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Markus Lanz: Profisegler erzählt dramatische Situationen von US-Reise mit Greta Thunberg

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Der Profisegler Boris Herrmann spricht über die Zeit auf hoher See mit Greta Thunberg.

Der Segelsportler Boris Herrmann brachte Greta Thunberg nach New York zur UN-Klimakonferenz. Jetzt spricht er bei Markus Lanz über seine überraschendsten Erkenntnisse.

Mainz - Zwei Wochen segelte Greta Thunberg zur UN-Klimakonferenz nach New York, die viel debattierte Fahrt startete im britischen Plymouth. Auf 700 Kilometer in rauen Gewässern musste die 16-Jährige dabei mit der neuen Umgebung zurechtkommen, auf engstem Raum mit vier Männern. Einer von ihnen war der Hamburger Boris Herrmann - der bei Markus Lanz in der Sendung vom 5. September nun über diese abenteuerliche Fahrt nach Übersee berichtet. Wie war es mit Greta Thunberg zwei Wochen lang auf engstem Raum zu leben?

Die junge Klimaaktivistin hatte ein erklärtes Ziel: Sie wollte klimaneutral in die USA reisen. Kein so leichtes Unterfangen, wie sich schnell herausstellen sollte. Denn wer die Weltmeere komfortabel überqueren möchte, verpestet auch weiterhin die Umwelt mit schädlichem CO2. Fieberhaft suchte das Team der schwedischen Aktivistin nach einer Lösung - bis Herrmann sich aus Hamburg selbst meldete. Schnell war klar, dass sein Segelboot mit Solarmodulen perfekt zu Gretas gesetztem Ziel passt. Erst Mitte der Woche kam der Hamburger zurück von der Reise - und zieht bei Lanz ein interessantes Fazit: „Es war ein Abenteuer.“ 

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Markus Lanz (ZDF): Keine leichte Segelreise für Greta Thunberg

Eine leichte Reise war es für die Besatzung nicht, resümiert Herrmann. Tiefdruckgebiete, starker Gegenwind und ein Boot, das auf Geschwindigkeit ausgelegt ist, machen die Reise sicherlich nicht zu einer Luxus-Kreuzfahrt. „Wir sind zweimal über 30 Knoten gesegelt - das sind über 60km/h“, erzählt der Profi-Segler und beschreibt die holprigen Bedingungen: „Nicht auf einer glatten Asphaltstraße, sondern auf einer Buckelpiste mit drei Meter tiefen Schlaglöchern, wo das Schiff natürlich reinkracht und wieder rausspringt.“ Doch Greta ging es trotz dieser widrigen Bedingungen erstaunlich gut. 

Das ganze Team und allen voran Gretas Vater habe drei Kreuze gemacht, als klar wurde, dass die 16-Jährige die Fahrt mehr als gut wegstecken konnte. Auch Herrmann selbst litt unter Seekrankheit - doch Greta schien immun gegen die Nebenwirkungen der rauen Fahrt. „Das war die große Unbekannte dieser Reise: Wird Greta mit diesen Bedingungen klarkommen? Das war das Wunder, sie hat es wunderbar geschafft“, resümiert der Segler. Und zum Schluss, als sie sich an die Bedingungen gewöhnt hatte, sagte Greta gar „Schneller, schneller“.

Bei Markus Lanz (ZDF): Profi-Segler spricht über Reise mit Greta Thunberg

Das Lächeln haben auch die „rauen Bedingungen“ nicht aus Greta herausbekommen - und zwischendurch habe Greta die Reise sogar regelrecht genossen. In den zwei Wochen auf solch engem Raum (beim Schiff wird des Gewichts wegen sogar an weißer Farbe gespart), kommt man sich natürlich näher. Doch das eher ernste Bild, welches Greta in der Öffentlichkeit oft vermittelt, kann Herrmann im persönlichen Umgang nicht bestätigen: „Wir hatten sehr viel Spaß auch auf dieser Reise. Sie hat auch Witze gemacht und einen ganz tollen Humor.“ 

Herrmann bezeichnet Greta als „intelligente, bescheidene und sympathische junge Frau“, die sich vor allem durch ihren „extremen Fokus“ und der „Klarheit des Gedankens“ auszeichnet. Interesse am Small-Talk habe das junge Mädchen nicht - aber sicherlich gab es auch in Sachen Klimaschutz und Co. ausreichend Gesprächsthemen. „Es war natürlich auch ein Privileg von ihr mit ihrer Intelligenz und ihrem Wissen hören zu können, wie sie über diese ganzen Dinge denkt“, sagt Herrmann.

Kritik an Greta Thunberg stößt bei Lanz-Gästen auf Unverständnis

Immer wieder schlägt Greta Thunberg aber auch rauer Wind entgegen - und zwar nicht nur beim Segeln in unruhigen Gewässern. Laut Herrmann geht sie mit Kritikern aber sehr souverän um, akzeptiere, dass es immer Leute geben werde, die gegen ihre Ideale sind. Anderen vorschreiben, wie sie zu leben haben, möchte Greta prinzipiell nicht - weswegen der Hamburger auch die Debatte um die Flüge ihres Teams für überzogen hält. Denn dass, was andere machen, ist nicht in Gretas Hand, weswegen sie dafür „nicht beschuldigt werden“ könne. Auch ein anderer Lanz-Gast hat eine ähnliche Meinung: Der Vizepräsident des Deutschen Bundestages Thomas Oppermann hält die Kritik für „ein bisschen kleinlich“. 

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Den Segelsportler haben die zwei Wochen auf hoher See mit der Klimaaktivistin aber nachhaltig verändert. „Wir versuchen auch in unserem Segelteam weniger zu fliegen, wir kompensieren die Flüge, ich esse auch weniger Fleisch, ich merke, dass ich im Supermarkt anders einkaufe. Aber trotzdem: Niemand ist perfekt, aber das ist auch gar nicht das Ziel“, erklärt der Sportler bescheiden. 

ZDF-Gäste voller Lob: Greta Thunberg bringe „Emotionen in die Politik“

Die anderen Gäste des Talks bei Lanz finden warme Worte für das Wirken der 16-Jährigen. Laut Oppermann habe Klimaschutz bisher nicht funktioniert, da ein zentraler Punkt gefehlt habe: „Greta hat Emotionen in die Politik gebracht und hat eine sehr menschliche Frage aus dem Klimaschutz gemacht“, stellt Oppermann klar. Auch der Journalist Ulrich Wickert und die Geigerin Ann-Sophie Mutter zeigen sich begeistert über Gretas Wirken in Sachen Klimaschutz. „Ich glaube wir müssen alle zurückfinden zu Mutter Natur und zu dem Verständnis, dass wir zu Gast sind auf dieser Erde“, sagt die deutsche Geigerin und zitiert Mutter Theresa: „Viele Tropfen füllen einen

Sie galt mal als „Klimakanzlerin“, doch das Ansehen von Angela Merkel ist in der „Fridays for Future“-Bewegung gesunken. Das unterstreicht nun auch Luisa Neubauer.

Greta Thunberg wird mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Den Preis vergibt die in Stockholm ansässige Right-Livelihood-Stiftung.

Auf dem YouTube-Kanal der Partei befasst sich auch die CSU mit der Segel-Reise von Greta Thunberg. Die Art und Weise kommt bei den Usern im Netz allerdings nicht gut an. Und auch die Rückreise droht für Thunberg zum Problem zu werden - auch wegen unerwarteten Zeitdrucks.

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