Mord an Journalistin Galizia

Medienberichte: Maltas Premierminister zu Rücktritt bereit

+
Maltas Premierminister Joseph Muscat spricht mit Reportern. Foto: Jonathan Borg/AP/dpa

Der Skandal um den Mord an der Enthüllungsjournalistin Daphne Caruana Galizia zieht in Malta immer weitere Kreise: Nach Rücktritten von Ministern will nun auch Premierminister Joseph Muscat Medienberichten zufolge die Konsequenzen ziehen.

Valletta (dpa) - Rund zwei Jahre nach der Ermordung der Journalistin Daphne Caruana Galizia hat der Fall die höchsten politschen Kreise erreicht: Maltas Premierminister Joseph Muscat steht Medienberichten zufolge vor dem Rücktritt.

Eine entsprechende Ankündigung des 45-Jährigen stehe unmittelbar bevor, berichteten die "Times of Malta" und "Malta Today" am Freitag unter Berufung auf ungenannte Quellen. Ein genauer Zeitpunkt wurde nicht genannt. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht. Der Skandal um die Ermordung der Journalistin Daphne Caruana Galizia 2017 hatte zuvor bereits hochrangige Regierungsvertreter zum Rücktritt bewogen.

Der 2013 ins Premierministeramt gewählte Muscat habe Präsident George Vella am Freitag besucht und soll ihn über seine Absichten informiert haben, berichtete die "Times of Malta". Muscat werde sich demnach mit einer Fernsehansprache an die Nation wenden. Es werde erwartet, dass sein Nachfolger das Amt antreten werde. Ob im Falle eines Rücktritts der stellvertretende Premierminister Chris Fearne vorübergehend die Amtsgeschäfte übernehmen werde, sei nicht bekannt.

Caruana Galizia war am 16. Oktober 2017 in ihrem Auto in die Luft gesprengt worden. Die damals 53-Jährige hatte unter anderem über Korruption bei Regierung und Geschäftsmännern auf Malta recherchiert. Drei Männer wurden festgenommen und angeklagt. Sie sollen den Sprengsatz gebaut und gezündet haben. Wer hinter ihnen steckte, ist bislang unklar.

Vor dem Hintergrund der Mordermittlungen war Keith Schembri, Muscats Stabschef, zu Beginn der Woche zurückgetreten. Dem Geschäftsmann Yorgen Fenech zufolge soll es Schembris Idee gewesen sein, die Journalistin umzubringen. Schembri wurde am Dienstag festgenommen, am Donnerstag aber wieder freigelassen: Die Polizei teilte am Abend mit, derzeit gehe sie nicht davon aus, dass Schembri weiter in Haft bleiben müsse.

Auch Tourismusminister Konrad Mizzi war zurückgetreten. Wirtschaftsminister Chris Cardona ließ mitteilen, dass er sein Amt ruhen lasse. Schembri, Mizzi und Cardona haben bisher bestritten, in den Fall verwickelt gewesen zu sein. Bisher wird ihnen nichts zur Last gelegt. Die Enthüllungsjournalistin hatte unter anderem Schembri und Mizzi bezichtigt, Schmiergelder von Fenech angenommen zu haben. Dabei ging es um den Bau eines Gaskraftwerks, an dem Fenech Anteile hält.

Der Mord an Caruana Galizia sorgt seit 2017 für große Empörung in Malta. Wütende Demonstranten waren in der vergangenen Woche wiederholt gegen die Regierung Muscats auf die Straße gegangen und hatten den Rücktritt des Premierministers gefordert. Sie werfen der Führung ihres Landes Korruption vor und verlangen Gerechtigkeit für Caruana Galizia.

Bericht Malta Today

Bericht Times of Malta

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

„Anne Will“ am Sonntag: Söder und Baerbock im Clinch - Drastische Warnung von Ex-Minister

War Thüringen nur das erste Beispiel? Steuert Deutschland ins politische Chaos? Bei „Anne Will“ wurden am Sonntag dicke Bretter gebohrt. Mit dabei sind drei Parteichefs.
„Anne Will“ am Sonntag: Söder und Baerbock im Clinch - Drastische Warnung von Ex-Minister

Neue Statistik zu antisemitischen Straftaten schockiert Spaenle - Löwenanteil einer Gruppe zugeordnet

Die Zahl der 2019 gemeldeten antisemitisch motivierten Straftaten in Bayern ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen. Behörden wollen den Fällen mit hoher …
Neue Statistik zu antisemitischen Straftaten schockiert Spaenle - Löwenanteil einer Gruppe zugeordnet

Greta Thunberg als Kostüm-Trend? Klimaaktivisten sind empört - Anbieter äußert sich jetzt

Jedes Jahr erobern neue Faschings-Trends den Kostüm-Markt. Dieses Jahr scheint der Greta Thunberg-Look angesagt zu sein, was viele Klimaaktivisten empört. Die Hersteller …
Greta Thunberg als Kostüm-Trend? Klimaaktivisten sind empört - Anbieter äußert sich jetzt

Nach Thüringen-Eklat: „Kleine Münze“ - SPD nimmt Habeck ins Visier - Austrittswelle in der FDP

Das Thüringen-Desaster und die Nachbeben: Eine aktuelle Prognose zeigt: Die Thüringer wollen neu und anders wählen. CDU-Landeschef Mohring zieht sich nun zurück.
Nach Thüringen-Eklat: „Kleine Münze“ - SPD nimmt Habeck ins Visier - Austrittswelle in der FDP

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.