Michael Roth im Interview: „Wir brauchen mehr Mittel und mehr Einsatz“

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SPD-Bundestagsabgeordneter Michael Roth (li.) im Gespraech mit MB-Media-Redaktionsleiter Lars Winter. Foto: Liese

Berlin/Werra-Meißner. Der heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Roth war am Freitag zu Gast beim MB-Media Verlag in Witzenhausen. Der MARKTSPIE

Berlin/Werra-Meißner. Der heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Roth war am Freitag zu Gast beim MB-Media Verlag in Witzenhausen. Der MARKTSPIEGEL sprach mit ihm über seine Tätigkeit in Berlin und den Werra-Meißner-Kreis.

MARKTSPIEGEL: Herr Roth, Sie sind seit 1998 direkt gewählter Bundestagsabgeordneter. Was war für Sie die größte Veränderung in den letzten Jahren?

Michael Roth: Die vergangenen drei Jahre bedeuteten für mich eine große Umstellung. Seit 2009 ist meine Partei, die SPD, nach einer dramatischen Wahlniederlage nicht nur im Land, sondern auch im Bund in der Opposition. Wenn man Politik betreibt, um etwas zu bewegen und voranzubringen, dann fällt es schon schwer, auf der Oppositionsbank zu sitzen.

MARKTSPIEGEL: Aber für Sie hat sich ja in der Opposition einiges getan. Sie sind zum europapolitischen Sprecher Ihrer Fraktion befördert worden, sind Chef der hessischen SPD-Abgeordneten und Generalsekretär der SPD Hessen.

Roth: Das stimmt, ich trage mehr Verantwortung und habe neue Aufgaben übernommen. Darauf bin ich schon ein wenig stolz, aber sie bedeuten vor allem viel, viel Arbeit. Aber das ist es wert, wenn ich denn dazu beitragen kann, dass wir Sozis ab 2013 in Berlin und Wiesbaden wieder regieren. Opposition gehört zur Demokratie einfach dazu, aber mir reichen vier Jahre.

MARKTSPIEGEL: Wie macht sich die Opposition bei Ihrer Arbeit in Berlin bemerkbar?

Roth: Der persönliche und direkte Draht zu den Ministerien fehlt plötzlich. Als Oppositionspolitiker können Sie dann dort nicht mehr anrufen, um sich für die Heimatregion stark zu machen. Sie müssen den oftmals langwierigen Weg über parlamentarische Anfragen und Briefe gehen, um mühsam wenigstens einige Informationen zu erlangen.

MARKTSPIEGEL: Was ist da aus Ihrer Sicht für den Werra-Meißner-Kreis besonders wichtig?

Roth: Etwa die Verkehrsinfrastruktur. Wir brauchen als ländliche Region eine gute Anbindung auf der Schiene und Straße. Deswegen appelliere ich auch immer wieder, der dringend benötigten A 44 nicht noch weitere Hindernisse in den Weg zu legen. Aber die Finanzierung der Autobahn ist als letztes "Verkehrsprojekt Deutsche Einheit" zumindest gesichert. Für andere Projekte im Werra-Meißner-Kreis gilt das leider nicht. Wir brauchen dafür einfach mehr Mittel und mehr Einsatz.

MARKTSPIEGEL: Aber sagen das Oppositionspolitiker nicht immer, dass die Regierung mehr Geld ausgeben soll?

Roth: Ich halte mich da an Fakten. Für das nächste Jahr gibt der Bund laut Haushaltsplanung weniger Geld für den hessischen Bundesfernstraßenbau aus als noch unter Helmut Kohl in den 90er Jahren. Das muss man sich mal vorstellen! 1998 unter rotgrün waren das 272 Millionen Euro für den Fernstraßenbau in Hessen, 2013 sind es nur noch 258 Millionen. Dazwischen liegen 15 Jahre!

MARKTSPIEGEL: Das heißt, es ist alles schlechter geworden im Werra-Meißner-Kreis?

Roth: Aber nein, überhaupt nicht! Im Werra-Meißner-Kreis ist neues Selbstbewusstsein gewachsen. Ich bin ja oft und viel unterwegs. Und gerade der Werra-Meißner-Kreis fällt immer wieder durch sein großes Engagement auf, den demografischen Wandel nicht einfach hinzunehmen, sondern aktiv zu gestalten. Wir sind nun mal eine ländlich geprägte Region mit einer immer älter werdenden Gesellschaft. Und die Art, wie hier damit umgegangen wird, ist schon beeindruckend.

MARKTSPIEGEL: Woran denken Sie konkret?

Roth: Natürlich an Landrat Stefan Reuß und sein mittlerweile landes- und bundesweit beachtetes Engagement zu dem Thema. Ich denke beispielsweise an soziale Einrichtungen wie "Aufwind" mit seinen Dorfläden oder die Werraland-Werkstätten mit ihrem Hotel oder ihrem Cateringservice. Das ist super und vorbildlich! Ich denke aber auch an die Kompetenzagentur Werra-Meißner in Witzenhausen…

MARKTSPIEGEL: … die Sie kürzlich besucht haben …

Roth: Genau, ich begleite ja die Arbeit der Agentur schon seit Jahren. Das Team kümmert sich darum, dass kein Jugendlicher zurückbleibt. Mit großem Erfolg übrigens. Wir können es uns einfach nicht leisten, jemanden zurückzulassen. Leider gibt der Bund weniger Geld als früher.

MARKTSPIEGEL: Und was wünschen Sie sich für Ihre weitere Arbeit?

Roth: Ach, das ist so vieles. Da fällt es schwer, etwas einzeln herauszugreifen. Aber mir fällt auf, dass viele Bürgerinnen und Bürger wieder mehr Interesse daran haben, über Politik zu reden. Das stimmt mich hoffnungsvoll. Meine Veranstaltungen etwa zu Gesundheit, Pflege, zur Steuerpolitik oder zu Europa sind sehr gut besucht und man merkt ganz deutlich, dass die Menschen einen großen Drang spüren, über ihre Sorgen, Nöte und Erwartungen zu sprechen. Wir dürfen die Fragen, wie es wieder gerechter und solidarischer zugehen kann, nicht allein Anne Will oder Sandra Maischberger überlassen. Darüber zu streiten und zu diskutieren, lohnt auch vor Ort.

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