85 Prozent in Italien

Gut 100.000 Flüchtlinge 2017 übers Mittelmeer nach Europa gekommen

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Ärzte ohne Grenzen bei einem Rettungseinsatz im Mittelmeer

Gut 100.000 Flüchtlinge haben im ersten Halbjahr Europa über das Mittelmeer erreicht. Der Löwenanteil kam in Italien an.

Rom - In diesem Jahr sind bereits mehr als 100.000 Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Europa geflohen. Wie die Internationale Organisation für Migration (IOM) am Dienstag bekanntgab, nahm Italien 85 Prozent von ihnen auf. 2247 Menschen kamen demnach bei ihrem Fluchtversuch ums Leben. Von Januar bis Juli vergangenen Jahres seien allerdings mehr als doppelt so viele Flüchtlinge nach Europa gekommen.

Italien registrierte bis zum 3. Juli 85.183 Neuankömmlinge und damit mehr als im Vorjahreszeitraum (71 279). Deutlich weniger Migranten waren es in Griechenland (9290), Zypern (273) und Spanien (6464).

Mehr Solidarität für Italien gefordert

IOM-Chef William Lacy Swing rief zu mehr Solidarität mit Italien auf. Er erklärte: "Die Aufnahme von aus dem Meer geretteten Flüchtlingen kann nicht als Thema allein für Italien angesehen werden, sondern für ganz Europa." Auch Italien selbst hatte am Wochenende mehr Unterstützung von seinen EU-Partnern bei der Aufnahme von Flüchtlingen gefordert. Das Land hatte gedroht, ausländischen Schiffen mit geretteten Flüchtlingen künftig die Einfahrt in seine Häfen zu verbieten.

Nach einem Treffen ihrer Innenminister am Sonntagabend in Paris sicherten Deutschland und Frankreich Italien "ihre entschlossene Solidarität" zu. Am Donnerstag wollen sich in Rom Außenminister einzelner EU-Staaten sowie mehrerer afrikanischer Länder beraten. Bei einem Treffen am selben Tag in Tallinn wollen die Innenminister der EU-Länder außerdem einen gemeinsamen Sechs-Punkte-Plan besprechen.

Darin taucht die Forderung des italienischen Innenministers Marco Minniti, Flüchtlingsboote in andere EU-Staaten umzuleiten, allerdings nicht auf. Neu in dem Sechs-Punkte-Plan ist ein "Verhaltenskodex" für Hilfsorganisationen, die mit eigenen Booten Flüchtlinge vor der Küste Libyens retten. Einzelne EU-Regierungen werfen ihnen vor, damit das Geschäft von Schlepperbanden zumindest zu erleichtern. Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl sprach bezüglich des Plans vom "größten Angriff auf das europäische Asylrecht seit Gründung der EU".

AFP

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