Maßnahmen gegen Steuertrickser

Politik müht sich nach "Panama Papers" um Konsequenzen

Justizminister Heiko Maas hat rechtliche Konsequenzen aus den "Panama Papers" in Aussicht gestellt.
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Justizminister Heiko Maas hat rechtliche Konsequenzen aus den "Panama Papers" in Aussicht gestellt.

Berlin - Als Reaktion auf die Enthüllungen über finanzielle Schattengeschäfte in Panama wird in Deutschland über Konsequenzen beraten. Das Problem: Nationale Lösungen bringen wenig.

Dabei zeigt sich, dass rein nationale Maßnahmen gegen internationale Steuertricks und Briefkastenfirmen in Übersee nur wenig ausrichten können. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) kündigte am Dienstag ein "Transparenzregister" für Briefkastenfirmen an. Er musste aber einräumen, dass dies nur in Deutschland anwendbar wäre.

Die Enthüllungen der "Panama Papers" verdeutlichen erneut, dass Finanztrickser gezielt die laxen Gesetze in Steueroasen nutzen, um Geld vor dem Fiskus zu verstecken. Die Regierungen der Finanzparadiese wehren sich oft gegen internationale Zusammenarbeit und grenzüberschreitenden Datenaustausch, da sie in der Regel von den Finanzgeschäften profitieren.

"Es ist im internationalen Kontext nicht immer so einfach, einer anderen Regierung zu sagen, jetzt musst du dich mal ändern", sagte Unionsfraktionsvize Ralph Brinkhaus (CDU) dem SWR. "Das sind souveräne Staaten, und da muss man schon eine Menge diplomatischen Druck ausüben und teilweise auch ein bisschen anderen Druck ausüben, damit diese Staaten sich bewegen."

EU-weite Lösung als Gegenstrategie?

Innerhalb der EU und der OECD gibt es Anstrengungen, im Kampf gegen Steuerhinterzieher und Finanzjongleure zusammenzuarbeiten. Brinkhaus verwies auf die neue EU-Geldwäscherichtlinie, die mehr Transparenz auch in Unternehmensregister bringen soll. "Da wird also auch sichergestellt, dass zu sehen ist, wer ist denn der wirtschaftlich Begünstigte von einem Unternehmen", sagte der CDU-Politiker.

"Briefkastenfirmen, bei denen die wirtschaftlich Berechtigten anonym bleiben, darf es nicht länger geben", forderte auch Maas. Im Zuge der Umsetzung der EU-Geldwäscherichtlinie plant der Justizminister ein entsprechendes Transparenzregister. Betroffen davon wären aber nur Unternehmen in Deutschland - und nicht in Panama oder anderen Steueroasen.

Eine Reihe von Vorschlägen richtet sich daher gegen Banken in Deutschland. SPD-Vize Thorsten Schäfer-Gümbel forderte Strafen für Finanzinstitute, die Kunden bei der Einrichtung von Briefkastenfirmen im Ausland unterstützen. "In Zukunft müssen nicht nur einzelne Bank-Mitarbeiter haftbar gemacht werden können, sondern auch die gesamten Unternehmen", sagte Schäfer-Gümbel dem Bayerischen Rundfunk.

Linken-Chef Bernd Riexinger sprach sich dafür aus, Banken ihre Lizenz zu entziehen, wenn sie Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet haben. Die Pläne von Maas für ein Transparenzregister seien "nicht ausreichend".

Poroschenko, Gribkowsky und ein Ex-Bundesliga-Trainer: Sie sind in den "Panama Papers"

Poroschenko, Gribkowsky und ein Ex-Bundesliga-Trainer: Sie tauchen in den "Panama Papers" auf

epa05182144 Spanish filmmaker Pedro Almodovar attends an event with Spanish artist Miquel Navarro (unseen) at the the ARCO Contemporary Art Fair in Madrid, Spain, 26 February 2016. The art fair runs from 24 to 28 February. EPA/BALLESTEROS +++(c) dpa - Bildfunk+++
Der spanische Regisseur Pedro Almodovar. © dpa
Qatar's Emir Sheikh Tamim bin Hamad Al-Thani attends the second day of the 136th Gulf Cooperation Council (GCC) summit held in Riyadh, on December 10, 2015 as kings and emirs from six Gulf states began two days of talks, at the same time as unprecedented discussions by the Syrian opposition at a luxury hotel in another part of the city. Saudi King Salman bin Abdulaziz called for political solutions to the wars in Syria and Yemen, while condemning "terrorism," at the opening of the annual Gulf summit. AFP PHOTO / FAYEZ NURELDINE
Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani aus Katar. © AFP
epa000307723 Iraqi Prime Minister Iyad Allawi smiles as he passes by a logo, Friday 05 November 2004, during a visit to NATO headquarters in Brussels. Allawi is also due to attend a meeting at the European Summit held in Brussels. Foto: Herwig Vergult dpa
Der frühere irakische Premierminister Ayad Allawi. © dpa
(FILES) This file photo taken on February 11, 2016 shows Syrian President Bashar al-Assad during an exclusive interview with AFP in the capital Damascus.Syria's civil war, which has killed more than 270,000 people and forced millions to flee their homes, erupted in 2011 when government forces turned their weapons on protesters demanding political change. / AFP PHOTO / JOSEPH EID
Der Cousin des syrischen Machthabers Baschar al-Assad. © AFP
WASHINGTON, DC - APRIL 01: Prime Minister of the United Kingdom David Cameron listens during a plenary session of the 2016 Nuclear Security Summit April 1, 2016 in Washington, DC. U.S. President Barack Obama is hosting the fourth and final in a series of summits to highlight accomplishments and make new commitments towards reducing the threat of nuclear terrorism. Alex Wong/Getty Images/AFP== FOR NEWSPAPERS, INTERNET, TELCOS & TELEVISION USE ONLY ==
Der Vater von David Cameron soll involviert sein. © AFP
(File) President of Peñarol Club, Juan Pedro Damiani, arrives for a meeting at Executive Tower in Montevideo, Uruguay, 01 April 2014. EPA/Iván Franco (zu dpa "Panamapapers: FIFA-Ethikkommission bestätigt Vorermittlung" am 31.03.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Fifa-Funktionär Juan Pedro Damiani. © dpa
ARCHIV - Vor der Parlamentswahl in der Südkaukasusrepublik Georgien spitzt sich der Machtkampf der Lager um Präsident Michail Saakaschwili und Oppositionsführer Bidsina Iwanischwili (Foto vom 19.09.2012) zu. Beide Seiten warfen sich am Montag (24.09.2012) kriminelle Methoden vor. Foto: Ulf Mauder/dpa (zu dpa-Meldung vom 24.09.2012) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Der georgische Milliardär Bidsina Iwanischwili. © dpa
epa05038591 Argentininan President-elect Mauricio Macri during a press conference in Buenos Aires, Argentina, 23 November 2015. Centre-right opposition candidate Mauricio Macri won the presidential runoff Sunday in Argentina and hailed a new era after 12 years of government by the left-leaning Kirchner couple. With 97 per cent of ballots counted, Buenos Aires Mayor Macri, 56, of the opposition coalition Cambiemos (Let's Change) had nearly 52 per cent of the vote. His opponent, ruling-party candidate Daniel Scioli, 58, had 48 per cent and conceded defeat. EPA/DAVID FERNANDEZ +++(c) dpa - Bildfunk+++
Der argentinische Präsident Mauricio Macri. © dpa
epa05049969 FC Barcelona's Argentinian striker Lionel Messi poses for photographers during the Spanish LFP Awards in Barcelona, northeastern Spain, 30 November 2015. EPA/ALEJANDRO GARCIA +++(c) dpa - Bildfunk+++
Der mehrmalige Weltfußballer des Jahres Lionel Messi. © dpa
Ukrainian President Petro Poroshenko gestures as he speaks during a press conference after a summit aimed at ending 10 months of fighting in Ukraine in Minsk on February 12, 2015. Russian President Vladimir Putin said that he and the leaders of France, Germany and Ukraine had agreed on the withdrawal of heavy weapons from Ukraine's frontlines and a ceasefire to begin from February 15. AFP PHOTO / SERGEI GAPON
Der ukrainische Präsident Petro Poroshenko. © AFP
FILE - A file picture dated 15 December 2014 of UEFA President Michel Platini during the UEFA Champions League 2014/15 round of 16 draw at the UEFA Headquarters in Nyon, Switzerland. EPA/JEAN-CHRISTOPHE BOTT (zu dpa-Meldung: "Platini verweigert erneute Aussage vor FIFA-Ethikhütern" vom 16.12.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Der frühere Uefa-Boss Michel Platini. © dpa
A picture provided by the Saudi Press Agency (SPA) on December 28, 2015 shows Saudi King Salman bin Abdulaziz heading the Council of Ministers meeting in the capital Riyadh. Saudi Arabia projected a deficit of $87 billion as it issued its 2016 budget, the kingdom's third annual shortfall in a row due to the oil price slump. AFP PHOTO / SPA / HO=== RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT "AFP PHOTO / SPA / HO" - NO MARKETING NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS ===
Der saudische König Salman bin Abdulaziz. © AFP
Der isländische Premierminister Sigmundur Gunnlaugsson.
Der isländische Premierminister Sigmundur Gunnlaugsson. © dpa
Der ehemalige Premierminister des Irak, Iyad Allawi.
Der ehemalige Premierminister des Irak, Iyad Allawi. © dpa
Der deutsche Formel-1-Pilot Nico Rosberg.
Der deutsche Formel-1-Pilot Nico Rosberg. © AFP
Der ehemalige Bundesliga-Trainer Tayfun Korkut.
Der ehemalige Bundesliga-Trainer Tayfun Korkut. © dpa
Der wegen Korruption und Steuerhinterziehung verurteilte ehemalige Bänker der BayernLB, Gerhard Gribkowsky.
Der wegen Korruption und Steuerhinterziehung verurteilte ehemalige Bänker der BayernLB, Gerhard Gribkowsky. © dpa
Der jetzige FIFA-Präsident und frühere Direktor der Rechtsabteilung der UEFA, Gianni Infantino.
Der jetzige FIFA-Präsident und frühere Direktor der Rechtsabteilung der UEFA, Gianni Infantino. © AFP

Laut "Süddeutscher Zeitung", die die Enthüllungen angestoßen hatte, gründeten mindestens 28 deutsche Banken über die panamaische Finanzkanzlei Mossack Fonseca Briefkastenfirmen. Der Finanzexperte der Grünen im Europaparlament, Sven Giegold, verlangt Strafzahlungen für Geldhäuser, die Geschäfte mit Scheinfirmen machen. "So könnten wir auch international Banken dazu bekommen, mit Europäern keine schmutzigen Geschäfte zu machen", sagte Giegold dem RBB-Inforadio.

Der Vorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft, Thomas Eigenthaler, schätzt, dass den deutschen Steuerbehörden durch Offshore-Firmen in Steueroasen rund zehn Milliarden Euro im Jahr entgehen. Eigenthaler forderte die Bundesregierung auf, eine Liste mit "unsicheren Steuerstaaten" zu erstellen. "Wer Geschäfte mit einer Firma in diesen Staaten macht, sollte dann so behandelt und besteuert werden, als ob das Geschäft in Deutschland stattfindet", sagte er der "Bild"-Zeitung.

AFP

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