„Maybritt Illner“

Talk zu Trumps Egotrip: „Früher haben wir diese Leute Nazis genannt“

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Diskutierten bei „Maybritt Illner“: (v.l.) Journalistin Mareike Nieberding, Bernhard Mattes (Präsident der Wirtschaftsvereinigung American Chamber of Commerce in Germany) und Gabor Steingart (Herausgeber „Handelsblatt“).

Berlin - Das gab‘s noch nie: Einen Maybritt Illner-Talk ohne Maybritt Illner. Diskutiert wurde über Trumps politischen Egotrip - und wie lange er diesen noch durchziehen kann.

Das Thema ist ein Dauerbrenner, der Moderator war neu: Der ZDF-Polittalk „Maybrit Illner“ hat sich am Donnerstagabend mit dem Thema “Trumps Egotrip - Mauern gegen den Rest der Welt?“ beschäftigt. Durch die Sendung führte ausnahmsweise aber Matthias Fornoff (53), der kurzfristig für die erkrankte Maybritt Illner einsprang. Der Chef der ZDF-Hauptredaktion Politik und Zeitgeschehen leitete die Gesprächsrunde unaufgeregt und zurückhaltend, was die Redaktion ihm durch die Zusammenstellung der Gäste allerdings auch leicht machte.

Moderator Matthias Fornoff (gelbe Krawatte) vertrat die erkrankte Maybritt Illner.

Wer war da? Nur zwei Politiker. Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) und der GrüneJürgen Trittin, Mitglied im Auswärtigen Ausschuss. Dazu „Handelsblatt“-Herausgeber Gabor Steingart, während seiner Zeit beim „Spiegel“ Büroleiter in Washington. Die 29-jährige Journalistin Mareike Nieberding. Sie gründete direkt nach der Wahl als Reaktion auf Trump und dessen Positionen die Jugendbewegung „DEMO“. Und der langjährige Ford-Deutschland-Chef Bernhard Mattes, der hierzulande die amerikanische Handelskammer vertritt.

Kein Trump-Befürworter weit und breit

Die Debatte kam ohne große Reibungen und Emotionen aus, schließlich war kein Trump-Befürworter eingeladen. Das kritisierten auch einige Nutzer bei Twitter. Dabei hätte es Zündstoff genug gegeben.

Denn Trump - gerade mal zwei Wochen im Amt - überrollt das amerikanische Volk und andere Staaten beinahe täglich mit neuen Dekreten und Forderungen. Er treibt den Mauerbau an der Grenze zu Mexiko voran, stoppt die Einwanderung von Flüchtlingen und beerdigt Freihandelsabkommen. Die einen schlagen die Hände über dem Kopf zusammen, für andere setzt der neue Präsident nur seine Wahlversprechen um.

„Die ersten 14 Tage, die wir jetzt erlebt haben, fühlen sich an, als würde man einen Action-Film gucken. Man ist unter Dauerbeschuss und weiß gar nicht, wo man hingucken soll“, beschrieb Nieberding ihre Gefühlslage angesichts des täglichen Nachrichtenstroms aus den USA.

Jürgen Trittin: „Trump lebt von der Eskalation“

Schwerpunkt der Sendung war aber die Wirtschaftspolitik Trumps. Mattes und Altmaier riefen immer wieder zu einem selbstbewussten Umgang mit dem Präsidenten der USA auf. Die deutsche Wirtschaft sei erfolgreich, weil die Produkte hervorragend seien. Einen tiefgreifenden Handelsstreit werde es nicht geben. Das deutsche und europäische Wort habe politisches Gewicht, auf das Trump auch hören werde.

Grünen-Politiker Jürgen Trittin hält es nicht für unwahrscheinlich, dass Trump keine ganze Amtszeit durchhält. Werde die Situation der US-Bürger schlechter statt besser, werde seine eigene Partei gegen ihn rebellieren, glaubt er. Bis dahin werde der neue US-Präsident sich aber nicht zügeln: „Trump lebt von der täglichen Eskalation, dass er immer noch einen draufsetzt.“

Nieberding versuchte, den Fokus auf rechtsgerichtete Aussagen Trumps und seiner Berater zu legen. „Es ist unfassbar, was in der Zeit schon an Rhetorik passiert ist. Früher haben wir diese Leute KKK (Ku-Klux-Klan) oder Nazis genannt.“ Es sei wichtig, jetzt auch in Deutschland die Diskussion mit den Bürgern zu suchen. Deshalb will Nieberding mit ihren Mitstreitern in den kommenden Monaten durchs Land fahren und mit Wählern diskutieren.

Ist Maybritt Illner nächste Woche wieder fit?

Diskutiert wird auch nächste Woche wieder bei „Maybrit Illner“, dann wohl wieder mit der angestammten Gastgeberin. Das sei „wahrscheinlich und fast sicher“, meinte Fornoff am Ende der einstündigen Live-Sendung aus Berlin. Gut möglich, dass auch dann wieder Trump das Thema sein wird. Gesprächsstoff genug gäbe es jedenfalls noch.

dpa/smu

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