WDR-Intendant Buhrow entsetzt

Morddrohung gegen ARD-Journalisten - Meuthen wetterte zuvor bei Wahlkampfrede 

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Als „abstoßenden Feind der Demokratie“ hatte Meuthen Restle in seiner Rede betitelt.

WDR-Journalist Georg Restle sieht sich nach einem AfD-kritischen Kommentar Morddrohung ausgesetzt. Zuvor schon hatte AfD-Chef Jörg Meuthen heftig gegen ihn gewettert.

Köln - Wegen einer Morddrohung gegen einen Journalisten des Westdeutschen Rundfunks (WDR) hat der Sender Strafanzeige gestellt. Laut Angaben vom Freitag geht es um Beschimpfungen gegen den Leiter der WDR-Redaktion „Monitor“, Georg Restle. Restle hatte am 11. Juli in einem Kommentar für die „Tagesthemen“ im Ersten kritisch gegen die AfD Stellung bezogen. So bezeichnete der Journalist die Partei damals als „parlamentarischen Arm“ der Identitären Bewegung - die AfD müsse als „rechtsextremistisch“ eingestuft werden, forderte er weiter.

Zum genauen Inhalt des Drohschreibens wurde zunächst nichts bekannt. Ob der WDR Anzeige gegen Unbekannt oder eine Person gestellt hat, war vorerst unklar. „Das Schreiben ist dem Anschein nach dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen“, berichtete eine WDR-Sprecherin in Köln. Die Staatsanwaltschaft Köln war am Freitag zunächst nicht erreichbar.

„Widerlich“: Journalistenverband verurteilt Morddrohung

„Wir verurteilen die widerliche Morddrohung gegen den Journalisten Georg Restle und stehen an seiner Seite“, teilte Frank Stach, Vorsitzender des nordrhein-westfälischen Landesverbands des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV-NRW), am Freitagabend mit. 

Der Fall Lübcke habe erst vor wenigen Wochen gezeigt, wohin Hass führen könne. „Es muss konsequent gegen Brandstifter vorgegangen werden, die Hass den Boden bereiten“, sagte er weiter. Der hessische Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU) war am 2. Juni in seinem Haus im Landkreis Kassel erschossen worden. Der Generalbundesanwalt geht von einem rechtsextremen Hintergrund aus.

Morddrohungen gegen Journalisten: WDR-Intendant Tom Buhrow erschüttert

WDR-Intendant Tom Buhrow sagte zu dem Geschehen: „Dass es eine Morddrohung gegen einen unserer Journalisten gibt, entsetzt und erschüttert mich. Georg Restle ist ein ausgezeichneter investigativer Journalist, der die politische Landschaft in Deutschland kritisch begleitet.“

Der Journalist Georg Restle im TV-Talk „Anne Will“.

Der AfD-kritische Kommentar von Restle war bei der angegriffenen Partei auf massive Kritik gestoßen. AfD-Chef Jörg Meuthen, sagte über Restle in einer Rede: „Es würde mich wirklich mal interessieren, was eigentlich geschehen würde, wenn sagen wir mal ein Georg Restle von der ARD oder ein Johannes Kahrs von der SPD hier in Cottbus auf diesem Platz ihre absurde Forderung nach einem Verbot der AfD und damit der einzigen wahren Opposition in diesem Land öffentlich wiederholen würden. Ich glaub', ich weiß, was dann passieren würde, denen würde ein mehrtausendfaches lautes „Haut ab“ entgegenschallen.“

„Totalitäre Schurken“: AfD-Chef Jörg Meuthen beleidigte Journalisten in öffentlicher Rede

Solches Rufen, so Meuthen, sei „auch die einzig richtige Antwort für solche abstoßenden Feinde der Demokratie und für Feinde der Freiheit der Meinung und der freien Meinungsäußerung. Mit uns nicht, mit uns nicht, ihr totalitären Schurken, mit uns macht ihr das nicht.“

Restle hatte darauf auf Twitter gekontert: „AfD-Bundessprecher außer Rand und Band: ‚Totalitärer Schurke‘ und ‚abstoßender Feind der Demokratie‘, nennt mich @Joerg_Meuthen beim #AfD-Wahlkampfauftakt in #Cottbus. Zeigt erneut: ‚Gemäßigt‘ ist da (schon lange) nichts mehr.“

Georg Restle gibt Kontra: Journalist im Clinch mit der AfD

Zu den Äußerungen Restles sagte der medienpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Martin E. Renner: „Wer ein derartiges Agieren eines öffentlich-rechtlichen Senders gutheißt, den darf man wohl getrost als ‚linksradikal‘ bezeichnen. In unserem Kampf für demokratische Institutionen prüfen wir derzeit weitere Schritte, um Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu ihrem Recht zu verhelfen.“

Journalist erhält Drohschreiben: Mord an Walter Lübcke als mahnendes Beispiel

Spätestens seit dem Mord an CDU-Politiker Walter Lübcke, muss man Drohungen vom rechten Rand leider sehr ernst nehmen. Auch der Tonfall im Umgang mit Journalisten hatte sich zuletzt verschärft. So musste sich Dunya Hayali unlängst in einer Live-Sendung beschimpfen lassen. Eine Zuschauerin hatte die Bühne gestürmt und skandierte „Lügenpresse“. Für harsche Kritik aus zwei Bundestagsparteien sorgte auch ein Tagesthemen-Kommentar zum Thema Flugpreise.

dpa

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