Proteste an Putins Geburtstag

Mehr als 270 Menschen in Russland festgenommen

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Der Oppositionelle Nawalny hatte zu Putins 65. Geburtstag zu landesweiten Massenprotesten aufgerufen. Foto: Dmitri Lovetsky

Mit lauten Rufen gratulieren die Demonstranten Kremlchef Putin zum Geburtstag. Doch was sie eigentlich sagen, dürfte diesem nicht schmecken: "Russland ohne Putin!" Den Behörden fällt die Entscheidung offenbar schwer, ob sie durchgreifen oder Milde walten lassen sollen.

St. Petersburg (dpa) - Bei Massenprotesten zum 65. Geburtstag von Präsident Wladimir Putin in Russland hat die Polizei mehr als 270 Menschen festgenommen, aber weniger hart durchgegriffen als früher.

Bei der Hauptkundgebung in Putins Heimatstadt St. Petersburg gab es am Samstagabend die heftigste Eskalation. In der Hauptstadt Moskau ließen die Sicherheitskräfte die Demonstranten weitgehend gewähren. Die Behörden hatten die Kundgebungen des Oppositionellen Alexej Nawalny nicht genehmigt. Bereits im Vorfeld waren präventiv Dutzende von Nawalnys Anhängern festgenommen worden.

Nawalny hatte bereits im März und im Juni Zehntausende Menschen vor allem in den Metropolen Moskau und St. Petersburg zu Großdemonstrationen mobilisiert. Die Polizei hatte beide Male weit mehr als 1000 Menschen festgenommen.

Dieses Mal sah es lange so aus, als würden die Behörden die Menschen weitgehend gewähren lassen. Erst als Tausende in St. Petersburg vom Marsfeld weiter ins Zentrum ziehen wollten, griffen die Beamten hart durch. Der Bürgerrechtlerplattform OVD-Info zufolge wurden dort etwa 60 Menschen festgenommen. Die kremlkritische Zeitung "Nowaja Gaseta" berichtete von mehr als 100 Festnahmen und einigen Verletzten.

In Moskau endete die Kundgebung überraschend ohne ernste Zwischenfälle. Der Polizei zufolge gab es keine Festnahmen, Medien berichteten von vereinzelten Vorfällen. Einige Demonstranten hielten aufblasbare gelbe Enten in den Händen, ein Zeichen des Kampfes gegen Korruption, dem sich auch der 41-jährige Nawalny verschrieben hat. Ein harter Kern blieb auch bis weit nach dem Ende der Demonstration auf dem Manege-Platz in der Nähe des Kremls.

OVD-Info zählte zudem mehr als 50 Festnahmen in Jaroslawl nordöstlich von Moskau. Auch im südrussischen Krasnodar, in der Millionenstadt Jekaterinburg am Uralgebirge und in weiteren Provinzstädten nahm die Polizei Demonstranten vorübergehend in Gewahrsam.

Nawalny hatte in rund 80 Städten zu Protesten gegen Putin und für freie und faire Wahlen aufgerufen. Lediglich in knapp 20 Orten wurden die Proteste zugelassen. Er selbst konnte nicht demonstrieren. Er sitzt seit Ende September wegen des mehrfachen Aufrufs zu nicht genehmigten Protesten für 20 Tage in Arrest.

Präsident Putin wurde am Samstag 65; er wurde am 7. Oktober 1952 in Leningrad - dem heutigen St. Petersburg - geboren. Seit 2000 ist er an der Macht. Zwischen 2008 und 2012 war Putin Regierungschef. Es wird erwartet, dass er im März 2018 für eine weitere Amtszeit kandidiert. Nawalny will antreten, darf aber wegen einer Bewährungsstrafe in einem Unterschlagungsfall nicht.

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