Alle Arbeitnehmer sollen Betriebsrente angeboten bekommen

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles plädiert für mehr Eigenvorsorge fürs Alter. Foto: Wolfgang Kumm
+
Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles plädiert für mehr Eigenvorsorge fürs Alter. Foto: Wolfgang Kumm

Eigenvorsorge fürs Alter steht bei vielen nicht hoch im Kurs. Das will die Regierung ändern. Reformpläne für die gesetzliche Rente sollen folgen.

Berlin (dpa) - Arbeitnehmer in Deutschland sollen künftig generell ein Angebot ihres Arbeitgebers für eine Betriebsrente bekommen. Das ist ein Kernpunkt in den Plänen zur Stärkung der Eigenvorsorge von Bundessozialministerin Andrea Nahles (SPD).

Gemeinsam mit Finanzstaatssekretär Jens Spahn (CDU) diskutierte Nahles diese Initiative mit den Sozialpartnern und Verbänden in Berlin.

Bei den Reformplänen zur Betriebsrente sei man ziemlich weit, viele andere Fragen zur Rente seien noch offen, teilte Nahles in der internen Spitzenrunde mit, wie Teilnehmer der Deutschen Presse-Agentur in Berlin sagten.

Geplant ist ein sogenanntes Opt-out-Modell: Arbeitgeber sollen Betriebsrenten-Angebote machen müssen. Die Beschäftigten sollen sich dagegen entscheiden können. Die Arbeitgeber forderten in der Runde aber, dass es den Unternehmen freigestellt bleiben solle, ob sie so ein Angebot machen, hieß es. Auch in Tarifverträgen sollen sich die Sozialpartner stärker auf betriebliche Altersvorsorge verständigen können, allerdings seien hier viele Details noch offen.

Diskutiert wird etwa, ob es hierbei Zielrenten geben soll. Das bedeutet, dass den Betroffenen keine bestimmte Rente garantiert, sondern nur noch als Ziel genannt werden soll. Dann könnten die Einzahlungen auf dem Kapitalmarkt angesichts der niedrigen Zinsen in riskanteren Anlageformen mit höherer Rendite angelegt werden.

Um mehr Geringverdiener zu Betriebsrenten zu bewegen, ist ein Zuschuss eingeplant. Dabei soll der Arbeitgeber den für einen Beschäftigten eingezahlten Beitrag zu 30 Prozent über die Lohnsteuer zurückbekommen. Offen sei noch, ob das ab einem Monatsbrutto von 1500 Euro oder mehr gelten soll. Im Gespräch seien bis zu 2500 Euro, hieß es.

Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, mahnte: «Die betriebliche und private Altersvorsorge können die gesetzliche Rente weder ganz noch teilweise ersetzen, wie die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen.» IG-Metall-Chef Jörg Hofmann signalisierte Unterstützung. «Neben einem Kurswechsel in der gesetzlichen Rente braucht es deutlich verbesserte Rahmenbedingungen für die betriebliche Altersvorsorge, damit ein angemessener Lebensstandard im Alter erreichbar ist», sagte er der dpa.

Der Unions-Sozialflügel unterstützt die Pläne für mehr Betriebsrenten. «Wir müssen mehr Dynamik in die Eigenvorsorge hineinbekommen, sonst wird uns das bei der gesetzlichen Rente teuer zu stehen kommen», sagte der Vorsitzende der Arbeitnehmergruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Peter Weiß, der dpa.

Bei einem nächsten Spitzentreffen am 4. Oktober soll es um die gesetzliche Rente gehen. Während die Runde bei der Auftaktveranstaltung gut drei Stunden zusammensaß, sei das Treffen dann mit «open end» (offenem Ende) geplant, kündigte Nahles laut Teilnehmern an. Über den Sommer werde bis dahin weiter an dem Thema gearbeitet. Das Ziel sei - nach einem dritten und letzten Spitzentreffen - ein großes Reformkonzept im Herbst.

Mitteilung zur Rentenerhöhung 2016

Zum Rentenversicherungsbericht 2015

Rentenrücklage

Verordnung zur Neubestimmung der Rentenwerte 2016

GDV zu Riester

Finanzbericht Gunkel Juni 2016

Reimann zu Rentenreformdebatte Juni 2016

Statistik zur Verbreitung der Betriebsrente

BMAS zur Betriebsrente

BMF zur Betriebsrente

BMAS-Gutachten

BMF-Gutachten

Kernpunkte BMF-Gutachten

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Zehn Jahre Haft für IS-Rückkehrerin Jennifer W.
Politik

Zehn Jahre Haft für IS-Rückkehrerin Jennifer W.

Ein versklavtes Mädchen wird im Irak von einem IS-Mann unter sengender Sonne im Freien angebunden und stirbt. Seit 2019 steht die Ex-Frau des Mannes in München vor …
Zehn Jahre Haft für IS-Rückkehrerin Jennifer W.
Putsch im Sudan? Militär setzt Regierungschef fest - Auswärtiges Amt warnt
Politik

Putsch im Sudan? Militär setzt Regierungschef fest - Auswärtiges Amt warnt

Wenn sich Berichte aus Khartum bewahrheiten, gibt es im Sudan den zweiten Umsturzversuch in wenigen Wochen. Auf den Straßen der Hauptstadt regt sich Widerstand gegen das …
Putsch im Sudan? Militär setzt Regierungschef fest - Auswärtiges Amt warnt
Kameras, Drohnen, Ausgangssperre: Geflüchtete in Griechenland hinter Stacheldraht
Politik

Kameras, Drohnen, Ausgangssperre: Geflüchtete in Griechenland hinter Stacheldraht

Das neue Lager auf der griechischen Insel Samos ähnelt einem Gefängnis – obwohl eine EU-Behörde genau davor gewarnt hatte. Ippen Investigativ zeigt anhand interner …
Kameras, Drohnen, Ausgangssperre: Geflüchtete in Griechenland hinter Stacheldraht

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.