Unbeteiligtes Paar verdächtigt

NSU-Prozess: Massive Vorwürfe gegen Nürnberger Polizei

+
Rechtsanwältin Seda Basay (l.) mit der Witwe des ersten NSU-Opfers.

Die Anwältin der Familie des ersten NSU-Mordopfers Enver Simsek hat massive Vorwürfe gegen die Nürnberger Polizei erhoben.

München - In ihrem Plädoyer im Münchner NSU-Prozess sagte Rechtsanwältin Seda Basay am Dienstag, die Ermittler hätten „ein Jahrzehnt lang“ hartnäckig den haltlosen Verdacht verfolgt, Simsek habe mit Drogen gehandelt. Dabei habe es dafür nie Anhaltspunkte gegeben.

Ebensowenig hätten Hinweise auf eine Eifersuchtstat oder Schutzgelderpressung existiert, wie die Ermittler ebenfalls angenommen hätten. Nicht nachgegangen seien sie dagegen Aussagen von Zeugen, die den Mord am 9. September 2001 an einer vielbefahrenen Straße in Nürnberg aus ihren Autos beobachtet hatten und von dunkel gekleideten Männern in Radlerhosen sprachen. Stattdessen habe die Polizei ein unbeteiligtes farbiges Paar verdächtigt und deren Auto in den Akten als „Negerauto“ bezeichnet.

Simsek war das erste Opfer

Simsek war der erste von insgesamt neun türkisch- und griechischstämmigen Gewerbetreibenden, die von den beiden NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt erschossen wurden. Das Motiv dieser Taten war Fremdenhass. Vor dem Oberlandesgericht München sind dafür Beate Zschäpe als mutmaßliche Mittäterin und vier mutmaßliche Helfer des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ angeklagt. Für Zschäpe hatte die Bundesanwaltschaft lebenslange Haft gefordert.

dpa

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Hambacher Forst: Gericht bestätigt Verbot des Demonstrationszugs

Im Hambacher Forst ist ein Journalist bei einem Sturz ums Leben gekommen. Trotzdem wird die Räumung laut RWE-Chef fortgesetzt werden - ein Demonstrationszug wurde …
Hambacher Forst: Gericht bestätigt Verbot des Demonstrationszugs

Geschwister warnen vor US-Kongresswahlen: Wählt nicht unseren Bruder!

Bei den Kongresswahlen in Arizona muss Paul Gosar nicht nur gegen seinen demokratischen Herausforderer antreten - sondern auch gegen seine Familie.
Geschwister warnen vor US-Kongresswahlen: Wählt nicht unseren Bruder!

Burkaverbot und „Fair Food“: Die Schweiz stimmt ab

In der Schweiz treffen die Bürger bei Volksabstimmungen am Sonntag Entscheidungen zum muslimischen Gesichtsschleier sowie zu Fragen der Ernährung und Landwirtschaft.
Burkaverbot und „Fair Food“: Die Schweiz stimmt ab

AfD-Kundgebung: 4000 protestieren gegen Rechts

Rostock (dpa) - In der Rostocker Innenstadt haben sich nach Polizeiangaben rund 4000 Menschen einer Demonstration der AfD friedlich entgegengestellt. Dem Aufruf zur …
AfD-Kundgebung: 4000 protestieren gegen Rechts

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.