Neue Regelung im Nachbarland

Motorrad-Verbot: Österreich gibt Vorreiter - steigt der Druck jetzt auch in Bayern?

Im benachbarten Österreich gilt seit einem Monat eine Dezibel-Grenze. In Deutschland sehnen sich viele Anwohner nach einer ähnlichen Regelung - doch das Verkehrsministerium blockt. 

  • Der Streit zwischen Motorradfahrern und Anwohnern geht in eine neue Runde. 
  • In Österreich gilt seit einigen Wochen eine neue Regel, die in der Bevölkerung gut ankommt.
  • Das deutsche Verkehrsministerium unter Andreas Scheuer blockt aber weiterhin sämtliche Versuche. 

München - In der Debatte um Motorradlärm* stehen sich weiterhin zwei Seiten unerbittlich gegenüber: Die Anwohner, die unter dem Lärm leiden, auf der einen Seite, die Motorradfahrer, die sich ihren Wochenendausflug nicht von ein paar aufgetunten Maschinen verderben lassen wollen, auf der anderen. Nachdem es in den vergangenen Wochen zu einer hitzigen Diskussion zwischen Befürwortern und Gegnern eines Sonn- und Feiertagsverbots* kam, und deutschlandweit mehrere Zehntausend gegen ein Verbot demonstriert hatten*, hatte sich der Streit etwas abgeflacht. Verkehrsminister Andreas Scheuer hatte in der Passauer Neuen Presse unmissverständlich erklärt: „Ich will keine weiteren Verbote und Verschärfungen für Motorradfahrer.“ Das Thema schien vom Tisch.

Nun aber entflammt die Diskussion erneut. Grund dafür: Das benachbarte Österreich hat für beliebte Strecken im Bundesland Tirol eine Sperre für zu laute Motorräder verhängt. Seit dem 10. Juni dürfen auf beliebten Bergstraßen im Bezirk Reutte in der Region Außerfern Maschinen, die laut Zulassung ein Standgeräusch von über 95 Dezibel aufweisen, nicht mehr fahren. Bei Verstößen droht ein Bußgeld von bis zu 220 Euro. Das berichtet der Spiegel

Motorrad-Verbot: Bürgermeister in Tirol - Grenze von 95 Dezibel hat sich bewährt

Markus Eberle, Bürgermeister der Gemeinde Tannheim, die an einer der betroffenen Strecken liegt, sagte dem Spiegel: „Es ist spürbar leiser geworden, die Grenze bei 95 Dezibel hat sich in kurzer Zeit bewährt.“ Rund sieben Prozent der in Österreich zugelassenen Maschinen sind dem Bericht zufolge von der Sperre betroffen. Es kämen jetzt weniger Besucher, so Eberle, aber bei der Bevölkerung und den übrigen Gästen komme die Maßnahme gut an.

Motorradfahrer demonstrieren gegen lärmbedingte Fahrverbote. 

Schon überlegen angrenzende Staaten, die Regelung zu übernehmen. Laut Felix Fleischhauer, Sachgebietsleiter Verkehrswesen im Oberallgäu, wünschten sich viele Anwohner einen Lärmgrenzwert auch in der deutschen Region. Dem Spiegel sagte er: „Durch die Corona*-Einschränkungen war es lange Zeit sehr ruhig, das hat den Wunsch noch mal verstärkt.“ Zwischen Sonthofen und Oberjoch liegt mit dem Jochpass eine beliebte Motorradstrecke. 

Die Mehrheit der Biker würde ordentlich fahren, so Fleischhauer. Die wolle er auch nicht pauschal ausschließen. „Wir müssen aber auch die Anwohner schützen. Das Tiroler Modell würde das natürlich vereinfachen.“ Auch in Südtirol denken sie über derartige Maßnahmen nach. 

Motorrad-Verbot: Verkehrsminister Andreas Scheuer blockt - „keine weiteren Verbote“

In Deutschland verweist das Verkehrsministerium auf die Zuständigkeit der Länder. Diese könnten heute bereits einzelne Strecken sperren, der Mittelungspegel sei entscheidend, ein Durchschnittswert, dem das ganze Jahr zugrunde liegt. Saisonale Schwankungen verzerren da natürlich. 

„Wir haben momentan nicht die rechtlichen Mittel, eine Regelung wie in Tirol zu erlassen“, sagt der oberallgäuer Sachgebietsleiter Fleischhauer. Der Gesetzgeber müsse für so ein Modell mehr Möglichkeiten einräumen. Erst dann könne der Motorradlärm stellenweise eingeschränkt werden. 

Bis auf Weiteres gilt also das Zitat Andreas Scheuers: „Keine weiteren Verbote und Verschärfungen für Motorradfahrer.“ (fmü) *merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks. 

Robert Habeck will bei einer Regierungsbeteiligung der Grünen ein Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen einführen. Doch der mögliche Koalitionspartner CDU will dabei nicht mitmachen. 

Rubriklistenbild: © dpa / Jens Meyer

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