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Meinhard bereitet sich auf einen ehrenamtlichen Bürgermeister vor

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Von: Florian Renneberg

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Gerhold Brill an seinem Schreibtisch im Grebendorfer Rathaus. Sitzt dort bald ein Mondschein-Bürgermeister? Foto: Renneberg
Gerhold Brill an seinem Schreibtisch im Grebendorfer Rathaus. Sitzt dort bald ein Mondschein-Bürgermeister? Foto: Renneberg © Lokalo24.de

Das Land hat den Weg für ehrenamtliche Bürgermeister frei gemacht. Dafür hagelte es viel Kritik. In Meinhard stößt der Vorstoß jedoch auf Interesse.

Meinhard. Hessische Gemeinden mit weniger als 5.000 Einwohnern können neuerdings von einem ehrenamtlichen Bürgermeister geführt werden – für diesen Vorstoß hat die Landesregierung viel Kritik einstecken müssen (wir berichteten).

Für Meinhards Bürgermeister Gerhold Brill bietet die Änderung der Hessischen Gemeindeordnung kleinen Landgemeinden hingegen die große Chance, eigenständig zu bleiben – auch wenn sich die Einsparungen nicht unmittelbar bemerkbar machen.

Neuer Mitarbeiter in der Verwaltung wäre nötig

"Die Aufwandsentschädigung des ehrenamtlichen Bürgermeisters und das Gehalt eines zusätzlichen Verwaltungsangestellten im gehobenen Dienst summieren sich in etwa auf das A16-Gehalt eines Bürgermeisters", rechnet Brill vor. Bei den Folgekosten seien jedoch enorme Einsparungen möglich, betont er mit Blick auf Pensionen, Beihilfen und Übergangsgeld.

Er stellt die Gemeinde zurzeit so auf, dass ein ehrenamtlicher Bürgermeister das Zepter übernehmen könnte. Kern der Reform ist die Aufteilung der Verwaltung in zwei Fachbereiche, die der ehemalige büroleitende Beamte Harald Mai und Brill selbst leiten. Sollte er als hauptamtlicher Bürgermeister ausscheiden, könnte ein neuer Mitarbeiter die Aufgabe übernehmen.

Der ehrenamtliche Bürgermeister würde dann zwar formell die Verwaltung führen, wäre aber nicht mehr in die unmittelbare Arbeit eingebunden. Zudem würde er die Gemeinde in den politischen Gremien und bei offiziellen Anlässen repräsentieren. "Ein Mondschein-Bürgermeister", sagt Brill dazu. Dessen Arbeitszeit beziffert er mit 20 Stunden pro Woche – "abhängig vom Engagement".

Einen passenden Kandidaten hat er auch schon im Auge: "Wenn es meine Gesundheit zulässt, trete ich 2020 nochmal an – egal ob als haupt- oder ehrenamtlicher Bürgermeister."

Gemeindevertretung hat das letzte Wort

Ob es zu der Änderung kommt, entscheidet die Gemeindevetretung. Nötig ist eine Zweidrittel-Mehrheit – und nach der sieht es zurzeit nicht aus. "Der Bürgermeister muss die Verwaltung im Griff haben", sagt etwa ÜWG-Fraktionschef Rolf Eyrich. Er ist überzeugt: "Gerade in schwierigen Zeiten braucht es einen starken Bürgermeister." Die Meinung teilt CDU-Fraktionschef Karsten Degenhardt. Er sagt zudem: "Ein ehrenamtlicher Verwaltungschef ist bei unserer Personalstärke der falsche Weg."

Beide betonen allerdings auch, dass sich die Fraktionen noch keine abschließende Meinnung gebildet haben. Bis zur nächsten Bürgermeisterwahl seien schließlich noch fast vier Jahre Zeit.

Für Brill ist ohnehin etwas ganz anderes entscheidend: "Meinhard muss eigenständig bleiben", sagt er und erteilt "allen Fusionen und Verschmelzungen eine deutliche Absage".

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