Der Twitter-Präsident und die kühle Kanzlerin

Merkel trifft Trump: Diese Reibungspunkte gibt es

Berlin - Am Dienstag trifft Kanzlerin Angela Merkel auf US-Präsident Trump. Unterschiedlicher könnten zwei Regierungschefs kaum sein. Reibungspunkte gibt es einige.

Es ist die erstmalige Begegnung zweier Staatenlenker, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Am Dienstag ist Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu Besuch bei US-Präsident Donald Trump. Ein vertrauensvolles Arbeitsverhältnis wird sich nicht so leicht herstellen lassen.

Nicht nur politisch, auch charakterlich klaffen Welten zwischen dem aufbrausenden Populisten und der nüchternen Pragmatikerin. Dass Trump die Kanzlerin regelmäßig zum Objekt seiner Polemik gemacht hat, erschwert die Annäherung. Merkel ließ die Angriffe zwar an sich abperlen, machte aber aus ihrer kritischen Distanz zum US-Präsidenten keinen Hehl.

Schon im Wahlkampf attackierte Trump Merkel

Trump hatte die Kanzlerin schon in der Frühphase seiner Wahlkampagne auf dem Kieker. Den geltungsbedürftigen Immobilienmilliardär wurmte, dass Merkel und nicht er selbst vom "Time"-Magazin zur "Persönlichkeit des Jahres" 2015 gekürt worden war. "Ich glaube, sie haben die Person ausgewählt, die Deutschland wirklich enormen Schaden zugefügt hat." Damit meinte er Merkels Flüchtlingspolitik.

Trumps Tiraden gegen die Flüchtlingspolitik

Im Wahlkampf wurde Trump nicht müde, das von der Kanzlerin angeblich verschuldete "totale Desaster" anzuprangern. "Diese Frau" habe Millionen von Menschen ins Land gelassen, deren Integration "sehr, sehr schwierig und in manchen Fällen unmöglich" sei. Einmal sagte er sogar einen Aufstand gegen Merkel voraus: Die deutsche Bevölkerung werde sie am Ende "stürzen".

Trump erzählte, Freunde in Deutschland berichteten ihm seit 20 Jahren, was für ein großartiges Land zum Leben es sei. Einer dieser Freunde aber "verlasse das Land jetzt". Der Republikaner beschrieb Deutschland als einen Ort, an dem überall kriminelle und extremistische Flüchtlinge ihr Unwesen treiben würden. Die massive Zuwanderung habe die Kriminalität "auf ein Niveau steigen lassen, das niemand je erwartet hatte", behauptete er. Dabei verwies er auch auf die sexuellen Übergriffe der Silvesternacht in Köln.

Bis heute zieht Trump eine direkte Linie von Merkels Flüchtlingspolitik zur Terrorgefahr. Kurz vor Amtsantritt bezeichnete er in einem Interview den Berliner Weihnachtsmarktanschlag als Folge von Merkels "äußerst katastrophalem Fehler". Nach Amtsantritt nannte er in einer Rede erneut Deutschland mit anderen westeuropäischen Ländern als warnendes Beispiel für eine Politik, die "radikale islamische Terroristen" ins Land lasse.

Merkel und Putin in einem Atemzug

Für Wirbel sorgte dasselbe Interview auch, weil Trump darin die Nato erneut als "obsolet" bezeichnete, den Brexit lobte, die EU als Vehikel deutscher Interessen kritisierte - und die Kanzlerin mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin anscheinend auf eine Stufe stellte. "Zunächst einmal vertraue ich beiden", sagte Trump und fügte hinzu: "Doch schauen wir mal, wie lange das anhält. Vielleicht hält es überhaupt nicht lange an."

Merkel bleibt nach Wahlsieg von Trump cool

Während der US-Wahlkampf andauerte, strafte Merkel den Immobilienmogul mit Schweigen. Am Tag nach dessen Wahlsieg verband sie dann aber ihre Gratulation mit einer Mahnung an den Rechtspopulisten, die demokratischen Grundwerte zu beachten. Als gemeinsame Wertebasis beider Länder nannte sie "Demokratie, Freiheit, den Respekt vor dem Recht und der Würde des Menschen unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Einstellung". Trump biete sie "auf der Basis dieser Werte" eine "enge Zusammenarbeit" an.

Nach Trumps Amtsantritt kritisierte die Kanzlerin dann dessen pauschale Einreiseverbote für Bürger mehrerer muslimischer Staaten sowie für Flüchtlinge: "Der notwendige und auch entschiedene Kampf gegen den Terrorismus rechtfertigt in keiner Weise einen Generalverdacht gegen Menschen bestimmten Glaubens, in diesem Falle gegen Menschen muslimischen Glaubens oder Menschen von einer bestimmten Herkunft", sagte die Kanzlerin Ende Januar.

AFP/Video: snacktv

Rubriklistenbild: © dpa

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