spähwagen „Fennek“ ausgestattet, die jeweils nur über eine leichte Bewaffnung verfügen. Zudem ist die luftgestützte Rettungskette per Helikopter nach dem französischen Abzug stark eingeschränkt. Anfang Juli 2022 hatte die deutsche Luftwaffe eigens mehrere mittelschwere Transporthubschrauber CH-53 in das westafrikanische Land verlegt. Zuletzt eskalierte aber der Streit zwischen der Ampel-Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP sowie der Militärregierung in der malischen Hauptstadt Bamako, weil diese einen Flug zur Verstärkung des deutschen Kontingents verweigert hatte. Eine Einheit der Gebirgsjäger sollte für den Schutz des Flughafens Gao nach Mali verlegt werden.

Gemeinsames Hissen der Flaggen Malis und Russlands
Gemeinsames Flaggenhissen: Die militärischen Verbindungen von Mali und Russland sind eng. (Archivfoto) © Nicolas Remene/Le Pictorium/Imago

Im Video: Bundeswehr setzt Mali-Einsatz bis auf Weiteres aus

Auf eben jenem Flughafen kamen nun offenbar russische Truppen an. So beobachteten deutsche und britische Soldaten der UN-Mission nur einen Tag nach dem französischen Abzug die Ankunft mutmaßlich russischer Einsatzkräfte. Es soll sich um 20 bis 30 Personen in militärischen Uniformen handeln, die nicht den malischen Streitkräften zuzuordnen waren, hieß es von der deutschen Bundeswehr. Sie hätten Ausrüstung aus einer Transportmaschine entladen und seien dabei von je einem Erdkampfflugzeug EMB 314 Super Tucano und einer L39 Albatros abgesichert worden.

Das schrieb das Einsatzführungskommando am Dienstag (16. August) an den Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages. Das Schreiben lag dem Nachrichtenmagazin Spiegel und der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vor. Will Russland seinen Einfluss in dem westafrikanischen Land geltend machen? Mehr noch: Übernehmen russische Einheiten den Flughafen in Gao, der eigentlich von deutschen Soldaten gesichert werden sollte?

Ein Transportpanzer „Fuchs“ (li.) und ein Spähfahrzeug „Fennek“ stehen im Camp Castor der Bundeswehr bei Gao. (Archivfoto)
Ein Transportpanzer „Fuchs“ (li.) und ein Spähfahrzeug „Fennek“ stehen im Camp Castor der Bundeswehr bei Gao. (Archivfoto) © IMAGO / Markus Heine

Der Kreml wähnt wohl eine günstige Ausgangslage: Mali hatte sich im Frühjahr wie 16 andere afrikanische Länder bei der UN-Resolution zum Ukraine-Krieg enthalten. Seit Jahren ist bekannt, dass Moskau-Machthaber Wladimir Putin intensiv um Verbündete in Afrika wirbt. Zum Beispiel um die Zentralafrikanische Republik und um Eritrea, das in der UN-Vollversammlung sogar gegen die Ukraine-Resolution gestimmt hatte. Ist jetzt Mali dran?

Bundeswehr in Mali: Will Russland seinen Einfluss in dem westafrikanischen Land ausweiten?

Das Land sei „für die russische Rüstungsindustrie ein immer größerer Markt. Russland wird als vermeintlich verlässliche Alternative im Kampf gegen den Terrorismus wahrgenommen, im Gegensatz zum unbeliebten Ex-Kolonialherren Frankreich“, erklärte der Regionaldirektor des „Sahel-Programm“ der Adenauer-Stiftung in Mali, Ulf Laessing, kürzlich dem ZDF. Und: Laut des „Stockholm International Peace Research Institute“ stammten 2020 fast die Hälfte der Rüstungsimporte Afrikas aus Russland. Jetzt sehen sich deutsche Bundeswehr-Soldaten in Gao offenbar mit regulären russischen Einheiten konfrontiert, nachdem zuvor die berüchtigte „Wagner-Truppe“ für Unruhe in Mali gesorgt hatte. (pm)

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