WG-Zimmer für 700 Euro kalt

Hohe Mieten belasten vor allem Neumieter in Metropolen

Protest gegen Mietensteigerung in Berlin. Foto: Ralf Hirschberger/dpa
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Protest gegen Mietensteigerung in Berlin. Foto: Ralf Hirschberger/dpa
Gesuchtes Altbauviertel für die, die es sich leisten können: Blick auf Wohn- und Geschäftshäuser in der Kollwitzstraße im Berliner Prenzlauer Berg. Foto: Jens Kalaene/zb/dpa
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Gesuchtes Altbauviertel für die, die es sich leisten können: Blick auf Wohn- und Geschäftshäuser in der Kollwitzstraße im Berliner Prenzlauer Berg. Foto: Jens Kalaene/zb/dpa
Mietwohnung: Immer schwieriger zu bekommen - und zu bezahlen: . Foto: DB Dieter Assmann/dpa
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Mietwohnung: Immer schwieriger zu bekommen - und zu bezahlen: . Foto: DB Dieter Assmann/dpa
In Groß- und Universitätsstädten deckt der Neubau nicht den Bedarf am Wohnungsmarkt. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
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In Groß- und Universitätsstädten deckt der Neubau nicht den Bedarf am Wohnungsmarkt. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Berlin will mit dem "Mietendecken" gegen unbezahlbare Wohnungsmieten vorgehen. Foto: Jens Kalaene
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Berlin will mit dem "Mietendecken" gegen unbezahlbare Wohnungsmieten vorgehen. Foto: Jens Kalaene

Wer beispielsweise nach einer beruflichen Veränderung neu in einer Metropolregion und auf Wohnungssuche ist, weiß: Das wird teuer. Die Bezahlbarkeit des Wohnens in Großstädten bereitet nicht nur Wohnungssuchenden Sorgen.

Wiesbaden/Frankfurt/Main (dpa) - Nicht nur Studenten, kinderreiche Familien und einkommensschwache Menschen haben ein Problem, in Frankfurt, München oder einer vergleichbaren Metropolregion eine bezahlbare Wohnung zu finden.

Wenn beispielsweise für ein WG-Zimmer 700 Euro Kaltmiete fällig werden, ist nicht nur bei Studienanfängern schnell die finanzielle Schmerzgrenze erreicht. Besonders hart trifft es diejenigen, die nach einem Wohnortwechsel oder nach einer Trennung eine neue Bleibe finden müssen: Nach Angaben des Statistischen Bundesamts zahlen diejenigen, die ab 2015 eine Wohnung neu angemietet haben, eine überdurchschnittlich hohe Miete.

Nach den Ergebnissen der Mikrozensus-Zusatzerhebung zur Wohnsituation in Deutschland für das Jahr 2018 mussten private Haushalte im bundesweiten Durchschnitt 7,70 Euro Nettokaltmiete pro Quadratmeter für eine Wohnung zahlen, die 2015 und später angemietet wurde. Damit lagen sie um zwölf Prozent über der durchschnittlichen Nettokaltmiete von 6,90 Euro pro Quadratmeter in Deutschland.

Linke und Grüne sprachen sich angesichts der Zahlen für mehr staatliches Engagement aus, um die Mietpreise bezahlbar zu halten. "Wir brauchen dringend eine scharf gestellte Mietpreisbremse", sagte Chris Kühn, wohnungspolitischer Sprecher der Grünen. Die Bundesregierung müsse den Weg für regionale Mietobergrenzen frei machen. Sie seien notwendig, "damit die Bestandsmieten auf Dauer bezahlbar bleiben".

"Wir brauchen ein Investitionsprogramm, das den Bau von wenigstens 250.000 neuen Wohnungen pro Jahr fördert", sagte Bernd Riexinger, Parteivorsitzender von Die Linke. Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Eva Högl nannte Erhalt und Schaffung bezahlbaren Wohnraums eine der "drängendsten sozialen Fragen unserer Zeit".

Wird Wohnen in der Großstadt zunehmend zum Luxus? "Die Mietwohnung wird vielerorts zum echten Armutsrisiko", sagte Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes. Der Mietenanstieg treffe besonders Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderung, die eine barrierefreie Wohnung suchten, aber auch Studierende, Alleinerziehende und kinderreiche Familien.

"Bei Geringverdienenden kann jede Mieterhöhung den Wohnungsverlust bedeuten", warnte Schneider. Notwendig seien vor allem wirksame Instrumente zur Begrenzung der Mietpreise. Darüber hinaus sei es nötig, dauerhaft gebundene Sozialwohnungen zu schaffen. Auch die Vergesellschaftung von Grund und Boden - also Enteignungen - dürfe kein Tabu sein.

Bezahlbaren Mietraum zu schaffen - das sahen auch die für das "OB-Barometer" des Deutschen Instituts für Urbanistik (difu) befragten Oberbürgermeister von deutschen Städten mit mindestens 50.000 Einwohnern als derzeit größte Herausforderung der Kommunen an. Zwei Drittel der befragten Stadtspitzen sprachen von dringendem Handlungsbedarf, noch höher war der Anteil im Süden mit 79 Prozent.

Kein Wunder: In Bayern und Baden-Württemberg waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes die Unterschiede zwischen langjährigen Mietern und neu Eingezogenen deutlich höher als im Bundesdurchschnitt, ebenso in den Stadtstaaten Hamburg und Berlin.

Auch in der Bankenstadt Frankfurt liegen die Mietpreise im bundesweiten Städtevergleich weit oben. Viele pendeln aus dem Umland ein. "Wir sind eine Pendler-Dienststelle", sagt etwa ein Sprecher der Bundespolizei am Frankfurter Flughafen. Manche der Kollegen legten 100 Kilometer oder mehr zum Arbeitsplatz zurück.

Der Hebammenmangel in der Rhein-Main-Region wird auch mit den hohen Mieten in Zusammenhang gebracht. Der städtische Wohnungskonzern ABG-Holding erprobt zwar preisgünstigeres Bauen, doch die hohen Baulandkosten treiben die Kosten auch dort in die Höhe, wo für weniger zahlungskräftige Mieter gebaut werden soll.

In Frankfurt hat sich die Rathauskoalition von SPD, CDU und Grünen kürzlich auf die Grundsätze eines Baulandbeschlusses geeinigt, der der Stadt ein Mitspracherecht bei der Gestaltung neuer Baugebiete und den Mietpreisen einräumt. Bauland soll nicht an den Meistbietenden, sondern an das "beste Konzept" vergeben werden. Die Wertsteigerung durch Baulandentwicklung solle zu einem Großteil der Allgemeinheit zugutekommen, hieß es.

Mitteilung Statistisches Bundesamt

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