Beamte erschießen Angreifer

Terror in Neuseeland: IS-Anhänger attackiert wahllos Menschen

In einem Supermarkt in Neuseeland verletzt ein Extremist mit einem Messer mehrere Menschen. Die Tat trifft die Stadt Auckland mitten im Corona-Lockdown.

Auckland – Die Menschen in Neuseeland sind schockiert. Bei einem islamistisch motivierten Anschlag sind sechs Menschen verletzt worden. Drei Opfer schweben derzeit noch in Lebensgefahr. Der Angreifer war in einem Vorort von Auckland in ein Einkaufszentrum gegangen, hatte ein Messer aus einem Schaukasten gegriffen und dann begonnen, wahllos Menschen zu attackieren, wie die Polizei mitteilte. Beamte erschossen den Mann.

Die Attacke im Einkaufszentrum LynnMall hat nach Regierungsangaben einen terroristischen Hintergrund. Verantwortlich sei ein „gewalttätiger Extremist“, sagte Ministerpräsidentin Jacinda Ardern, die sich „am Boden zerstört“ zeigte, dass der Angriff trotz der bekannten Gefährdungslage nicht habe verhindert werden können. Demnach war der Angreifer von der Ideologie der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat* (IS) inspiriert.

Die Polizei ist in Auckland im Einsatz.

Videos zeigen Terrorattacke in Neuseeland

Auf Videos war zu sehen, wie Menschen in dem Einkaufszentrum panisch zu den Ausgängen rannten, bevor eine Gruppe Männer auf den Angreifer zustürmte und Schüsse fielen. Augenzeugen berichteten neuseeländischen Medien von Panik und Schreien. Mehrere Dutzend Kunden flohen in eine nahe gelegene Apotheke und verschanzten sich dort.

In einem in sozialen Medien verbreiteten Video sind Menschen zu hören, die einander warnen: „Da ist jemand mit einem Messer drin!“ Kurz darauf sind Schüsse zu hören. Die Polizei, die mit einem Großaufgebot und einem Hubschrauber im Einsatz war, sperrte das Gebiet um das Einkaufszentrum im Viertel New Lynn südwestlich des Stadtzentrums großräumig ab.

Terrorattacke in Neuseeland: IS-Anhänger stand unter Beobachtung

„Was heute geschehen ist, war verachtenswert, hasserfüllt und falsch“, sagte Ardern. Der Anschlag sei von einem „Einzeltäter“ verübt worden, „nicht von einer Religion, einer Kultur oder Ethnie“, betonte sie. „Er allein ist für die Tat verantwortlich.“ Der Täter stamme aus Sri Lanka und sei den Behörden seit 2016 bekannt gewesen, erklärte die Regierungschefin. Er habe unter Beobachtung gestanden. Dass der Anschlag trotz der bekannten Gefahr, die von dem Täter ausgegangen sei, nicht habe verhindert werden können, sei bestürzend, sagte Ardern. „Ich weiß, dass wir alles getan haben, was wir konnten.“

Neuseeländischen Medienberichten zufolge war der Angreifer 32 Jahre alt und 2020 wegen der Planung eines Anschlags beschuldigt worden. Vor Gericht hätten die Vorwürfe jedoch keinen Bestand gehabt, weil die Planung eines Anschlags nach geltendem neuseeländischen Recht keine Straftat darstellt. Schuldig befunden wurde der Mann demnach lediglich wegen des Besitzes von Propaganda mit Bezug zur Ideologie der Terrmoriliz IS.

Jacinda Ardern zeigte sich nach der Terrorattacke in Auckland tief betroffen.

Terrorattacke in Neuseeland: Erinnerungen an Christchurch werden wach

Polizeichef Andrew Coster sagte, dass nach derzeitigem Erkenntnisstand keine weitere Gefahr für die Öffentlichkeit bestehe. Die beteiligten Beamten hätten getan, was „in dieser Situation von ihnen erwartet wird, und sie haben es mit großem Mut getan“. Selbst bei einer Rund-um-die-Uhr-Überwachung sei es „nicht möglich, in jedem Augenblick sofort an der Seite“ des Verdächtigen zu sein, unterstrich er.

Der Anschlag weckt schmerzhafte Erinnerungen an den rassistischen Anschlag auf zwei Moscheen in Christchurch* im März 2019. Ein australische Rechtsextremist hatte damals 51 Menschen getötet und 40 weitere verletzt. Seine Tat übertrug er live im Internet. Der schlimmste Anschlag in der Geschichte Neuseelands löste weltweit Entsetzen aus. (cs/dpa/afp)*fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Zhao Gang/Imago

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