Bundestagswahl 2017

Nach AfD-Erfolg: Sorgen bei Flüchtlingshelfern und Muslimen

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Ein Wahlplakat mit den Spitzenkandidaten Alice Weidel und Alexander Gauland der AfD.

Die AfD zieht in den Bundestag ein. Flüchtlingshelfer und Muslime sehen das mit Sorge. Das Wahlergebnis verstehen sie als Weckruf.

München - Das gute Abschneiden der AfD bei den Bundestagswahlen ist für Flüchtlingshelfer und Muslime Anlass zur Sorge. Der Bayerische Flüchtlingsrat befürchtet einen härteren Kurs der CSU in der Asylpolitik, während die Muslime bei aller Verunsicherung auch optimistisch sind. Mehr als 85 Prozent der Wähler hätten demokratisch gewählt. „Das ist auch ein Zeichen der Hoffnung, dass wir gemeinsam Rechtspopulismus und Rassismus bekämpfen können“, sagte der Imam der Islamischen Gemeinde im oberbayerischen Penzberg, Benjamin Idriz, der Deutschen Presse-Agentur. Das sei ein Weckruf für alle Demokraten.

Trotzdem seien innerhalb der muslimischen Gemeinde Ängste sehr verbreitet. Eine Befürchtung: Menschen könnten sich durch das Wahlergebnis bestärkt fühlen, Muslime etwa auf der Straße oder in der Schule verbal zu attackieren. Als Gegenmittel empfahl der Imam seinen Gläubigen, mehr am Leben der Gesellschaft teilzunehmen und sich stärker zu öffnen. „Das ist jetzt eine Aufgabe für uns.“

Die Ängste insbesondere vor dem Islam seien im Wahlkampf auch von etablierten Parteien sehr stark in den Vordergrund gestellt worden, sagte Idriz. Dabei gebe es auch viele Erfolge. Jetzt sei es wichtig, mehr auf positive Beispiele der Integration hinzuweisen.

Der Bayerische Flüchtlingsrat befürchtet, dass sich die Situation für Flüchtlinge verschlechtern könnte, wenn die CSU mit Blick auf die Landtagswahlen im kommenden Jahr die rechte Flanke besser abdecken wolle. „Wir appellieren eindringlich an die CSU, dass sie bei einer einigermaßen zurückhaltenden Linie bleibt“, sagte Stephan Dünnwald vom Bayerischen Flüchtlingsrat. Die Politik sei ohnehin bereits geprägt von Ausgrenzung und der Vorbereitung von Flüchtlingen auf Abschiebung. „Das hat die CSU schon jetzt sehr exzessiv betrieben. Wenn sie jetzt versucht, das noch härter zu vertreten, dann sehen wir keinen Unterschied mehr zu dem, was die AfD vertritt.“

Alle Infos zur Bundestagswahl 2017 gibt es in unserem News-Ticker.

dpa

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