Rakete über Japan

Trump zu Nordkorea: Alle Optionen sind auf dem Tisch

Der Konflikt mit Nordkorea über das Raketenprogramm des Landes hat eine neue Eskalationsstufe erreicht: Eine nordkoreanische Rakete überflog am Dienstag Japan und stürzte östlich der Insel Hokkaido in den Pazifik.

Pjöngjang/Tokio/Peking - US-Präsident Donald Trump hat den jüngsten Raketentest durch Nordkorea scharf verurteilt und das Regime in Pjöngjang gewarnt. "Die Welt hat Nordkoreas jüngste Nachricht laut und deutlich gehört: Dieses Regime hat seine Verachtung für seine Nachbarn, für alle Mitglieder der Vereinten Nationen und für einen Mindeststandard an akzeptablem Verhalten signalisiert", erklärte Trump am Dienstag in Washington. Solch "bedrohende" Aktionen erhöhten nur die Isolation Nordkoreas. "Alle Optionen sind auf dem Tisch", fügte er hinzu. 

Die Europäische Union hat den jüngsten nordkoreanischen Raketentest scharf verurteilt und die Bereitschaft zu weiteren Sanktionen angekündigt. Es werde davon ausgegangen, dass die über die japanische Insel Hokkaido geflogene ballistische Rakete eine Waffe gewesen sei, teilte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini am Dienstag mit. Die EU werde in enger Abstimmung mit den internationalen Partnern eine "angemessene Reaktion" in Erwägung ziehen. Dem japanischen Volk sicherte Mogherini angesichts der "unmittelbaren Bedrohung" volle Unterstützung zu. Das Vorgehen Nordkoreas stelle einen offenen Verstoß gegen internationale Verpflichtungen und eine ernste Gefahr für den Weltfrieden dar, kommentierte sie.

Die Spannungen haben nach Einschätzung der Volksrepublik China einen "Wendepunkt" erreicht. Eine Sprecherin des Außenministeriums in Peking forderte Zurückhaltung. Peking rufe nach wie vor zu Friedensgesprächen auf. "Druck und Sanktionen" gegen Pjöngjang könnten den Konflikt "nicht grundlegend lösen".

Rakete stürzt nach Flug über Japan in den Pazifik

Der Konflikt mit Nordkorea über das Raketenprogramm des Landes ist seit Dienstag auf einer neuen Eskalationsstufe: Eine nordkoreanische Rakete überflog am Dienstag Japan und stürzte östlich der Insel Hokkaido in den Pazifik.

Japans Regierungschef Shinzo Abe sprach von einer "beispiellosen und ernsthaften" Bedrohung. Der UN-Sicherheitsrat kommt am Dienstag zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen.

Abe kündigte an, gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump den Druck auf die international weitgehend isolierte Führung in Pjöngjang weiter zu erhöhen. Darauf habe er sich nach einem 40-minütigen Telefonat mit Trump verständigt. Der US-Präsident habe ihm versichert, "zu hundert Prozent" an der Seite Japans zu stehen.

Regierungschef Abe: Überflug der Rakete "ungeheuerlicher Akt"

Der Überflug der Rakete sei ein "ungeheuerlicher Akt", der Frieden und Sicherheit in der Region großen Schaden zufüge, sagte Abe. Japan werde "alle Schritte" unternehmen, um seine Bevölkerung zu schützen. Diplomaten zufolge soll der UN-Sicherheitsrat am Dienstagnachmittag in New York auf Antrag Japans und der USA zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen.

Der Regierung in Tokio zufolge stürzte die Rakete rund 1180 Kilometer östlich der zweitgrößten japanischen Insel Hokkaido ins Meer. Das südkoreanische Militär teilte mit, die Rakete sei von Sunan nahe der Hauptstadt Pjöngjang aus abgefeuert worden. Das Geschoss habe eine Strecke von 2700 Kilometern zurückgelegt und eine maximale Höhe von rund 550 Kilometern erreicht.

Japan hatte in der Vergangenheit angekündigt, nordkoreanische Raketen abzuschießen, die eine Bedrohung japanischen Territoriums darstellten. Bei dem rund zweiminütigen Überflug der Rakete am Dienstag sei die Armee jedoch zu der Einschätzung gekommen, dass keine Gefahr für japanisches Gebiet bestehe, sagte Verteidigungsminister Itsunori Onodera.

Ungeachtet dessen wurden im Norden Japans am frühen Morgen zahlreiche Einwohner von der Regierung über Textnachrichten aufgefordert, Schutz zu suchen. Zugpassagiere wurden angewiesen, sich in Bahnhöfen in Sicherheit zu bringen.

Zuletzt hatte eine nordkoreanische Rakete im Jahr 2009 Japan überquert. Pjöngjang zufolge handelte es sich damals um einen Satellitenstart. Die USA, Japan und Nordkorea vermuteten hingegen einen Test einer Interkontinentalrakete.

Russland nach Raketenabschuss "extrem besorgt"

Nach dem jüngsten Raketenabschuss Nordkoreas hat sich Russland "extrem besorgt" gezeigt. Die Lage habe die "Tendenz zur Eskalation", sagte der russische Vize-Außenminister Sergej Riabkow am Dienstag laut der staatlichen Nachrichtenagentur Ria Nowosti. "Wir sind extrem besorgt über die allgemeine Entwicklung", sagte er demnach.

Riabkow machte auch die jüngsten umfangreichen Militärübungen Südkoreas und der USA auf der koreanischen Halbinsel für die Lage verantwortlich. Die Manöver hätten "eine Rolle dabei gespielt, Pjöngjang zu einem neuen Abschuss" einer Rakete zu veranlassen.

Der Konflikt über Nordkoreas Raketenprogramm hatte sich deutlich zugespitzt, nachdem Pjöngjang im Juli zwei Interkontinentalraketen testete, die womöglich auch Ziele auf dem US-Festland erreichen könnten. Der UN-Sicherheitsrat beschloss daraufhin schärfere Sanktionen gegen das Land.

Nordkorea drohte zudem Anfang August damit, Raketen in Richtung der Pazifikinsel Guam abzufeuern, auf der die USA mehrere Militärstützpunkte unterhalten. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump Pjöngjang mit "Feuer und Wut" indirekt einen Atomwaffeneinsatz angedroht.

Die Pazifikinsel Guam liegt rund 3500 Kilometer von Nordkorea entfernt. Eine Richtung Guam abgefeuerte Rakete müsste ebenfalls Japan überqueren. Die am Dienstag von Nordkorea gestartete Rakete schlug jedoch nicht die Richtung der Pazifikinsel ein.

AFP/dpa/Video: Glomex

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