Stasi-Unterlagenbehörde

Mehr als 3,2 Millionen Anträge auf Einsicht in Stasi-Akten

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Akten im Stasi-Archiv in Berlin. Foto: Stephanie Pilick

Der Blick in die eigene Stasi-Akte - manche trauen sich das erst als Rentner. Inzwischen erkundigen sich aber auch viele aus der "Enkelgeneration" über verstorbene Angehörige, wie der Chef der zuständigen Behörde weiß.

Berlin (dpa) - Bei der Stasi-Unterlagenbehörde sind seit ihrem Bestehen mehr als 3,2 Millionen Anträge auf persönliche Einsicht in Akten der DDR-Staatssicherheit gestellt worden. In diesem Jahr seien es bis Ende November etwa 46 300 Anträge gewesen.

Das sagte der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, der Deutschen Presse-Agentur. 2016 waren es insgesamt 48 600 Anträge. Obwohl die Zahlen langfristig zurückgingen, sei das Interesse noch höher als anfangs erwartet.

Manche Menschen wagten erst jetzt als Rentner den Blick in die Vergangenheit und beantragten Akteneinsicht, sagte Jahn. Es gebe noch die Angst zu entdecken, von Nachbarn oder Freunden bespitzelt worden zu sein, so der frühere DDR-Oppositionelle. Neu seien auch verstärkte Nachfragen der "Enkelgeneration", die mehr über das Leben gestorbener Familienangehöriger wissen wolle. Diese Anträge machten mittlerweile 15 Prozent der Erstanträge aus.

"Die Akten klären Schicksale auf, sie sind Dokumente von Menschenrechtsverletzungen und nach wie vor ein wichtiges Instrument der Aufarbeitung", so der 64-Jährige. Seit 1992 gibt es die Möglichkeit zur persönlichen Einsicht in Unterlagen, die die Stasi über Menschen ohne deren Wissen geführt hat. Als erste konnten DDR-Bürgerrechtler wie Bärbel Bohley in der neu gegründeten Stasi-Unterlagen-Behörde in Papieren lesen, die die Geheimpolizei über ihr Leben angelegt hatte.

Derzeit können laut Jahn zwei Drittel der Anträge in wenigen Wochen beantwortet werden. Bei dem Rest müsse noch sehr viel aufwendiger im riesigen Stasi-Archiv recherchiert werden - auch um Verwechslungen auszuschließen. Das könne Monate dauern. "Bei einem Drittel der Anträge sind die Wartezeiten auf eine Antwort noch immer zu lang. Aber das spricht auch für die hohe Qualität der Auskünfte", so Jahn. Rund eine Million Bürger stellten bereits mehrmals Anträge.

Der Berg der noch offenen Anträge werde abgetragen, versicherte Jahn. Gab es 2016 noch rund 54.400 nicht abgeschlossene Fälle, seien es jetzt etwa 43.300.

Die meisten Anträge wurden in diesem Jahr in Berlin gestellt - laut Bundesbehörde rund 13 200 (bis Ende November). Das waren fast genauso viele wie im gesamten Jahr 2016.

Jahn zeigte sich überzeugt, dass es die persönliche Einsicht in die Papiere dauerhaft geben wird. Mit dem Bundesarchiv würden derzeit Vorschläge zur Zukunft des Stasi-Unterlagen-Archivs erarbeitet.

Eine Expertenkommission hatte empfohlen, die Stasi-Akten bis 2021 ins Bundesarchiv zu überführen, eine Stiftung einzurichten und die frühere Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg zum "Ort der Aufklärung über Diktatur und Widerstand" weiterzuentwickeln. Doch Opferverbände befürchteten eine Abwicklung der Behörde. Die Vorschläge wurden auf Eis gelegt. Über Veränderungen muss der Bundestag entscheiden. Schnelle Beschlüsse sind dazu nicht zu erwarten.

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