„Sehe es als Auftrag“

Özdemir kritisiert Boykottaufruf von Erdogan zur Bundestagswahl

+
"Alle, die für Demokratie, gegen Repression und Korruption in der Türkei und damit keine Erdogan-Fans sind, werden einfach zu Landesverrätern und Feinden erklärt."

Deutsche Politiker haben den Aufruf Erdogans kritisiert. Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir bezeichnete ihn aber „wenig überraschend“ und sieht darin einen Auftrag für die Partei.

Berlin - Der Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir hat den Boykottaufruf des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gegen deutsche Parteien kritisiert. Fünf Wochen vor der Bundestagswahl komme der Aufruf aber "wenig überraschend", erklärte Özdemir am Freitag. "Alle, die für Demokratie, gegen Repression und Korruption in der Türkei und damit keine Erdogan-Fans sind, werden einfach zu Landesverrätern und Feinden erklärt."

Özdemir: „Wir verstehen die Erwähnung als Auftrag“

Der türkische Präsident hatte nach dem muslimischen Freitagsgebet in Istanbul die türkischstämmigen Wähler in Deutschland aufgerufen, bei der Bundestagswahl nicht für Union, SPD oder Grüne zu stimmen. Er begründete dies mit einer angeblich antitürkischen Politik dieser Parteien. Zu anderen Parteien äußerte sich Erdogan nicht.

"Wir verstehen diese Erwähnung als Auftrag, weiterhin und entschlossen dafür zu arbeiten, dass der Einfluss von Erdogan auf Deutsch-Türken in unserem Land gestoppt wird", erklärte Özdemir. Interessant sei, dass die AfD nicht auf der Liste stehe. "Da zeigt sich auch, was deren Ideologien mit Erdogan verbindet."

Scheuer: „Despot von Bosporus überschreitet seine Grenzen“

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer wies die Einmischung des türkischen Präsidenten in den deutschen Wahlkampf mit scharfen Worten zurück. "Mit seiner Wahlvorgabe für die Bundestagswahl überschreitet der Despot vom Bosporus seine Grenzen", sagte Scheuer der "Bild"-Zeitung. Erdogan mische sich "auf unerträgliche Weise" in die deutsche Innenpolitik ein und versuche, Deutsch-Türken "zu seiner fünften Kolonne" zu machen.

"Das lassen wir uns nicht bieten. Wer in Deutschland wahlberechtigt ist, wählt demokratisch und frei", fügte Scheuer hinzu. "Und wer Menschenrechtsverletzungen in der Türkei kritisiert, ist noch lange kein Türkeifeind."

afp

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Trump und Putin: Treffen der politischen Schwergewichte

Der Showdown beginnt. US-Präsident Trump und Kremlchef Putin schütteln in Helsinki demonstrativ kräftig die Hände. Die beiden verstehen sich sichtlich, die Beziehung …
Trump und Putin: Treffen der politischen Schwergewichte

"Da tickt etwas nicht ganz ...“: Trump empört Europäer - Geheim-Gespräch mit Putin beginnt hoffnungsvoll

Donald Trump und Wladimir Putin treffen sich am Montag zum mit großer Spannung erwarteten Gipfel in Helsinki. Wir berichten im News-Ticker.
"Da tickt etwas nicht ganz ...“: Trump empört Europäer - Geheim-Gespräch mit Putin beginnt hoffnungsvoll

Deutschland nimmt Kontakt mit Tunesien wegen Sami A. auf

Im Streit über die Abschiebung des Gefährders Sami A. nach Tunesien steht eine gerichtliche Klärung an. NRW und Bochum haben Beschwerde gegen den Rückholbeschluss …
Deutschland nimmt Kontakt mit Tunesien wegen Sami A. auf

„Er ist ein Täter! Er muss vor Gericht": Flüchtlingsschiff-Kapitän klagt Seehofer an

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder macht Innenminister Horst Seehofer indirekt für schlechte CSU-Umfragewerte verantwortlich. In der Partei gärt es nach den …
„Er ist ein Täter! Er muss vor Gericht": Flüchtlingsschiff-Kapitän klagt Seehofer an

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.