Rückzug vom SPD-Rückzieher?

Oppermann: Wenn Merkel geht, könnte es eine GroKo geben

+
Ex-Fraktionschef Oppermann: „Das wäre in der Tat eine neue Situation.“

Alles spricht über Jamaika, hat die SPD doch eine Regierungsbeteiligung ausgeschlossen. Gilt das tatsächlich unumstößlich? Ex-Fraktionschef Oppermann spekuliert über zwei Szenarien, die seine Partei doch noch in eine GroKo führen könnten.

Berlin - Zwar hat die SPD eine große Koalition kategorisch ausgeschlossen, ihr gerade abgelöster Fraktionschef Thomas Oppermann hält jedoch ein Bündnis mit der Union zumindest theoretisch dennoch für denkbar. In der ZDF-Talkshow „Markus Lanz“ bekräftigte Oppermann zwar, dass die SPD in die Opposition gehen wolle. Allerdings sagte er auf die Frage, ob die Sozialdemokraten im Fall eines Rückzugs von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zu einer großen Koalition bereit wäre: „Das wäre in der Tat eine neue Situation.“

Der SPD-Politiker geht jedoch davon aus, dass die Jamaika-Koalition aus Union, FDP und Grünen zustande kommen wird. „Die Grünen sind zu jeder Schandtat bereit“, sagte er. Nur die CSU werde Probleme machen, weil sie wegen des großen Stimmenverlusts bei der Wahl „waidwund“ geschossen sei. Auf die Frage, ob die SPD bei einem Scheitern von Jamaika und drohenden Neuwahlen noch umdenke, sagte Oppermann: Für den Fall, dass es einen „Staatsnotstand“ gebe, müsse die SPD neu überlegen. Aber einen Staatsnotstand sehe er noch nicht.

Er bekräftigte: „Unser Platz ist in der Opposition.“ Der Wähler habe die große Koalition „brutal“ abgestraft. Er könne sich auch nicht vorstellen, dass der öfter gehandelte CDU-Hoffnungsträger und Finanz-Staatssekretär Jens Spahn an die Stelle von Merkel treten könnte. „Der Herr Spahn hat nicht das Zeug zum Bundeskanzler.“

Schwesig verbietet sich Kritik ehemaliger Parteigrößen

Die SPD-Vizevorsitzende Manuela Schwesig verbat sich derweil Kritik ehemaliger Parteigrößen an der Neuaufstellung der Sozialdemokraten. „Es kann nicht sein, dass einzelne Sozialdemokraten mit Beiträgen von außen jetzt schon wieder Zensuren verteilen“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin der „Rheinischen Post“ (Freitag). „Alle in der SPD sollten den Verantwortlichen in der Parteiführung und neuen Fraktionsführung zunächst die Chance geben, die Partei nach einer schweren Wahlniederlage neu aufzustellen.“

Ähnlich äußerte sich die Bundesvorsitzende der Jusos, Johanna Uekermann. Sie kritisierte in der „Heilbronner Stimme“ (Freitag) „das permanente Reingrätschen von Ex-Politikern a la Schröder und von Dohnanyi“.

Zuvor hatten sich gleich drei Altvordere der SPD kritisch über Parteichef Martin Schulz und die Führungsmannschaft geäußert: Altkanzler Gerhard Schröder (73) befand, man habe sich zu früh auf die Opposition festgelegt, der frühere Parteichef Franz Müntefering (77)hätte den Partei- und den Fraktionsvorsitz lieber in einer Hand gesehen, und der frühere Hamburger Bürgermeister und Bundesminister Klaus von Dohnanyi (89) forderte Schulz zum Rücktritt auf.

Politologe spekuliert über Abgang von Martin Schulz

Der Konstanzer Politologe Wolfgang Seibel geht davon aus, „dass das Kapitel Martin Schulz in wenigen Wochen abgeschlossen sein wird“. „Wenn er jetzt auch noch die Niedersachsen-Wahl an die Wand fährt, dürfte er noch vor dem SPD-Parteitag Anfang Dezember zurücktreten“, sagte er der „Heilbronner Stimme“ (Freitag).

Nach massiver Kritik an ihrer Äußerung, der künftigen Bundesregierung „in die Fresse“ geben zu wollen, betrieb SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles Schadensbegrenzung. „Das ärgert niemanden mehr, als mich selbst“, sagte sie der „Bild“-Zeitung (Freitag). Eigentlich sei der Spruch eine Witzelei am Rande ihrer letzten Kabinettssitzung gewesen. „Es wurde darüber bei den Unionskollegen herzlich gelacht.“ Als sie den Spruch danach vor Kameras wiederholt habe, sei dies jedoch „anders rübergekommen“, da man die Anekdote kennen müsse, um den Witz zu verstehen.

Zugleich zeigte sich Nahles optimistisch, dass eine Jamaika-Koalition zustande kommt. „Die SPD ist in die Opposition geschickt worden. Punkt!“

Lesen Sie auch: Grüne stellen die Weichen für Gespräche über Jamaika-Koalition

dpa

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Nach AfD-Satire: Morddrohung gegen Videofirma

Ein Satire-Video löst Wut und Drohungen aus. Der SWR will sich gegen Einschüchterungen wehren. Die Freiheit der Kunst und der Presse seien nicht verhandelbar.
Nach AfD-Satire: Morddrohung gegen Videofirma

EU will Flüchtlings-Kooperation mit Ägypten

Migration und Brexit: Zwei Großthemen beschäftigen Bundeskanzlerin Merkel und ihre EU-Kollegen in Salzburg. Kann Ägypten zur Lösung des Dauerstreits in der EU um die …
EU will Flüchtlings-Kooperation mit Ägypten

Wahl-O-Mat Bayern 2018: Hier können Sie ab sofort das Wahltool befragen

Hier finden Sie ab heute den Wahl-O-Mat Bayern, der um 11.15 Uhr online geht. Die Fragen des Online-Tools helfen auch 2018 wieder dabei, die Wahlprogramme der Parteien …
Wahl-O-Mat Bayern 2018: Hier können Sie ab sofort das Wahltool befragen

SPD-Vize Kohnen attackierte Nahles offen - doch nun deutet sich überraschende Wende an

Die bayerische SPD-Chefin Natascha Kohnen hat Andrea Nahles aufgrund ihrer Haltung in der Causa Maaßen scharf kritisiert. Beim Krisentreffen in München scheint sich nun …
SPD-Vize Kohnen attackierte Nahles offen - doch nun deutet sich überraschende Wende an

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.