Umweltbewusstsein nimmt zu

Mehrheit der Bevölkerung sieht Defizite bei Energiewende

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Als wichtige Maßnahmen für die Energiewende bezeichneten 92 Prozent der über 14-Jährigen in Deutschland den Ausbau erneuerbarer Energiequellen wie Windkraft und Sonne. Foto: Patrick Pleul

Die Energiewende zu langsam und die Politik im Interesse der Wirtschaft: Viele Menschen in Deutschland sind einer Studie zufolge unzufrieden mit Regierung in Sachen Umweltschutz.

Berlin (dpa) - Die Verkehrspolitik in Deutschland orientiert sich nach Ansicht von fast 90 Prozent der Bundesbürger vor allem an den Interessen der Wirtschaft.

Nur rund jeder Fünfte (21 Prozent) stimmt der Aussage zu, dass sie vor allem die Bedürfnisse der Bürger im Blick hat. Das geht aus der aktuellen Umweltbewusstseinsstudie hervor, die vom Bundesumweltministerium veröffentlicht wurde. Viele Befragte (86 Prozent) gaben zudem an, dass ihrer Wahrnehmung nach auch bei der Landwirtschaftspolitik vor allem die Interessen der Industrie berücksichtigt werden.

Für die Studie wurden in der zweiten Jahreshälfte 2018 rund 4000 repräsentativ ausgewählte Menschen online befragt.

Vier von fünf Menschen in Deutschland finden, dass die Energiewende für einen besseren Klimaschutz zu schleppend vorankommt. Als wichtige Maßnahmen bezeichneten 92 Prozent der Befragten den Ausbau erneuerbarer Energiequellen wie Windkraft und Sonne. Nur 19 Prozent gaben an, dass die Bürger selbst genug für den Umweltschutz tun.

Den meisten Befragten ging auch der Ausstieg aus der Atomenergie und aus fossilen Energiequellen wie Kohle und Gas zu langsam. "Diese Befunde verstehe ich als Auftrag", betonte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). Sie bekräftigte mit Blick auf die Studie ihre Forderung nach einem CO2-Preis sowie einem verbindlichen Klimaschutzgesetz. Einen Entwurf für ein solches Gesetz hatte sie am Montag in die Ressortabstimmung gegeben. Dass die Union dem Entwurf in seiner jetzigen Form zustimmt, ist nicht zu erwarten.

Das Bewusstsein für Umweltpolitik ist der Studie zufolge in den vergangenen Jahren gestiegen. Während 2016 noch 53 Prozent der über 14-Jährigen in Deutschland Umwelt- und Klimaschutz als sehr wichtiges Problem bezeichneten, sind es nun 64 Prozent. "Die Dringlichkeit des Umwelt- und Klimaschutzes ist in den Köpfen der Bürgerinnen und Bürger angekommen", sagte die Umweltministerin.

Die Grünen deuten die Umfrage als "eine Ohrfeige für die Umwelt- und Klimapolitik dieser Bundesregierung", wie Bettina Hoffmann, Fraktionssprecherin für Umweltpolitik, sagte. Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Frank Sitta sagte, die Regierung müsse "die Marktkräfte wirken lassen", damit die Energiewende gelingen könne. Die Linksfraktion nutzte die Studie für einen Angriff auf Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Er mache sich "zum Handlanger der Industrie", teilte Ingrid Remmers, verkehrspolitische Sprecherin der Linken, mit.

Die Naturschutzorganisation WWF forderte, die aktuelle Stimmungslage für eine engagierte Umweltpolitik zu nutzen. Christoph Heinrich, WWF-Vorstand für Naturschutz, erklärte mit Blick auf die Umweltprobleme: "Noch ist das Zeitfenster zum Gegensteuern nicht geschlossen."

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