Kurz vor Treffen mit Merkel

Tunesiens Premier lehnt Verantwortung für Amri ab

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In den Gesprächen mit Tunesiens Premierminister Youssef Chahed geht es um schnellere Abschiebungen abgelehnter Asylbewerber nach Tunesien. Foto: Simon Kremer

Berlin (dpa) - Der tunesische Ministerpräsident Youssef Chahed hat Fehler seiner Behörden im Fall des Terroristen Anis Amri kategorisch zurückgewiesen. "Eines muss ich ganz klar sagen: Die tunesischen Behörden haben keine Fehler gemacht".

Das sagte Chahed vor seinem Besuch bei Kanzlerin Angela Merkel im Interview der "Bild"-Zeitung. Amri hatte kurz vor Weihnachten einen Lastwagen auf einen Berliner Weihnachtsmarkt gesteuert. Insgesamt starben zwölf Menschen. "Als Amri 2011 Tunesien verlassen hat, war er kein Terrorist, es gab keinerlei Anzeichen dafür, dass er sich radikalisieren würde."

Chahed wollte in Berlin den Tatort besuchen. "Uns tut wahnsinnig leid, was in Berlin passiert ist", sagte er. "Das ging allen Tunesiern sehr nahe, denn wir haben 2015 selbst drei Terroranschläge erlebt."

Angesichts der Diskussion um eine mögliche Rückführung von Flüchtlingen, die von Nordafrika aus versuchen, Europa per Boot zu erreichen, erteilte Chahed der Idee von Asylzentren in Tunesien eine Absage. Tunesien sei eine sehr junge Demokratie, er denke nicht, dass es im Land für Flüchtlingscamps Kapazitäten gebe. "Es muss eine Lösung zusammen mit Libyen gefunden werden. Das ist der einzige Weg."

Tunesien: Ein "Hoffnungsprojekt", das nicht scheitern soll

Tunesische Terrorverdächtige: Probleme bei Abschiebung

Tunesien ist mit rund 163 000 Quadratkilometern etwa doppelt so groß wie Österreich. Der Maghreb-Staat am Mittelmeer wurde 1956 von Frankreich in die Unabhängigkeit entlassen. Von den mehr als elf Millionen Einwohnern bekennen sich etwa 99 Prozent zum sunnitischen Islam.

Seit August 2016 wird das Land, in dem der sogenannte Arabische Frühling begann, von einer "Regierung der nationalen Einheit" aus säkularen und konservativ-islamischen Parteien geführt. Der Lebensstandard ist zwar einer der höchsten in Afrika, doch die Tunesier leiden unter einer hohen Arbeitslosigkeit. In den vergangenen Jahren erschütterten zudem mehrere Terroranschläge das Land.

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